VonLars-Eric Nievelsteinschließen
China gehört zu Russlands wichtigsten Handelspartnern. Dafür riskiert Peking jetzt neue US-Sanktionen. Hier spielt auch Europa eine Rolle.
Peking – Anfang September wurde bekannt, dass China offenbar flüssiges Erdgas (LNG) aus einer eigentlich von den USA sanktionierten Quelle bezieht. Ein Tankschiff hatte an einem chinesischen Terminal angedockt und dort Erdgas aus Russland abgegeben. Das sollte einen Test für US-Präsident Trump darstellen, glaubten Experten. Die chinesische Regierung wolle prüfen, wie ernst es dem Westen mit der Durchsetzung seiner Sanktionen ist. Offenbar fiel dieser Test für China positiv aus: Jetzt soll feststehen, dass es bei dieser ersten Lieferung nicht bleibt.
LNG aus Russland – China kauft trotz Sanktionen von Putin
China hat angeblich damit begonnen, die Importe von eigentlich sanktioniertem russischen Gas hochzufahren – und so die energiewirtschaftlichen Bande zu Russland zu stärken. Damit fordert China eine Reaktion der USA weiter heraus. Am Dienstag (9. September) erreichte ein sanktionierter russischer Tanker ein LNG-Terminal in Beihai (südliches China), wie öffentliche Schiffsverfolgungsdaten zeigten. Newsweek zufolge lieferte der Tanker bereits seine dritte Ladung vom sanktionierten Arctic LNG 2 Projekt im nördlichen Sibirien.
„Chinas Akzeptanz der ersten Lieferung von Arctic LNG 2, gepaart mit der jüngst veröffentlichten Übereinkunft beim Power of Siberia 2 Projekt, signalisiert einen absichtlichen Test, wie die USA und die EU ihre Sanktionen durchsetzen, sowie eine Vertiefung der sino-russischen Energie-Interdependenz“, zitierte Newsweek dazu Fiona De Cuyper, eine Forscherin am norwegischen Arctic Institute.
Ähnlich sieht das Jan-Eric Fähnrich, ein Analyst bei Rystad Energy. „Diese Transaktion kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem der chinesische Bedarf für LNG fast nicht da ist, weil es viel nachkauft und außerdem der Bedarf eher gering ist“, sagte er Anfang September, als das Schiff erstmalig am chinesischen Hafen angedockt hatte, gegenüber Bloomberg. „Also ist diese Aktion nicht von Bedarf gelenkt, sondern darauf ausgerichtet, Washingtons sanftere Haltung gegenüber Russland-Sanktionen zu testen.“
Russlands wichtigster Handelspartner – China kauft massenhaft Rohstoffe
Die LNG-Lieferungen fallen zeitlich ungefähr mit einem Treffen der Präsidenten von Russland (Wladimir Putin), Indien (Narendra Modi) und China (Xi Jinping) zusammen, das früher im September stattgefunden hatte. Das Treffen der drei Staatsoberhäupter fand im Rahmen der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) statt, die vor allem das Ziel hatte, dem Westen eine neue Einigkeit seiner Gegenspieler zu signalisieren.
China hatte sich zwar nach Kriegsbeginn als einer von Putins stärksten Handelspartnern herausgestellt, jedoch aus Sorge vor US-Sekundärsanktionen in einigen Sektoren Abstand von Russland genommen. Zum Beispiel hatten die großen Banken Transaktionen mit russischen Partnern ausgesetzt, einige Häfen waren bestimmten russischen Schiffen verschlossen.
Trotzdem aber fließt eine enorme Menge an russischen Energieexporten nach China. Zum Beispiel ist das „Reich der Mitte“ der größte Abnehmer für russische Kohle. Laut dem Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) hat das Land im August 2025 44 Prozent der Exporte gekauft. Beim Rohöl waren es 47 Prozent, was China zu einem wichtigeren Konsumenten macht als sogar Indien (38 Prozent).
Beim LNG aber ist die EU nach wie vor der größte Käufer. 50 Prozent der russischen LNG-Käufe gehen nach Europa, gefolgt von China (21 Prozent) und Japan (18 Prozent).
EU-Sanktionen gegen China und Indien – dann will Trump mitziehen
Aktuell sieht es danach aus, als könnten die EU und die USA eine gemeinsame Linie bei der Sanktionierung von Russlands Handelspartnern finden. Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump schlug zuletzt vor, China und Indien mit erheblichen Zöllen von bis zu 100 Prozent zu belegen, sollten sie weiter russisches Gas kaufen. Ihre Exporte würden dann im Westen entsprechend teurer. Wie das aussehen kann, hatte Indien zuerst gemerkt – hier haben die USA bereits höhere Zölle von 50 Prozent eingesetzt.
Aber: Die EU müsste bei der Strafzollpolitik vorlegen, dann würden die USA nachziehen. So hatte es Trump im September angekündigt. Sein Finanzminister Scott Bessent sagte dazu, nur so könnte man in Russlands Wirtschaft einen „Kollaps“ auslösen. Ob die EU das jedoch tun wird, ist bestenfalls fraglich. Mehrere wichtige Wirtschaftssektoren des Kontinents würden ohne chinesische Exporte (oder mit wesentlich teureren Exporten) vor massiven Problemen stehen. Außerdem hatte China bereits gezeigt, dass es keine Probleme damit hat, Ausfuhrbeschränkungen auf wichtige Ressourcen einzusetzen, um damit Druck auszuüben.
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