BSI spricht Warnung aus

Blackout-Gefahr für ganz Deutschland – Wie China das Stromnetz destabilisieren könnte

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Die Regierung verlässt sich auf ferngesteuerte Wechselrichter in Photovoltaikanlagen zur Sicherung des Stromnetzes. Chinas Kontrolle über diese Technologie birgt jedoch erhebliche Sicherheitsrisiken, die Fachleute immer mehr beunruhigen.

Frankfurt – Um einer Überlastung des deutschen Stromnetzes vorzubeugen, plant die Bundesregierung den verpflichtenden Einsatz von ferngesteuerten Wechselrichtern. Im Rahmen dieser Bemühungen arbeitet sie derzeit an einem sogenannten „Solarspitzen-Gesetz“, das zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen soll. Dabei kommt China jedoch eine zentrale Rolle zu – eine Tatsache, vor der das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kürzlich warnte. Deutschlands Abhängigkeit von chinesischen Technologien in der Energieversorgung könnte sich als erhebliche Sicherheitslücke entpuppen.

Chinas Einfluss auf die deutsche Solarstrominfrastruktur: Ein Risiko für die Sicherheit?

Im November vergangenen Jahres sorgte die Abschaltung zahlreicher Solarwechselrichter des chinesischen Herstellers Deye für Unruhe. Über ein Internetsignal wurden die Geräte offenbar ohne Vorwarnung stillgelegt, wodurch betroffene Anlagenbesitzer im Dunkeln standen. Während die genaue Ursache unklar blieb, zeigte der Vorfall, dass chinesische Hersteller theoretisch direkten Zugriff auf die deutsche Solarstrominfrastruktur haben.

Deutschland ist dabei besonders anfällig. Mit einer installierten Leistung von etwa 100 Gigawatt verteilt auf ca. 4,8 Millionen Anlagen hat die Solarenergie hierzulande mittlerweile die höchste Kapazität aller Kraftwerkstypen, heißt es laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE.

An sonnenreichen Tagen kann dieser Strom Überschüsse erzeugen, die das Netz destabilisieren könnten. Um dieses Problem zu bewältigen, arbeitet die Bundesregierung an einem neuen Gesetz zur Steuerung von Solaranlagen. Doch dieses Gesetz setzt auf fernsteuerbare Wechselrichter – und damit auf Technologien, die größtenteils von chinesischen Herstellern kontrolliert werden.

Landesweiter Blackout nicht auszuschließen

Dem PV Magazin zufolge wird der Weltmarkt für Solarwechselrichter von chinesischen Unternehmen wie Huawei, Sungrow und Deye dominiert. Diese Hersteller verfügen über die Möglichkeit, Geräte per Software-Befehl aus der Ferne zu steuern. Sollte die chinesische Regierung eingreifen – beispielsweise im Zuge eines internationalen Konflikts wie einer Invasion Taiwans – könnte sie Teile der deutschen Energieversorgung lahmlegen.

Sicherheitsbehörden wie das BSI warnen seit dem Deye-Vorfall vor den Risiken. Bereits ein plötzlicher Ausfall von nur zehn Prozent der deutschen Solarkapazitäten könnte eine Kettenreaktion im Stromnetz auslösen und einen landesweiten Blackout verursachen. Das BSI ist daher in engem Austausch mit deutschen Herstellern wie SMA, um Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu entwickeln. Doch die Abhängigkeit von ausländischen Komponenten bleibt ein erhebliches Problem.

Chinas Einfluss auf die deutsche Solarenergie: Sicherheitsrisiken durch fernsteuerbare Wechselrichter. (Symbolbil)

Steuerung der Solaranlagen über Wechselrichter – China hätte Zugriff

Die aktuellen Pläne der Bundesregierung sehen vor, die Steuerung von Solaranlagen über Wechselrichter zu ermöglichen. Ursprünglich war vorgesehen, diese Aufgabe durch sogenannte „Smart Meter Gateways“ zu übernehmen – zertifizierte Steuerungssysteme des BSI. Da die Einführung dieser Technologie jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt wurde, wird derzeit auf die Steuerungsmöglichkeiten bestehender Wechselrichter zurückgegriffen, was teilweise auch Technologie chinesischer Hersteller einschließt.

Sicherheitsexperten kritisieren diese Entscheidung scharf. Laut einem Sprecher der Behörde, die für die Abwehr von Cybergefahren zuständig ist, resultiere daraus ein „erhebliches Gefährdungspotenzial“. Die Hersteller müssten nicht einmal aktiv eingreifen, um Schaden anzurichten, berichtete die WELT AM SONNTAG. Schon das passive Ignorieren von Netzbetreiberanweisungen – etwa bei Überlastungssituationen – könnte die Stabilität des Stromnetzes gefährden.

Gefahr durch Cyberangriffe – Lokale Steuerung notwendig

Nicht nur im Solarbereich, auch bei Windkraftanlagen spielt chinesische Technologie eine zentrale Rolle. Viele Steuerungskomponenten stammen aus China, was die Risiken zusätzlich erhöht. Branchenvertreter warnen laut WELT seit Jahren vor den Cyberrisiken, die mit der Fernsteuerbarkeit solcher Anlagen einhergehen.

Auch das BSI warnte nicht nur vor ausländischen Mächten, sondern auch vor der Gefahr durch Hacker: „Neben dem direkten Zugriff des Herstellers können auch Sicherheitslücken in den Produkten oder der Herstellercloud dann Dritten einen unbefugten Zugriff ermöglichen.“ Das Institut betonte außerdem: „Energiewendeanlagen, wie zum Beispiel PV-Anlagen, sollten möglichst lokal betrieben und die netzdienliche Steuerung dieser Anlagen über intelligente Messsysteme realisiert werden.“

Deutschlands reagiert zögerlich

Andere Länder ziehen bereits Konsequenzen. Litauen hat nach dem Deye-Vorfall den Einbau chinesischer Fernsteuerungen in Energieanlagen untersagt. Die USA gehen noch weiter: Ab 2030 wird dort auch die Verwendung von Fahrzeugen mit chinesischer Steuerungshardware verboten. Währenddessen hadert Deutschland noch mit so extremen Schritten.

Die deutsche Politik steht vor einem Dilemma: Auf der einen Seite ist der rasche Ausbau erneuerbarer Energien von großer Bedeutung, um die Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung nachhaltig zu gestalten. Auf der anderen Seite sind viele der kostengünstigen Komponenten, die für diesen Ausbau notwendig sind, in China produziert, was eine Abhängigkeit von ausländischen Herstellern mit sich bringt.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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