Energiewende

Chinas Dominanz in der Windenergie: Gefahr für Deutschlands Energiewende?

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China dominiert den Markt für Windenergie. Eine Branchenexpertin warnt: Im Ernstfall könnte China Macht über Deutschland ausüben.

Berlin – Erst vor ein paar Wochen stellte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) der deutschen Energiewende ein düsteres Zeugnis aus. „Deutschland windet sich, schafft aber die Energiewende nicht“, soweit eine der Kernaussagen. Besonders im Bereich der Windenergie gibt es im Vergleich zur Solarenergie Ausbaubedarf. Dabei spielen häufig chinesische Windräder eine Rolle, wenn der Ausbau erfolgreich ist. Doch genau das könnte sich im Ernstfall als problematisch erweisen, warnt eine Expertin.

Die Dominanz Chinas in der Windenergie

Deutschland hat ambitionierte Ziele, was die Energiewende angeht. Bis 2030 sollen allein auf See Windparks mit einer Kapazität von 30 Gigawatt entstehen. Branchenexperten schätzen, dass dafür etwa 7.000 Windräder benötigt werden – jedes so groß wie der Eiffelturm. Ein Hindernis dabei: Die Bundesrepublik kann immer weniger auf die Unterstützung von Anrainerstaaten zählen, die ihre wichtigen Häfen zur Verfügung stellen. Diese benötigen sie zunehmend selbst.

Windräder stehen zwischen den Inseln Rügen und Bornholm in der Ostsee (Symbolfoto). China dominiert den Markt für Windenergie. Eine Branchenexpertin warnt: Im Ernstfall könnte China Macht über Deutschland ausüben.

Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie (BWE), äußerte in einem Interview mit n-tv Bedenken hinsichtlich des chinesischen Einflusses auf den Ausbau der Windenergie in Deutschland. „Der chinesische Staat subventioniert seine Firmen extrem“, so Heidebroek. „Das ist kein fairer Wettbewerb. Dagegen kommen europäische Windhersteller nicht an.“ Sie warnt vor einer Wiederholung des Szenarios aus der Solarbranche, in der chinesische Unternehmen europäische Firmen quasi erstickt hatten. Europäische Regierungen müssten sicherstellen, dass sich dies nicht in der Windenergiebranche wiederholt.

Der europäische Net Zero Industry Act (NZIA) bietet bereits einen rechtlichen Rahmen für mögliche Gegenmaßnahmen. Er sieht vor, dass 40 Prozent aller grünen Technologien in Europa produziert werden müssen. Aktuell wird auf EU-Ebene darüber diskutiert, wie die entsprechenden Verordnungen gestaltet sein müssen, um der Windindustrie „faire Rahmenbedingungen“ zu bieten.

Chinas „roter Knopf“ und der Zugriff auf deutsche Windenergie

Neben der Gefahr einer chinesischen Dominanz auf dem Windmarkt gibt es ein weiteres Risiko. Laut Heidebroek hat jeder Hersteller potenziell Zugriff auf seine Windenergieanlagen. „Diesen Zugriff müssen Hersteller auch haben, denn die Anlage muss gewartet oder bei einem Engpass oder Störung abgeriegelt werden.“ Sollten in Deutschland ausschließlich chinesische Windenergieanlagen stehen, könnte China theoretisch einen „roten Knopf drücken und es wäre dunkel“. Sie fordert klare Regeln, ähnlich wie in der Telekommunikationsbranche. Eine Dominanz oder gar Kontrolle Chinas müsse ausgeschlossen sein.

Allerdings ist China bereits auf dem besten Weg zur Dominanz. Im Jahr 2023 dominierten chinesische Windturbinenhersteller den globalen Markt. Vier der fünf größten Hersteller stammten aus China, im Vorjahr waren es nur zwei. Dies berichtete Bloomberg unter Berufung auf Daten eines Berichts von BloombergNEF. Nach Goldwind Science & Technology Co. und Envision Energy.Co (beide chinesisch) konnte sich Vestas Wind Systems aus Dänemark den dritten Platz sichern. Branchengiganten wie General Electric aus den USA und Siemens Gamesa fielen aus den Top fünf heraus.

Etwa zwei Drittel aller Neubauten (sowohl On- als auch Offshore-Windanlagen) gingen im letzten Jahr auf das Konto chinesischer Hersteller. US-amerikanische Windhersteller hingegen verloren deutlich an Boden.

Deutschlands Ausbau der Windenergie hinkt hinterher

Heidebroek ist jedoch gegen Strafzölle, da diese nur einen Handelskrieg auslösen würden. Unabhängig davon muss Deutschland dringend Maßnahmen ergreifen, um seine Windenergiebranche zu stärken. Derzeit kommt der Ausbau der Windenergie nur schleppend voran. Das langfristige Ziel ist ein jährlicher Zubau von zwölf Gigawatt, aktuell liegt Deutschland bei 3,4 Gigawatt. In einigen Landkreisen Bayerns gibt es sogar einen Rückbau statt eines Zubaus.

Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) drängt in diesem Rahmen auf eine schnelle Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/2413, auch bekannt als RED III. „Die Richtlinie bietet alle Möglichkeiten zur Beschleunigung und Vereinfachung von Verfahren. Sie ist als Plattform für die Umsetzung der Beschlüsse des Bund-Länder-Pakts zur Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung aus dem November 2023 bestens geeignet“, erklärte der Verband in einer Mitteilung. Die Bundesregierung nutze diese Möglichkeiten jedoch nicht ausreichend.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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