Umweltbonus entfällt

E-Auto-Förderung: „Negativ, unverständlich“ – Wirtschaft hadert mit neuer Dienstwagen-Regelung

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In Deutschland ist die Förderung von gewerblich genutzten Elektroautos beendet. Der Wegfall des Umweltbonus dürfte das ambitionierte Absatzziel torpedieren.

Berlin/München - Die E-Auto-Förderung für Dienstwagen ist beendet. Die Bundesregierung hat den Etat für die staatliche BAFA-Prämie gekürzt und nimmt nun gewerblich genutzte Fahrzeuge komplett aus dem Programm heraus. 

Das dürfte dem ohnehin durchwachsenen Markt der Stromer einen weiteren Knick verpassen: Bereits mit der allgemeinen Reduzierung des Umweltbonus zum Jahreswechsel sind die Bestellungen bei Elektrofahrzeugen zurückgegangen. Das anvisierte Ziel der Bundesregierung, bis 2030 rund 15 Millionen Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, rückt aufgrund der vollzogenen Maßnahme weiter in die Ferne.

Förderung von Elektroautos: Umweltbonus für Dienstwagen fällt weg

Wie schwer der Wegfall der Prämie für elektrische Dienstwagen wiegen kann, verdeutlicht eine Statistik von August 2023: Wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mitteilte, stieg die Zahl der Anträge im Vergleich zum Juli auf etwa das Doppelte. Demnach seien rund 93.000 Anträge bis Mittwoch (30. August) eingegangen. Gerade mal 18 Prozent betrug hier der Anteil von Privatpersonen, die klare Mehrheit von 82 Prozent stellten gewerbliche Nutzer dar. Es bedarf keiner prophetischen Kräfte, um für den Herbst einen deutlichen Schwund vorauszusagen.

Seit Freitag, 1. September, können nur mehr Privatpersonen eine staatliche Förderung für den Kauf eines Stromers in Anspruch nehmen. Für den Verband der Automobilindustrie (VDA) ist die Entscheidung kontraproduktiv, der weitere Markthochlauf von E-Mobilität sei akut gefährdet. „Die Abschaffung des Umweltbonus für gewerblich genutzte Pkw wird einen negativen Effekt auf deren Zulassungen und damit den Elektro-Pkw-Markt insgesamt haben“, erklärt VDA-Präsidentin Hildegard Müller der Deutschen Presse-Agentur (dpa). 

E-Auto-Förderung in Deutschland: Auswirkungen auf Gebrauchtwagenmarkt

Wie Müller ausführt, seien es bis dato gerade gewerbliche Fahrzeuge, die den Umstieg von Verbrenner- auf Elektromodelle befeuern. Zudem würden diese dann zu günstigeren Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt landen - der macht hierzulande etwa zwei Drittel der Zulassungen aus und spielt bei privaten Pkw-Anschaffungen die wesentliche Rolle.

Elektro-SUV von BMW beim „Tanken“ an einer Ladesäule: Gewerbliche E-Autos werden in Deutschland teurer.


Die VDA-Vorsitzende betont zudem die Bedeutung der Stromer für einen klimafreundlicheren Kfz-Bestand und das Erreichen der gesteckten Klimaziele. Für die ohnehin strapazierte mittelständische Wirtschaft und auch Logistikunternehmen sei die Wende auf dem Dienstwagen-Sektor ebenfalls eine Belastung. Müller fordert nun anderweitiges Engagement, um Deutschlands Autofahrer und Autofahrerinnen in Richtung Elektromobilität zu treiben: „Die öffentliche Ladeinfrastruktur muss noch konsequenter ausgebaut und die Stromnetze fit für die Zukunft gemacht werden.“

Keine BAFA-Förderung für Dienstwagen: Unvereinbar mit Klimapolitik? 

Auch vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hagelt es Kritik aufgrund des Wegfalls des Umweltbonus für Dienstwagen: Laut Generalsekretär Holger Schwannecke habe die Kaufprämie die Modernisierung der Fuhrparks und die Umstellung auf alternative Antriebe in der Vergangenheit erfolgreich flankiert. „Dass dieses bewährte Instrument nun ersatzlos ausläuft, ist angesichts des Förderbedarfs wie der klimapolitischen Zielsetzungen unverständlich“, erklärt Schwannecke. 

