VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Viele westliche Firmen haben Russland seit Beginn des Krieges verlassen. Nun vollzieht auch Unilever den Ausstieg. Allerdings stehen erhebliche Hindernisse im Weg.
London – Neben Boykott und anderen Protestaktionen sind westliche Firmen einem internationalen Druck ausgesetzt, solange sie weiter in Russland operieren. Russland selbst macht es den West-Firmen absichtlich schwierig, wenn sie den Exit schaffen wollen. Dem Mega-Konzern Unilever, sesshaft in London, ist es trotzdem gelungen.
Unilever führt Rückzug aus Russland durch – „Arbeit war sehr komplex“
Unilever hat seine Geschäfte in Russland und Weißrussland, einschließlich einer Tochtergesellschaft mit vier Werken, an das russische Unternehmen Arnest verkauft. Der Verkaufspreis betrug 520 Millionen Euro. Arnest ist laut Financial Times dafür bekannt, westliche Unternehmen zu erwerben, die Russland verlassen wollen, und wird als einer der großen „Kriegsprofiteure“ betrachtet.
Unilever-CEO Hein Schumacher wurde von der Financial Times mit den Worten zitiert: „Über das letzte Jahr haben wir das Unilever-Geschäft in Russland sorgfältig auf einen möglichen Verkauf vorbereitet“. Er fügte hinzu: „Diese Arbeit war sehr komplex, unter anderem mussten wir unsere IT-Plattformen von den Lieferketten trennen und verschiedene Brands ins Kyrillische übersetzen.“ Mit dem Verkauf endet die Präsenz von Unilever in Russland.
Die Yale School of Management berichtete im Januar 2024, dass Unilever alle Importe und Exporte nach und aus Russland gestoppt sowie Werbung und Investitionen eingefroren hatte.
Unilever nach Kriegsbeginn in der Kritik – Konzern landet auf der Profiteursliste der Ukraine
Unilever stand kurz nach Kriegsbeginn in der Kritik, da es seine Geschäfte nicht sofort eingestellt hatte. Die Ukraine hatte Unilever sogar auf die Liste der „internationalen Kriegssponsoren“ gesetzt. Der Grund dafür waren die „hohen Steuerzahlungen“ an den russischen Staat, die die „Wirtschaft des Aggressors“ unterstützten und es dem russischen Präsidenten ermöglichten, den Ukraine-Krieg fortzusetzen.
Unilever erklärte gegenüber der BBC, dass der Verkauf des Geschäfts in Russland nicht einfach sei. Es bestand die Gefahr, dass die Geschäfte vom russischen Staat übernommen oder vereinnahmt werden könnten. Unilever hatte lange Zeit keine Möglichkeit gefunden, das Geschäft so zu verkaufen, dass Russland daraus keinen weiteren Nutzen ziehen könnte. Der Schutz der Mitarbeiter war ein weiteres Problem. Daher wurde das Geschäft „unter strengen Auflagen“ fortgeführt.
Der russische Diktator Wladimir Putin ist sehr daran interessiert, ausländische Investitionen im Land zu halten. Laut der Tagesschau übt die russische Regierung daher Druck auf Unternehmen aus und setzt dabei teilweise Geheimdienstmethoden ein. Es gab bereits Pläne, „unartige“ westliche Unternehmen zu beschlagnahmen und ihr Vermögen einzuziehen. So wurde beispielsweise der Maschinenbauer DMG Mori enteignet, was einen wirtschaftlichen Schaden von 90 Millionen Euro für das Unternehmen bedeutete.
Kreml zieht „Ausstiegssteuer“ an – Steuern westlicher Unternehmen sollen Russlands Wirtschaft stützen
Der Kreml hat mehrere künstlich erhöhte Abgaben eingeführt, die den Verkauf von westlichen Unternehmen erschweren. Im Kern geht es um die Einstufung von Ländern, die die westlichen Sanktionen unterstützen, als „unfreundliche Länder“. Unternehmen aus diesen „unfreundlichen Ländern“ müssen den Wert ihrer Aktiva um 50 Prozent reduzieren und eine zusätzliche Abgabe von 15 Prozent zahlen, wenn sie Russland verlassen wollen. Diese Abgabe will der Kreml nun auf 35 Prozent erhöhen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Diese Taktik wird von Washington als „Exit Tax“ bezeichnet. Mit diesen Abgaben will Russland die Auswirkungen der Sanktionen mildern, die hauptsächlich darauf abzielen, dem Land finanzielle Mittel zu entziehen. Im Fall von Unilever scheint es gelungen zu sein, den Ausstieg noch zu den alten Bedingungen durchzuführen, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. (Laernie mit Material von Reuters)
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