Wirtschaft

China-Abhängigkeit wird zur Gefahr: Deutsche Unternehmen mit dringendem Appell

  • schließen

Eine Umfrage zeigt: 90 Prozent der Firmen wollen weniger Abhängigkeit bei Mikrochips, doch Investitionen werden aktuell gekürzt.

Sie sind klein, wirkungsvoll und mittlerweile unerlässlich für so vieles. Die Energiewende, Elektroautos, Künstliche Intelligenz – all das kommt ohne Halbleiter, auch Mikrochips genannt, nicht aus. Praktisch jedes moderne elektronische Gerät und alles, was große Datenmengen verarbeitet, speichert und kommuniziert, braucht diese kleinen kraftvollen Chips. Oder wie Ralf Wintergerst, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, es ausdrückt: „Man kann sagen, dass ohne Halbleiter gar nichts mehr geht.“

Chips sind heute fast überall.

Damit verweist Wintergerst auf eine Umfrage seines Verbandes, die er am Mittwochvormittag auf einer Presskonferenz vorgestellt hat. Bitkom hat 503 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus dem verarbeitenden Gewerbe, der IT- und Telekommunikationsbranche befragt zur Lage der Halbleiterversorgung in Deutschland befragt. Darin sagen 91 Prozent der befragten Unternehmen, dass in ihrer Firma intensiv mit Halbleitern gearbeitet werde. 80 Prozent sprechen sogar davon, dass die Technik unverzichtbar sei. Daraus schließt Wintergerst: „Der Zugriff auf diese Technologie verspricht einen enormen strategischen Vorteil.“

Chips sind unerlässlich – Abhängigkeit von China und den USA wird für Europa zum Problem

Aus deutscher und europäischer Perspektive ist das durchaus ein Problem. Denn: Nur acht Prozent der weltweit produzierten Chips stammen aus Europa. Die Abhängigkeit ist riesig – von den USA und China, aber auch von Japan, Taiwan und Südkorea.

Wozu das führen kann, zeigte sich in den Jahren 2020 bis 2023. Ausgelöst von der Corona-Pandemie und verstärkt durch den Taiwan-Konflikt und den Ukraine-Krieg mangelte es weltweit an Mikrochips. Die Nachfrage war zu hoch, die Lieferketten zu brüchig. Das Ergebnis: Hersteller von Autos, Smartphones, Computern und medizinischen Geräten konnten gar nicht oder nur eingeschränkt produzieren – oder lieferten wie Mercedes-Benz Autos mit eingeschränkter Funktionalität aus.

Deutschland fördert Chip-Produktion mit Milliarden-Subventionen

Als Reaktion auf diesen Engpass verabschiedete die EU im September 2023 das europäische Chip-Gesetz. Es sieht vor, den Marktanteil europäischer Chips bis 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Um dazu beizutragen, will Deutschland ausländische Unternehmen mit Milliarden-Subventionen ins Land locken. Dafür sind aus dem Sondervermögen der Bundesregierung bislang für die Jahre 2026 bis 2029 11,4 Milliarden Euro für die Mikroelektronik eingeplant. Der Etat wurde erst vergangene Woche von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) um drei Milliarden Euro gekürzt, zugunsten des Straßenbaus.

Diese Entscheidung könnte auch damit zusammenhängen, dass sich die Beschaffung von Halbleitern etwas entspannt hat. Während 2023 noch 89 Prozent der befragten Unternehmen von Problemen bei der Beschaffung von Mikrochips berichtet haben, sind es aktuell noch 60 Prozent. Allerdings sind die Halbleiter-Lieferketten fragil. Das rasche Innovationstempo schließt quasi aus, dass man die Technik in entspannten Phasen auf Vorrat kaufen und für schlechte Zeiten lagern kann.

Deutsche Unternehmen werben für Unabhängigkeit bei der Halbleiterversorgung

So will die Branche geschlossen eine größere Unabhängigkeit der deutschen Wirtschaft. 90 Prozent der befragten Unternehmen wünschen sich, dass Deutschland einseitige Abhängigkeiten bei der Halbleiterversorgung beendet. Die Angst davor, dass Chinas imperiale Phantasien gegen Taiwan die Versorgung bedrohen, ist branchenweit groß. Außerdem verunsichert Donald Trump. Die Mehrheit der befragten Unternehmen sagen, dass sie geringes (14 Prozent) oder eher geringes Vertrauen (48 Prozent) in die USA hinsichtlich der weiteren Versorgung mit Halbleitern haben.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ruslan Rizvanov

Kommentare