VonLisa Mayerhoferschließen
Ministerin Bas treibt im deutschen Rentensystem den Ausbau der drei Säulen der Altersvorsorge voran. Experten identifizieren dort erhebliche Lücken und fordern „zielgerichtete Anstrengungen“.
Berlin – Angesichts des steigenden Kostendrucks fordern immer mehr Fachleute umfassende Reformen im Rentensystem. „Die Regierung hat bisher nicht geliefert“, äußerte kürzlich die Wirtschaftsweise Veronika Grimm gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sie betonte: „Wir brauchen in der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung mehr Ehrlichkeit darüber, welche Leistungen wir uns wirklich leisten können und welche nicht.“ Grimm warnte zudem: „Wenn man den Menschen Versprechungen macht, die man am Ende nicht halten kann, dann sorgen sie nicht privat vor, obwohl viele es könnten.“
Rente und Altersvorsorge: Bas will Säulen des Rentensystems weiter ausbauen
Bisher hat die Merz-Regierung aber umfassende Rentenreformen gescheut. Letzte Woche beschloss das Kabinett die Sicherung des Rentenniveaus von 48 Prozent des Durchschnittseinkommens bis 2031 und die Ausweitung der Mütterrente – also eher kurzfristige, kostenintensive Maßnahmen. Immerhin sind noch weitere Reformen in Planung: Nach der Sommerpause sollen die Aktivrente, die das Arbeiten im Alter attraktiver machen soll, und die Frühstartrente, die Kindern und Jugendlichen ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot vom Staat bietet, verabschiedet werden. Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) plant zudem, die Betriebsrente zu stärken.
Im „Sommerinterview“ der ARD erklärte Bas am Sonntag (10. August 2025) zudem, dass die drei Säulen der Altersvorsorge weiter ausgebaut werden sollen. „Welche Vorschläge dafür die besten sind, das wollen wir in der Rentenkommission natürlich beraten“, sagte die Ministerin. Sie wies darauf hin, dass die Riester-Rente, die vor allem für Geringverdiener als private Vorsorge gedacht war, nicht funktioniere. Ein neues Modell müsse entwickelt werden, damit die nächste Generation ihre private Altersvorsorge aufbauen könne. Das Ziel sei, über diese drei Säulen eine lebensstandardsichernde Rente zu erreichen, so Bas.
Rente: Experten beleuchten Probleme bei der privaten Altersvorsorge
Denn genau bei der Vorsorge über die drei Säulen gibt es massive Probleme. Das beleuchten vier Experten der Deutschen Rentenversicherung in einem Beitrag. Laut einer wissenschaftlichen Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) hätten Ende 2023 etwa 62 Prozent der Bevölkerung Anspruch auf eine private oder betriebliche Altersvorsorge. Dennoch sei der Verbreitungsgrad der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge seit Jahren rückläufig. Viele Arbeitnehmer sparen weniger für den Ruhestand, als bei der Einführung der Riester-Reform vor etwa einem Vierteljahrhundert erhofft.
Mit der Riester-Reform wurde die lebensstandardsichernde gesetzliche Rente durch ein Drei-Säulen-Modell ersetzt. Dieses Modell soll das sinkende Rentenniveau durch eine freiwillige, staatlich geförderte kapitalgedeckte Altersvorsorge, wie die „Riester-Rente“, oder eine betriebliche Altersvorsorge ausgleichen. Die Altersvorsorge basiert somit auf drei Säulen: der gesetzlichen Rente, der Betriebsrente und der privaten Altersvorsorge.
Analyse: „Erhebliche Lücken“ in der Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente
Die BMAS-Daten zur Altersvorsorge zeigen „insgesamt erhebliche Lücken bei der zusätzlichen Altersvorsorge“, so die Analyse der Rentenversicherungsexperten. Besonders Beschäftigte, die nur eine geringe gesetzliche Rente erwarten und daher auf Zusatzeinkünfte aus der kapitalgedeckten Vorsorge angewiesen sind, stehen vor unzureichenden Ergebnissen, wie ihre-vorsorge.de die Fachleute zitiert.
Die Zukunft des Drei-Säulen-Modells wird daher infrage gestellt. Sollten Verbreitung, Vorsorgeumfang und Risikoabdeckung nicht erheblich verbessert werden, „erscheint die Legitimität des Modells insgesamt infrage gestellt“, schreiben die Experten laut ihre-vorsorge.de. Sie fordern, zur Vertrauenssicherung der Bevölkerung, „zielgerichtete Anstrengungen, um das bestehende Drei-Säulen-Modell zu erhalten und seine Funktionsfähigkeit zu verbessern“.
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