VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Trump hat die Börsen ins Chaos gestürzt. Teils sind historische Einbrüche zu verzeichnen. Trotzdem rückt er von seinem Kurs nicht ab.
Washington, DC – Mit der Ankündigung umfangreicher Strafzölle für fast 200 Länder hat US-Präsident Donald Trump die globalen Märkte in Aufruhr versetzt. Rund um den Globus brachen die Aktienmärkte ein. Während Kritiker darin einen deutlichen Hinweis sehen, die Zollpolitik lieber noch einmal zu überdenken, stellen sich Trump-Anhänger hinter den Präsidenten. Trump wiederum findet, dass sein Land diese turbulente Phase nur durchstehen müsse, ehe es zu neuem Reichtum käme.
Trump-Zölle sorgen für Börsen-Chaos – erste Reaktionen folgen bereits
Am Montag (7. April) setzt sich die Panik an den Märkten fort. Die neue Sorge über einen ausschweifenden Handelskrieg sorgt für einen massenhaften Ausverkauf bei Aktien rund um den Globus. Wie das aussehen könnte, hat bereits in der Woche vom 1. April die chinesische Reaktion auf Trumps Zollpolitik gezeigt: Die Chinesen reagierten mit einem Zollplus von 34 Prozent auf dieselbe Maßnahme der Amerikaner. Europa, Japan, Kanada, Mexiko und andere Handelspartner, die Trump höher bezollen will, hatten bereits vor Monaten Gegenreaktionen angedroht – nun steht zu befürchten, dass alle Länder mit ähnlichen Zöllen reagieren.
Die Sorge eines Welthandelskriegs geht darum um. In Asien zeigte sich der Handel am Montagmorgen (auch 7. April) „extrem volatil“, berichtete die BBC, wobei es besonders die Märkte in Hongkong (hier gibt es Aktieneinbrüche um die zwölf Prozent) und Taiwan (minus zehn Prozent) traf. Hauptlandchina hat mit Börseneinbrüchen um die acht Prozent zu kämpfen.
Der deutsche DAX brach am Montagmorgen um zehn Prozent ein. Ebenfalls betroffen sind Südkorea (Indexeinbrüche um die fünf Prozent), Australien (minus mehr als vier Prozent) und Japan – in Japan kam es kurzzeitig zu einem Handelsstopp, weil der Nikkei zwischenzeitlich um mehr als sieben Prozent abstürzte.
Börse im freien Fall – teils historische Verluste
Die Panik an den Aktienmärkten hat auch den Kryptomarkt ergriffen. Am Sonntagabend (6. April) fiel der Bitcoin unter die 80.000-Dollar-Marke und verlor damit einen Teil des Vorsprungs, den er vorher durch Trumps Pro-Krypto-Kurs eingefahren hatte. Durch die Einbrüche vom 3. und 4. April verlor der Leitindex S&P 500 rund 5,4 Billionen US-Dollar an Marktwert. Jetzt fürchten die Anleger vor einer weltweiten Rezession als Folge eines globalen Handelskriegs.
Diese hat sich derartig hochgeschaukelt, dass der US-Nachrichtensender CNBC in einer Sondersitzung zu Verkäufen riet. „Wenn Sie ihr investiertes Geld im kommenden Jahr brauchen, dann sollten sie vermutlich verkaufen“, zitierte das Handelsblatt den TV-Trader Jim Cramer.
Die Verluste an den US-Börsen sind bereits jetzt historisch. Der wichtige Index Dow Jones verlor zum ersten Mal in der Geschichte an zwei Tagen in Folge mehr als 1.500 Punkte, inklusive eines Verlustes von 2.231 Punkten am Freitag (4. April). Laut CNBC war die Performance des S&P 500 am selben Tag so schlecht wie seit dem Ausbruch der Pandemie im März 2020 nicht mehr. Am frühen Montag fallen die US-Aktienfutures weiter, weil das Weiße Haus seine Haltung beibehält.
Trump hält an Zoll-Kurs fest – „manchmal musst du Medizin nehmen“
Mehr noch: Donald Trump hat seine Zollpolitik am Sonntag (6. April) verteidigt. Angesichts der schweren Schockwellen, die seine Entscheidungen durch die globalen Märkte senden, sagte er: „Manchmal musst du Medizin nehmen, um etwas zu reparieren.“ An Bord der Air Force One verteidigte Trump seine Entscheidungen und sagte, dass Arbeitsplätze und Investments in die USA zurückkehren würden, um das Land „reich wie nie zuvor“ zu machen.
Gleichzeitig aber bemerkte er, dass er nicht wolle, dass die Aktienmärkte einbrechen. Das sei jedoch ein notwendiger Vorgang, den er nicht zu unterbrechen gedenke. „Wir haben ein Billionen-Dollar-Handelsdefizit mit China. Hunderte von Milliarden Dollar, die wir jedes Jahr an China verlieren. Und solange wir das Problem nicht lösen, mache ich keinen Deal.“
Laut dem Observatory of Economic Complexity haben die USA im Jahr 2023 Waren im Wert von 154 Milliarden US-Dollar nach China exportiert. Andersherum lieferte China Waren im Wert von 436 Milliarden US-Dollar. „Die Zölle kommen und werden definitiv für Tage und Wochen bleiben“, zitierte CNBC den US-Handelsminister Howard Lutnick.
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