Top 10: Das sind die beliebtesten Dienstwagen der Deutschen

Ein Polestar 2
Platz 10 – Polestar 2 (1,33 %): Nur ein reines Elektroauto hat es in die Top 10 der beliebtesten Dienstwagen der Deutschen des Jahres 2022 geschafft – von einer relativ jungen Marke: der Polestar 2. Neben der Tatsache, dass es sich um einen Stromer handelt, ist auch die Karosserieform im Dienstwagen-Ranking außergewöhnlich: Es handelt sich weder um ein SUV und noch einen Kombi. © Polestar
Ein VW Golf Variant
Platz 9 – VW Golf Variant (1,35 %): Während viele Autokäufer inzwischen lieber zum SUV greifen, stehen Kombis bei Dienstwagenfahrern noch immer hoch im Kurs. Den neunten Platz im Ranking belegt daher die „praktische“ Version des VW Golf mit dem Namenszusatz „Variant“. © VW
Ein Skoda Kodiaq
Platz 8 – Skoda Kodiaq (1,52 %): Lange Zeit waren Dienstwagen eine nahezu reine Kombi-Domäne – doch auch hier haben sich die Zeiten geändert. Den achten Rang hat sich der Skoda Kodiaq gesichert, der seit dem Jahr 2017 auf dem Markt ist. © Skoda/Hans-Dieter Seufert
Ein Seat Leon Sports Tourer
Platz 7 – Seat Leon Sports Tourer (1,53 %): Nach dem Golf Variant und dem Skoda Kodiaq ist der Seat Leon Sports Tourer auf Platz 7 im Dienstwagen-Ranking bereits das dritte Fahrzeug aus dem VW-Konzern. Der spanische Kompaktwagen kam 1999 auf den Markt – inzwischen wird er in der vierten Generation produziert. © Seat
Ein Opel Insignia Sports Tourer
Platz 6 – Opel Insignia Sports Tourer (1,55 %): Der einzige Opel in der Top-10-Liste der Dienstwagen rangiert auf dem sechsten Platz. Es dürfte übrigens das letzte Mal gewesen sein, dass der Name Insignia in dem Ranking auftaucht: Die Baureihe der Rüsselsheimer wird eingestellt. Angeblich arbeitet man aber schon an einem Nachfolger im selben Segment. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Skoda Octavia
Platz 5 – Skoda Octavia Combi (2,04 %): Ein weiteres Fahrzeug aus dem VW-Konzern sichert sich den fünften Rang im Dienstwagen-Ranking. Der Octavia kam 1996 auf den Markt, inzwischen wird die vierte Generation des tschechischen Mittelklasse-Wagens gebaut. © Skoda
Ein Skoda Superb Combi
Platz 4 – Skoda Superb Combi (2,07 %): Der Superb rangiert nicht nur in der Positionierung eine Klasse über dem Octavia – sondern auch einen Platz im Dienstwagen-Ranking. Seit 2001 wird der Superb bereits produziert, inzwischen ist die dritte Generation auf dem Markt. © Skoda
Ein Ford Kuga
Platz 3 – Ford Kuga (2,91 %): Zwei SUV haben es unter die zehn beliebtesten Dienstwagen der Deutschen im Jahr 2022 geschafft: eines davon immerhin auf Rang drei – der Ford Kuga. Inzwischen ist bereits die dritte Generation des im Jahr 2008 in Produktion gegangenen Kompakt-SUV auf dem Markt © Ford
Ein Ford Focus Turnier
Platz 2 – Ford Focus Turnier (3,38 %): Auch auf dem zweiten Platz der Dienstwagen-Rangliste hält weiter ein Vertreter der Kombi-Gattung die Stellung. Das große Plus beim Turnier ist der geräumige Fond. Smartes Extra: Beim Öffnen der Seitentüren schmiegt sich ein beweglicher Gummischutz automatisch um den am meisten exponierten Teil der Türblechkante, was Lackschäden in engen Parklücken verhindern soll. Bald müssen sich Dienstwagenfahrer aber anderweitig umschauen: Die Produktion des Ford Focus endet im Jahr 2025. © Ford
Ein VW Passat Variant
Platz 1 – VW Passat Variant (5,47 %): Auch wenn viele Familien inzwischen lieber zum SUV greifen – bei den Dienstwagen ist mit dem VW Passat Variant immer noch ein Kombi König. Fragt sich nur: wie lange noch? © Volkswagen

Ihm zufolge sind speziell bei gewerblich genutzten Autos die Preisunterschiede zwischen Verbrennermodellen und Elektroautos sehr hoch, der Wegfall der Umweltprämie werde zahlreiche Betriebe vom Kauf eines elektrischen Gefährts abhalten. Das Auslaufen der staatlichen Förderung werde den „erst beginnenden Hochlauf der Elektromobilität in Handwerk und Mittelstand nun bremsen.“ (PF mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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