Größte Übernahme der Geschichte

Bosch begründet Mega-Investition: Mehr Wärmepumpen, mehr Klimaanlagen

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Der Technikkonzern Bosch hat das Geschäft mit Lüftungs- und Klimatechnik vom US-Unternehmen Johnson Controls übernommen. Das hat strategische Gründe.

Stuttgart – Der Bosch-Konzern, einer der größten Technikunternehmen Deutschlands, hat im vergangenen Jahr mit 430.000 Beschäftigten einen Umsatz von 91,6 Milliarden Euro erzielt. Das Kerngeschäft des Unternehmens liegt traditionell im Bereich der Autoteile, doch nun expandiert Bosch stark in die Sparte der Gebäudetechnik. Jetzt will der deutsche Tech-Riese weiter wachsen und kauft einen amerikanischen Konzern.

Mega-Investition: Bosch kauft amerikanischen Konzern

Bosch hat für mehr als sieben Milliarden Euro das Geschäft mit Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik von Johnson Controls und Hitachi übernommen. Mit diesem Zukauf plant Bosch, verstärkt in den Markt für Klimaanlagen einzusteigen.

Die Geschäfte von Johnson Controls, die Bosch übernehmen möchte, erzielten im Geschäftsjahr 2023 wohl einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro und beschäftigen weltweit etwa 12.000 Mitarbeiter, berichtet die F.A.Z.

Die Transaktion umfasst demnach 16 Produktions- und 12 Entwicklungsstandorte in über 30 Ländern, wie Christian Fischer, der für Zukäufe verantwortliche stellvertretende Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte. „Bosch wird seinen Umsatz im Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsmarkt auf etwa neun Milliarden Euro fast verdoppeln“, sagt Fischer.

Der Fokus liegt auf Klimaanlagen in Privathaushalten

Im Gespräch mit ZEIT ONLINE erklärt Fischer die Beweggründe für diesen Schritt: „Die Analyse ist ganz einfach, wir erfahren sie auch alle am eigenen Leib: An immer mehr Tagen steigt die Temperatur in Kontinentaleuropa über 30 Grad. Das Bedürfnis zu kühlen steigt.“ Er ist überzeugt, dass Klimaanlagen auch in Deutschlands Privathaushalten bald verbreiteter sein werden und prognostiziert ein Wachstum von 30 Prozent in Europa bis Ende des Jahrzehnts.

Für 7,4 Milliarden will Bosch das Geschäft mit Heiz- und Klimatechnik von Johnson Controls übernehmen. Das wäre der größte Kauf der Konzerngeschichte. (Archivbild)

Bosch investiert in verschiedene Elektrozweige

In den letzten Jahren hatte Bosch in verschiedenen neuen Geschäftsfeldern eher gemischte Erfolge, heißt es in dem Bericht. Die Solarsparte des Konzerns, die drei Milliarden Euro kostete, wurde abgewickelt, die Elektromobilität entwickelte sich langsamer als erwartet und die Arbeit am Roboterauto wurde eingestellt. Trotzdem ist Fischer optimistisch, dass die Gebäudetechniksparte erfolgreicher sein wird.

Er verweist auf frühere erfolgreiche Integrationen: „Robert Bosch selbst hat einst Junkers erworben, das war unser Einstieg in die Heiztechnik, dann kam Buderus dazu. Und jetzt erweitern wir das um ein starkes Geschäft in Amerika und Asien, um Klimaanlagen, und bauen unsere Kapazität bei Wärmepumpen aus.“

Zukauf von Johnson Controls soll Umsatz von Bosch beschleunigen

In einer Pressemitteilung erklärt Fischer, dass Bosch durch den Zukauf sein Wachstum beschleunige und den Umsatz im Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsmarkt auf etwa neun Milliarden Euro fast verdoppeln werde.

„Die großen Chancen, die sich im Markt bieten, wollen wir gemeinsam mit den zukünftigen Kolleginnen und Kollegen für weiteres Wachstum der neuen Einheit nutzen“, führt er weiter aus.

Fischer zeigt sich zuversichtlich: „Wir lassen uns von einer vorübergehenden Eintrübung nicht beirren“

Obwohl das Wärmepumpengeschäft derzeit schwierige Zeiten durchmacht und in Deutschland dieses Jahr vermutlich nur 200.000 Geräte verkauft werden, zeigt sich Fischer zuversichtlich.

„Wir lassen uns von einer vorübergehenden Eintrübung nicht beirren. Wir werden die Transformation von fossilen hin zu erneuerbaren Energieträgern weiter mit unserer Technik begleiten. Die Wärmepumpe wird die Leute letztlich überzeugen, weil sie energieeffizienter ist“, sagt er zu ZEIT ONLINE und betont die langfristige Ausrichtung des global tätigen Technologieunternehmens.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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