Boom bei E-Autos

China überholt Europa: Das Ende der Verbrenner kommt früher als erwartet

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China fokussiert sich auf Elektroautos und lässt Europa hinter sich. Förderungen und Taktiken beschleunigen den Wandel. Die EU sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert.

Peking – Die Welt erlebt derzeit tiefgreifende Veränderungen, die niemand leugnen kann. Früher schaute Europa oft über den Atlantik, um sich über neue Technologien zu informieren, und manche Europäer empfanden vielleicht sogar eine gewisse Bewunderung für den Fortschritt der USA. Heute jedoch hat sich das Bild gewandelt. Der technologische Fortschritt verlagert sich an andere Orte, was Anlass zur Sorge gibt.

Besonders deutlich wird dies bei der schnellen Entwicklung von Elektrofahrzeugen in China. Während die Europäische Union noch darüber diskutiert, ob sie das Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 umsetzen soll, schreitet China bereits mit konkreten Maßnahmen voran.

In China sind schon 50 Prozent der neuen Autos Elektroautos oder Hybride

Im Jahr 2024 machten Elektroautos und Hybride 50 Prozent der Neuzulassungen in China aus. Die Entwicklung in China hat sich rasant vollzogen. Im Jahr 2020 waren noch 94 Prozent der Neuzulassungen klassische Verbrenner, also Benzin- oder Dieselfahrzeuge, wie aus Daten von Marklines hervorgeht. Im Juli 2024 berichtete der chinesische Autoverband, dass fast die Hälfte der Neuzulassungen sogenannte New Energy Vehicles waren. Diese Kategorie umfasst neben Elektroautos auch Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge, wobei letztere nur einen kleinen Marktanteil haben. Der Fokus liegt also hauptsächlich auf Elektroautos und Hybriden.

Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Lucid Air auf Kies
Platz 10 – Lucid (USA): Schick sieht er ja schon aus der Air. Und mit rund 800 Kilometern Reichweite ist das Elektroauto auch absolut langstreckentauglich. In Deutschland ist das Luxusmobil aber noch ein absoluter Geheimtipp © Lucid Motors
Luicid Air
Grade einmal 392 Neuzulassungen gab es 2024 in Deutschland. Das dürfte auch an dem Preis liegen. Der Lucid Air kostet in der Basisversion Pure bereits stolze 85.000 Euro. Wer den Luxus-Strom voll ausgestattet haben will, muss für den Air Sapphire sogar 250.000 Euro auf den Tisch legen. © Lucid Motors
Lotus Emeya
Platz 9 – Lotus (China): Hier trifft Tradition auf Moderne. Oder britisches Understatement auf chinesische Technologie. Denn wie MG gehört auch diese britische Ikone längst zu einem chinesischen Konzern. © Lotus Cars
Lotus Eltere
Doch anders als MG tut sich Lotus auf dem deutschen Markt noch schwer. Lediglich 365 Autos wurden 2024 verkauft. Das dürfte auch dem Wandel zur Elektromobilität geschuldet sein. © Lotus
Rolls-Royce Cullinan
Platz 8 – Rolls-Royce (Großbritannien): Wenn es um Luxusautos geht, führ kein Weg an Rolls-Royce vorbei. Die Briten stehen für Handarbeit, opulente Materialien und absolute Exklusivität. Ein echtes Statussymbol eben. © Rolls-Royce
Rolls-Royce Cullinan
Das hat natürlich seinen Preis und den können nur wenige zahlen. Wer Rolls-Royce fährt, gehört zu einem sehr exklusiven Kreis. Das zeigt sich auch bei den Neuzulassungen: Grade einmal 360 Fahrzeuge gingen 2024 an die gutbetuchte Kundschaft. © Rolls-Royce
Leapmotor T03
Platz 7 -Leapmotor (China): Ein weiterer Geheimtipp, der sich aber vermutlich nicht mehr lange auf dieser Liste finden dürfte. Denn Leapmotor gehört zum Stellantis-Konzern und greift mit dem günstigen T03 in Europa an. © Leapmotor
Leapmotor C10
Bisher sind die Zulassungszahlen aber noch sehr übersichtlich. 2024 wurde grade einmal 178 Autos bestellt. © Leapmotor
Cadillac Lyriq
Platz 5 – Cadillac (USA): Normal sind es die USA eher gewohnt, die Welt anzuführen. Oder wie Donald Trump sagen würde: America first! Im Falle von Cadillac klappt das jedoch nicht so wirklich gut. © Weigl/Cadillac
Cadillac Lyriq
2024 setzten die Amerikaner lediglich 175 Einheiten des Elektroautos Lyriq ab. Der E-SUV ist derzeit das einzige Modell das Cadillac hierzulande anbietet. © Simon Rainer/Cadillac
VinFast VF 6
Platz 5 – Vinfast (Vietnam): Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Das gilt auch für das Ranking der seltensten Automarken. Und so teilen sich Vinfast und Cadillac den fünften Rang. © Pond5 Images/Imago
Vinfast VF8
Denn auch Vinfast setzte im Jahr 2024 lediglich 175 Elektroautos in Deutschland ab. Das erste Auto wurde im Mai 2024 übergeben und das, obwohl man eigentlich schon 2022 auf den hiesigen Markt expandieren wollte. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Platz 4 – Fisker (USA): Ein saubere Zukunft für alle. Das versprach Fisker. Möglich machen sollten das nachhaltige Materialien. Doch da Projekt scheiterte krachend. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Statt sauberen Meeren gab es finanzielle Probleme. Die 134 Autos, die in Deutschland verkauft wurden, waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Sommer 2024 meldete Fisker schließlich Insolvenz an. © Pond5 Images/Imago
Maxus EUNIQ 6
Platz 3 - Maxus (China): Die Strategie mit der Maxus nach Europa kam, unterscheidet sich von den zahlreichen anderen Marken aus Fernost. Neben Elektroautos hat Maxus auch Transporter im Angebot. © Maxus
Maxus e-Delivery
Trotzdem spielt die Marke in Deutschland keine wirkliche Rolle. Lediglich 70 Fahrzeuge wurden 2024 neuzugelassen. © Maxus
Lynk & Co. 02
Platz 2 – Lynk & Co. (China): Auch Lynk & Co. geht in Deutschland mit einem ungewöhnlichen Konzept an den Start. Die Autos gibt es lediglich im Abo, aber nicht zu kaufen. © Lynk & Co.
Lynk & Co. 01
Wirklich erfolgreich ist das Konzept in Deutschland aber nicht. Grade einmal 68 Abos wurde 2024 abgeschlossen. © Lynk & Co.
Zwei Autos von Aiways
Platz 1 – Aiways (China): Noch seltener erblickt man in Deutschland nur die Autos von Aiways. Und das obwohl der Hersteller bereits seit 2020 in Deutschland aktiv ist. © Aiways
Aiways U6 SUV-Coupé
Wirklich erfolgreich war man seitdem jedoch nicht. 2024 lief für den chinesischen Hersteller aber besonders schlecht. Nur 27 Autos wurden verkauft – das sind nicht einmal zwei pro Monat.  © Aiways

