CO2-Belastung: Wird Aufladen bei Plug-in-Hybriden zur Pflicht?
VonPatrick Freiwah
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Die als Brückentechnologie geltenden Plug-in-Hybride können ihren Ruf als Klimaretter kaum halten. Im Alltag verursachen sie deutlich höhere CO2-Emissionen.
Berlin/München – Plug-in-Hybride, die sowohl einen klassischen Verbrennungsmotor als auch einen E-Antrieb besitzen, erleben einen regelrechten Boom. In den ersten neun Monaten 2025 stiegen die Neuzulassungen hierzulande um satte 64 Prozent auf 218.000 Modelle.
Damit ist diese Gattung die am stärksten wachsende Antriebsart auf dem deutschen Markt. Das Angebot ist dementsprechend riesig: Inzwischen gibt es Hunderte Modelle – vom Kleinwagen bis zum SUV.
Plug-in-Hybride: Weniger umweltfreundlich, mehr ein Problemfall
Doch der Schein trügt: Während Plug-in-Hybride auf dem Papier als besonders umweltfreundlich gelten, gibt es in der Praxis ein großes Problem mit ihren CO₂-Emissionen. Eine Untersuchung der Organisation Transport and Environment an 127.000 Fahrzeugen zeigt:
Laut einer Untersuchung sind die tatsächlichen CO2-Emissionen von PHEV-Modellen deutlich höher. Die Daten wurden anhand von Kraftstoffverbrauchsmessgeräten in 127.000 PHEVs erhoben, die im Jahr 2023 zugelassen wurden.
Der tatsächliche Ausstoß liegt mittlerweile im Durchschnitt fast fünfmal höher als die offiziellen WLTP-Testwerte. Die aktuellen Messungen stammen von Kraftstoffmessgeräten, die europaweit in Neuwagen eingebaut wurden.
CO₂-Emissionen bei PHEV-Modellen – Zahlen, die überraschen
Warum ist die Diskrepanz zwischen den offiziellen und den realen CO₂-Emissionen so groß? Viele Fahrer nutzen den E-Antrieb ihrer Plug-in-Hybride selten oder gar nicht und fahren überwiegend mit dem Verbrennungsmotor. Dadurch verpufft der Umweltvorteil. Die Autohersteller betonen zwar, dass die Technologie immer sauberer werde, doch die Zahlen von T&E sprechen eine andere Sprache.
Die EU will deshalb die Regeln verschärfen: Ab 2026 und 2027 werden die Methoden zur Berechnung der Flottengrenzwerte angepasst. Wenn Plug-in-Hybride künftig mit realistischeren Emissionswerten erfasst werden, wird es für die Hersteller schwieriger, die vorgeschriebenen CO₂-Grenzwerte einzuhalten. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldbußen in Milliardenhöhe.
Plug-in-Hybride in Deutschland
Ein wichtiger Grund für die Beliebtheit der Plug-in-Hybride ist ihre finanzielle Attraktivität, insbesondere für Dienstwagenfahrer. Sie profitieren von höheren Steuervorteilen als bei klassischen Verbrennermodellen. So ist der geldwerte Vorteil, der für die private Nutzung eines Dienstwagens versteuert werden muss, oft nur halb so hoch wie bei reinen Benzinern oder Dieseln. Das macht die Fahrzeuge gerade im Firmenwagenbereich besonders attraktiv.
Ladezwang für Plug-in-Hybride? Die Autoindustrie schlägt zurück
Die deutsche Autoindustrie macht nun offenbar einen überraschenden Vorschlag: Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) will der Verband der Automobilindustrie (VDA) Fahrer von Plug-in-Hybriden künftig dazu verpflichten, regelmäßig aufzuladen. Die Fahrzeuge könnten dann so programmiert werden, dass sie nach einer bestimmten Strecke zwingend an die Steckdose müssen.
Ignorieren die Insassen Warnhinweise, droht eine automatische Drosselung der Motorleistung. VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärt in dem Bericht: „Solche Maßnahmen fördern das elektrische Fahren gezielt.“ Noch handelt es sich um eine Idee – rechtliche und technische Details sind offen.
PHEV: CO₂-Vorgaben im Fokus – und der Kampf ums Verbrenner-Aus
Die Diskussion um den sogenannten Ladezwang zeigt: Der Druck aus Brüssel wächst. Die EU verschärft die Vorgaben für CO₂-Emissionen, und auch Plug-in-Hybride geraten diesbezüglich in den Fokus.
Autofahrer aufgepasst: Die 15 besten Tipps zum Spritsparen
Gleichzeitig kämpft die Autoindustrie gegen das geplante Aus für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035. Viele Hersteller wollen auch danach Plug-in-Hybride und sogenannte Range-Extender verkaufen dürfen, um flexibler auf unterschiedliche Märkte reagieren zu können. (PF)