VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Billiger Biodiesel aus China überflutet Europa. Die EU-Kommission hat Zusatzzölle festgelegt. Doch es gibt Schlupflöcher für China.
Brüssel – Erst vor wenigen Wochen hatten EU-Strafzölle auf chinesische E-Autos Aufsehen erregt. Jetzt ist die nächste Branche dran. Auch hier hatten sich die Verbände beschwert, dass chinesisches Dumping die Preise kaputtmache. Eine EU-Untersuchung sollte Details herausfinden.
Wegen China-Dumping – EU-Kommission setzt Sonderzölle auf Biodiesel ein
Ab Mitte August treten neue Sonderzölle der Europäischen Union (EU) in Kraft. Diese sollen die Einfuhr von chinesischem Biodiesel und HVO (Hydrotreated Vegetable Oils) betreffen und bis zu 36,4 Prozent betragen. Im Vorfeld ist laut der Preisberichtsagentur Argus Media noch keine größere Veränderung am Markt zu beobachten – im Gegenteil. Die Preise halten sich stabil, fallen teilweise sogar leicht. Vor einer entsprechenden Reaktion wollen Marktteilnehmer die Auswirkungen der Zölle zuerst evaluieren, teils sind sie schlichtweg im Urlaub und können daher nicht reagieren. „Die meisten Marktteilnehmer hatten mit Zöllen gerechnet“, erklärte eine Expertin für Bio-Kraftstoffe bei Argus Media.
Insgesamt könnten die neuen Zölle für fünf Jahre gelten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters nach Bekanntgabe der Zölle am 19. Juli berichtete, hängt das von einer noch laufenden EU-Untersuchung wegen chinesischen Dumpings ab. Bis Februar soll diese Untersuchung noch laufen – erst dann fällt eine Entscheidung. Auslöser für diesen Schritt war eine rapide Vergrößerung des Importvolumens von chinesischem Biodiesel gewesen, die Misstrauen erregt hatte.
Biodiesel-Importe aus China mit deutlichem Wachstum – Preise brechen ein
Das sieht konkret so aus: Daten des Zolls zufolge hatten sich die chinesischen Biodiesel-Importe in die EU zwischen 2022 und 2023 in etwa verdoppelt. Der Global Trade Tracker (GTT) stellt dazu umfassende Daten bereit – diese zeigen, dass die chinesischen Biodiesel-Importe auf rund eine Million Tonnen gestiegen waren. Ein Jahr vorher waren es noch 550.000 Tonnen gewesen. EU-Branchenverbände, darunter das European Biodiesel Board, hatten sich beschwert, was letztendlich (im August 2023) den Start einer förmlichen Untersuchung durch die EU ausgelöst hatte. Unter anderem wollte die EU untersuchen, ob China indonesischen Biodiesel einführt und es so ermöglicht, EU-Handelsmaßnahmen zu umgehen.
Diesen Antrag hatte EBB zwar zurückgezogen, was das Ende der ersten Untersuchung bedeutet hatte, aber schnell begann die Union eine separate Antidumping-Untersuchung gegen Biodiesel mit Ursprung in China. Der inländische und internationale Handel mit Biokraftstoff hatte sich laut Argus Media in letzter Zeit verlangsamt, da am Markt Ungewissheit über die Antidumping-Entscheidung geherrscht hatte. Die meisten Marktteilnehmer hatten davon abgesehen, größere Mengen zu handeln.
Während die chinesischen Importe in die EU drastisch zugenommen hatten, schrumpften die Großhandelspreise für Biodiesel der Sorte UCOME an der Handelsdrehscheibe Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen drastisch.
| Durchschnittlicher Tonnenpreis für UCOME-Biodiesel (Januar bis Juli 2024) | 1.318 US-Dollar pro Tonne |
| Durchschnittlicher Tonnenpreis für UCOME-Biodiesel (Januar bis Juli 2023) | 1.412 US-Dollar pro Tonne |
| Durchschnittlicher Tonnenpreis für UCOME-Biodiesel (Januar bis Juli 2022) | 2.131 US-Dollar pro Tonne (Argus Media) |
Beim Großhandelspreis für HVO der Klasse II war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten: Zwischen dem Januar-Juli-Wert von 2022 (3.211 US-Dollar pro Tonne) und heute sank der Preis um 49 Prozent auf 1.635 US-Dollar pro Tonne.
Verbände sehen Schlupfloch für mehr China-Dumping – Biodiesel-Zölle reichen nicht aus
Die Auswirkungen dieses Preisverfalls konnten deutlicher kaum sein: Mehrere Firmen in Europa hatten ihre Produktion drosseln oder gar einstellen müssen, ähnlich wie es bereits in der Solarbranche passiert war. Hersteller hatten geklagt, dass Biodiesel in großem Umfang zu Dumping-Preisen eingeführt würde. 90 Prozent der chinesischen Biodiesel-Ausfuhren gingen in die EU, berichtete Reuters.
Umso zufriedener sind die europäischen Verbände mit der Ende Juli getroffenen Entscheidung. „Die deutsche und europäische Industrie leidet seit Anfang 2023 unter den unlauteren Praktiken der chinesischen Produzenten. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die vorläufigen Zölle“, zitierte das Internetportal Solarserver Elmar Baumann, den Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoff-Industrie. Der Verband lobte den Schritt der EU-Kommission als wichtiges industriepolitisches Zeichen.
Allerdings gebe es ein Schlupfloch in den Anti-Dumping-Zöllen der EU: Sogenannte Sustainable Aviation Fuels, also nachhaltige Flugzeugtreibstoffe, sollen von diesen Zöllen ausgenommen sein. Die EU müsse auf solche SAF ebenfalls Zölle legen, forderte der VDB. Eine ähnliche Warnung sprach auch das European Biodiesel Board EBB aus. „EBB erwartet, dass die Europäische Kommission auf den unfairen Handel mit chinesischen SAF-Herstellern reagiert“, teilte der Verband mit. Andernfalls sei mit „ernsthaften Schäden“ für die Industrie und einer zukünftigen Abhängigkeit von China zu rechnen.
Härtere Gangart gegen China-Dumping – EU geht verstärkt gegen China vor
Die Anti-Dumping-Zölle sind nur eine von mehreren Maßnahmen, die die EU in letzter Zeit gegen chinesische Importe ergriffen hat. Auch die Zölle für E-Autos aus China hatten für heftige Debatten gesorgt – sie gelten bereits seit Anfang Juli. Im November könnten sie – sofern die Mitgliedstaaten sie billigen – endgültig fortgesetzt werden. Eine Einigung mit der chinesischen Seite könnte das jedoch ändern.
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