VonRobert Schwarzschließen
Wie und wann sich erhöhte CO₂-Abgabe und Subventionsabbau beim Netzausbau auf die Energiepreise bei den regionalen Energieversorgern auswirkt: Wer teurer wird – und wer nicht.
Ellwangen. Um das Haushaltsloch 2024 zu stopfen, hat die Ampel-Regierung nicht nur die Subventionen der Bauern beschnitten, sondern auch jene der Stromnetzbetreiber und die CO₂-Abgabe erhöht. Die von 30 auf 45 Euro je Tonne gestiegene CO₂-Steuer wirkt sich nicht nur an der Tankstelle, sondern auch auf die Strom- und Gaspreise aus. Der Wegfall der fünf Milliarden Euro schweren Subventionen für die Netzbetreiber führt zu höheren Strompreisen: Die vier großen Netzbetreiber teilten im Dezember mit, die Entgelte würden von 3,12 Cent je Kilowattstunde auf 6,43 Cent steigen. Die Ostalb-Energieversorger gehen unterschiedlich mit den gestiegenen Kosten um: Während drei ihre Preise trotz der steigenden Kosten stabil halten, werden Strom und Gas für Kundinnen und Kunden eines Energieversorgers teurer.
EnBW ODR. Der größte Energieversorger der Region, die EnBW ODR aus Ellwangen, sieht von einer Preiserhöhung ab. „Die EnBW ODR hat ihre Preise zum 1.1.2024 im Strom deutlich um 15 Prozent und im Gas sogar um ein Drittel gesenkt“, sagt Pressesprecherin Nicole Fritz. Diese Preise seien zum aktuellen Stand gültig – eine Erhöhung bei laufenden Verträgen gebe es nicht. Fritz fügt an: „Wir beobachten den Markt und die Entwicklungen bei den Netzentgelten sowie der CO₂-Bepreisung regelmäßig. Sollte eine Anpassung der Strom- oder Gaspreise notwendig sein, werden wir dazu rechtzeitig kommunizieren.“ Aktuell sei dies nicht der Fall. „Die Erhöhung der Netzentgelte bei der Netze ODR GmbH sowie die Erhöhung der CO₂-Abgabe trägt aktuell die ODR und gibt diese nicht an ihre Kunden weiter.“
Stadtwerke Aalen. Anders sieht es bei den Stadtwerken Aalen aus. Dort sind die Preise für Strom und Gas bereits zum 1. Januar gestiegen – auch für Kundinnen und Kunden mit bestehenden Verträgen. „Unsere Verträge sehen eine automatische Anpassung vor, wenn sich Preisbestandteile ändern, die nicht von den Stadtwerken beeinflussbar sind, etwa Netzentgelte, Steuern oder sonstige Abgaben“, erklärt Pressesprecher Igor Dimitrijoski. Allein durch die CO₂-Abgabe habe sich Preis für die Kilowattstunde Gas von 2023 zu 2024 um 0,28 Cent erhöht. Mehr Gewinn erwirtschaften die Stadtwerke nicht, so der Sprecher, das Unternehmen gebe die gestiegenen Kosten eins zu eins an die Kunden weiter.
Das gilt auch für die Kosten für die gestiegenen Netzentgelte. „Die Netzentgelte sind ab 1.1.24 gültig und müssen auch unmittelbar berücksichtigt werden“, erklärt Dimitrijoski. „Ändern sich die Preisbestandteile, also Steuern und Abgaben – wozu auch die Netzentgelte zählen –, auf die die Stadtwerke Aalen als Lieferant keinen Einfluss haben, werden diese automatisch berücksichtigt und an die Kundinnen und Kunden weitergereicht.“
Stadtwerke Schwäbisch Gmünd. Anders gehen die Stadtwerke Schwäbisch Gmünd vor. „Die Preise der Stadtwerke Gmünd bleiben trotz steigender CO₂-Steuer und höherer Netzentgelte stabil. Kundinnen und Kunden müssen derzeit mit keiner Preisanpassung rechnen“, erklärt Unternehmenssprecherin Corinna Lutz. Sie weist zudem darauf hin, dass sowohl bei Strom als auch bei Gas mehr als 50 Prozent des Preises durch staatliche Abgaben, Umlagen und Steuern sowie Netzentgelte beeinflusst werden. Prognosen für die künftige Preisgestaltung seien schwierig. „Aus der reinen Beschaffungssicht lässt sich jedoch eine Entspannung der Strompreise für 2025 ableiten“, sagt Lutz.
Stadtwerke Ellwangen. Senken werden wiederum die Stadtwerke Ellwangen trotz gestiegener CO₂-Abgabe den Gaspreis. Wie Geschäftsführer Stefan Powolny erklärt, zahlen Kundinnen und Kunden ab 1. April 2024 je Kilowattstunde Gas 9,88 Cent (Netto) statt bislang 10,9 Cent. Wenig Verständnis hat Powolny für die derzeitige Sprunghaftigkeit der Ampel-Regierung. „Früher war das Geschäft von Stadtwerken langfristig orientiert, heute ist es deutlich hektischer: Wir wissen zum Beispiel im Dezember nicht, wie hoch die Mehrwertsteuer ab März sein wird.“ Das mache das Wirtschaften immer schwieriger.