Für das Jahr 2025 erwarten Fachleute, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Mehrere Forschungsinstitute äußerten gegenüber der Financial Times, dass in China in diesem Jahr mehr Elektroautos als Verbrenner neu zugelassen werden könnten. Damit hat das Land die von Peking gesetzten Ziele bereits übertroffen: Bis 2030 sollten 40 Prozent der Neuzulassungen New Energy Vehicles sein, bis 2035 soll dieser Anteil auf 100 Prozent steigen. Im Vergleich dazu lag der Anteil der elektrischen Neuzulassungen in der EU im Jahr 2024 bei lediglich 13,6 Prozent.

Es ist durchaus möglich, dass China noch vor 2035 ausschließlich New Energy Vehicles zulassen wird, weit vor der EU. Norwegen ist das einzige Land, das China in dieser Hinsicht übertrifft, da dort seit Jahresbeginn nur noch Elektroautos neu zugelassen werden.

China hat die Autoindustrie mit massiven Subventionen gestützt

Diese Entwicklung wirft die Frage auf, wie China dies erreicht hat. Einige Maßnahmen wären in Europa schwer umsetzbar, wie die massive staatliche Unterstützung der Autoindustrie.

China hat seine Automobilindustrie durch umfangreiche Subventionen gefördert, wodurch Elektroautos zu günstigen Preisen angeboten werden können. Seit 2009 hat China laut EFahrer etwa 230 Milliarden Dollar in die Elektro- und Batterieindustrie investiert.

Chinesische Elektrofahrzeuge werden zunehmend auch ins Ausland exportiert, unter anderem nach Europa, was von der EU kritisch betrachtet wird. Da die europäische Autoindustrie nicht in gleichem Maße subventioniert wird, können chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge hier unter dem Marktpreis anbieten. Die EU hat bereits Maßnahmen angekündigt, um diese wettbewerbsverzerrende Praxis zu unterbinden, indem sie chinesische Anbieter dazu verpflichten will, ihre Autos zu einem festgelegten Mindestpreis anzubieten.

China kommt ohne Verbrennerverbot aus – aber es gibt viele Anreize für E-Autos

Neben Subventionen hat Peking weitere Maßnahmen ergriffen, von denen Europa lernen könnte. In Metropolen wie Shanghai oder Peking gibt es Zulassungsbeschränkungen für Verbrenner. Wer dort einen Benziner anmelden möchte, muss an einem Losverfahren teilnehmen, und manche Menschen warten jahrelang auf eine Genehmigung. Für Elektroautos entfallen solche Hürden, was sie attraktiver macht.

Einige Städte und Regionen, wie die Provinz Hainan, haben zudem Verbote für Verbrenner erlassen. Ab 2030 dürfen dort keine Verbrenner mehr verkauft werden, und ab 2025 werden für kommunale Fahrzeuge wie Busse und Taxis keine Verbrenner mehr zugelassen.

Ein generelles Verbot von Verbrennern gibt es in China jedoch nicht. Stattdessen setzt das Land auf Anreize und Subventionen. Der Übergang zu Elektrofahrzeugen wurde langfristig geplant. Bereits in den 2000er Jahren begann Peking mit dem Aufbau der heimischen Autoindustrie, um das Land zum Vorreiter bei Elektroautos zu machen und sich gleichzeitig von Ölimporten unabhängig zu machen. Obwohl China über eigene Erdölvorkommen verfügt, reichen diese nicht aus, um den Bedarf des Landes zu decken. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist daher auch eine strategische Entscheidung, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren.

Rubriklistenbild: © XinHua/dpa

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