China und die USA streiten um die Macht – auch auf dem KI-Markt. Ein Kommentar eines US-Politikers könnte bald Folgen zeigen. Vielleicht auch für die Nvidia-Aktie.
Frankfurt – Diplomatisches Geschick kann man ihm nicht attestieren. Der US-Handelsminister schwadroniert im US-Fernsehen über die Überlegenheit der heimischen KI-Industrie. Dabei verletzt er offensichtlich das Ehrgefühl der chinesischen Regierungsmannschaft. Das hat Folgen.
Nvidia darf zurzeit keine leistungsfähigen KI-Chips nach China exportieren
Der US-Handelsminister Howard Lutnick hatte bei CNBC in Bezug auf KI-Chips gesagt: „Wir geben ihnen nicht unser bestes Zeug, nicht unser zweitbestes Zeug, nicht mal unser drittbestes Zeug.“ Man müsse den Chinesen nur genug liefern, sodass deren KI-Entwickler „süchtig“ nach der amerikanischen Technologie würden – „Das ist die Devise“, sagte er vergangenen Monat. Die stärkeren KI-Chips darf Nvidia nach US-Regeln nicht nach China exportieren, mutmaßlich aus Angst davor, dass die Technologie kopiert wird. Aber auch hier stehen in der Zukunft Änderungen an, ein neuer, leistungsfähiger KI-Chip für den chinesischen Markt ist bereits geplant.
Chinas Regierung findet Sprüche zu KI-Chips „beleidigend“
Der Ärger folgt nun etwas verspätet. Einige aus Chinas Regierungsriege fanden diese Sprüche „beleidigend“, heißt es. Als Reaktion will Chinas Regierung einheimische Unternehmen davon abhalten, ältere Prozessoren von Nvidia zu kaufen. Dabei handelt es sich laut dem Bericht der Financial Times (FT) um sogenannte H20-Chips, die in China bei der Nutzung und Entwicklung von KI weit verbreitet seien. In Medienberichten heißt es, diese seien extra für den chinesischen Markt konzipiert worden. In der Folge hätten Chinas Tech-Unternehmen bereits den Kauf der Chips Chinas gestoppt oder merklich heruntergefahren.
Dem Kurs der Nvidia-Aktie merkt man das Ganze bisher nicht an. Zu groß die Marktdominanz des Unternehmens. Es legt nächsten Mittwoch, 27. August, nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vor, wie das Handelsblatt berichtet. Die Zahlen werden mit Spannung erwartet. Analysten von Goldman Sachs bezeichneten die Aktie als „die wichtigste der Welt“.
Nvidia-Aktie: Wie sehen die nächsten Quartalszahlen aus?
Das Handelsblatt beruft sich aber auf Analysten, die davon ausgehen, dass die Quartalszahlen nicht so rosig aussehen werden wie bisher. Grund sei die unsichere Lage im China-Geschäft, wie man anlässlich der Beleidigungs-Affäre sehen kann.
Der Bericht der FT spricht davon, dass die Reaktion aus China zeige, wie der Konflikt um leistungsfähige KI-Chips und diese Technologie „im Herzen des Konflikts“ zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt stehe. Als Reaktion zitiert die FT auch eine Person, die der chinesischen Regierung nahe stehe: Lutnicks Sprüche gäben der chinesischen Regierung einen weiteren Grund, chinesische Firmen dazu zu drängen, Chinas eigene Chips zu nutzen.
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