Umweltziele und Profit

CO2-Belastung: Wird Aufladen bei Plug-in-Hybriden zur Pflicht?

  • schließen

Die als Brückentechnologie geltenden Plug-in-Hybride können ihren Ruf als Klimaretter kaum halten. Im Alltag verursachen sie deutlich höhere CO2-Emissionen.

Berlin/München – Plug-in-Hybride, die sowohl einen klassischen Verbrennungsmotor als auch einen E-Antrieb besitzen, erleben einen regelrechten Boom. In den ersten neun Monaten 2025 stiegen die Neuzulassungen hierzulande um satte 64 Prozent auf 218.000 Modelle.

Damit ist diese Gattung die am stärksten wachsende Antriebsart auf dem deutschen Markt. Das Angebot ist dementsprechend riesig: Inzwischen gibt es Hunderte Modelle – vom Kleinwagen bis zum SUV.

Plug-in-Hybride: Weniger umweltfreundlich, mehr ein Problemfall

Doch der Schein trügt: Während Plug-in-Hybride auf dem Papier als besonders umweltfreundlich gelten, gibt es in der Praxis ein großes Problem mit ihren CO₂-Emissionen. Eine Untersuchung der Organisation Transport and Environment an 127.000 Fahrzeugen zeigt:

Laut einer Untersuchung sind die tatsächlichen CO2-Emissionen von PHEV-Modellen deutlich höher. Die Daten wurden anhand von Kraftstoffverbrauchsmessgeräten in 127.000 PHEVs erhoben, die im Jahr 2023 zugelassen wurden.

Der tatsächliche Ausstoß liegt mittlerweile im Durchschnitt fast fünfmal höher als die offiziellen WLTP-Testwerte. Die aktuellen Messungen stammen von Kraftstoffmessgeräten, die europaweit in Neuwagen eingebaut wurden.

CO₂-Emissionen bei PHEV-Modellen – Zahlen, die überraschen

Warum ist die Diskrepanz zwischen den offiziellen und den realen CO₂-Emissionen so groß? Viele Fahrer nutzen den E-Antrieb ihrer Plug-in-Hybride selten oder gar nicht und fahren überwiegend mit dem Verbrennungsmotor. Dadurch verpufft der Umweltvorteil. Die Autohersteller betonen zwar, dass die Technologie immer sauberer werde, doch die Zahlen von T&E sprechen eine andere Sprache.

Unterliegen Plug-in-Hybride bald einem Ladezwang? Entsprechende Pläne gibt es im Zusammenhang mit den EU-Plänen im Hinblick auf CO2-Emissionen.

Die EU will deshalb die Regeln verschärfen: Ab 2026 und 2027 werden die Methoden zur Berechnung der Flottengrenzwerte angepasst. Wenn Plug-in-Hybride künftig mit realistischeren Emissionswerten erfasst werden, wird es für die Hersteller schwieriger, die vorgeschriebenen CO₂-Grenzwerte einzuhalten. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldbußen in Milliardenhöhe.

Plug-in-Hybride in Deutschland

Ein wichtiger Grund für die Beliebtheit der Plug-in-Hybride ist ihre finanzielle Attraktivität, insbesondere für Dienstwagenfahrer. Sie profitieren von höheren Steuervorteilen als bei klassischen Verbrennermodellen. So ist der geldwerte Vorteil, der für die private Nutzung eines Dienstwagens versteuert werden muss, oft nur halb so hoch wie bei reinen Benzinern oder Dieseln. Das macht die Fahrzeuge gerade im Firmenwagenbereich besonders attraktiv.

Ladezwang für Plug-in-Hybride? Die Autoindustrie schlägt zurück

Die deutsche Autoindustrie macht nun offenbar einen überraschenden Vorschlag: Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) will der Verband der Automobilindustrie (VDA) Fahrer von Plug-in-Hybriden künftig dazu verpflichten, regelmäßig aufzuladen. Die Fahrzeuge könnten dann so programmiert werden, dass sie nach einer bestimmten Strecke zwingend an die Steckdose müssen.

Ignorieren die Insassen Warnhinweise, droht eine automatische Drosselung der Motorleistung. VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärt in dem Bericht: „Solche Maßnahmen fördern das elektrische Fahren gezielt.“ Noch handelt es sich um eine Idee – rechtliche und technische Details sind offen.

PHEV: CO₂-Vorgaben im Fokus – und der Kampf ums Verbrenner-Aus

Die Diskussion um den sogenannten Ladezwang zeigt: Der Druck aus Brüssel wächst. Die EU verschärft die Vorgaben für CO₂-Emissionen, und auch Plug-in-Hybride geraten diesbezüglich in den Fokus.

Autofahrer aufgepasst: Die 15 besten Tipps zum Spritsparen

Zu den richtigen Zeiten tanken
Zu den richtigen Zeiten tanken: Die Kraftstoffpreise schwanken täglich und können sich je nach Tageszeit deutlich unterscheiden. Besonders abends zwischen 18 und 19 Uhr sind die Preise an vielen Tankstellen am günstigsten, da zu dieser Zeit weniger Pendler tanken. Wer zur richtigen Zeit tankt, kann pro Jahr spürbar sparen und die Haushaltskasse schonen. © Imago/Manfred Segerer
Reifendruck messen
Reifendruck regelmäßig prüfen: Ein zu niedriger Reifendruck erhöht den Rollwiderstand, wodurch der Motor mehr Leistung aufbringen muss. Bereits ein geringer Druckverlust kann den Spritverbrauch um 1 bis 2 % ansteigen lassen. Um dies zu vermeiden, sollte der Reifendruck mindestens einmal im Monat und vor längeren Fahrten kontrolliert werden. © Imago/Burkhard Schubert
Das richtige Gangschalten
Das richtige Gangschalten: Frühes Hoch- und spätes Runterschalten verringert die Drehzahl und spart so Sprit. Insbesondere im Stadtverkehr zahlt sich eine vorausschauende Fahrweise aus, da ständiges Beschleunigen und Abbremsen den Verbrauch in die Höhe treibt. Der optimale Verbrauch liegt meist bei mittleren Drehzahlen und moderatem Gasgeben. © Imago
Auf unnötige Lasten verzichten
Auf unnötige Lasten verzichten: Jedes zusätzliche Kilogramm kostet beim Fahren mehr Energie. Entfernen Sie Dachgepäckträger, Fahrradhalter und schwere Gegenstände aus dem Kofferraum, wenn sie nicht gebraucht werden. Schon 100 kg extra Gewicht können den Verbrauch um 0,1 Liter pro 100 km erhöhen. © Imago/Evgenii Lashchenov
Rekuperation nutzen (bei Hybrid- und E-Autos)
Rekuperation nutzen (bei Hybrid- und E-Autos): Bei Hybrid- und Elektroautos wird beim Bremsen Energie in die Batterie zurückgespeist. Sanftes Bremsen und Ausrollen lassen ermöglicht es, diese Energie optimal zurückzugewinnen und so die Reichweite zu verlängern. Eine vorausschauende Fahrweise hilft, häufiger in den Genuss dieser „kostenlosen“ Energie zu kommen. © Imago/Filippo Carlot
Konstant fahren statt Gas geben
Konstant fahren statt Gas geben: Ständige Geschwindigkeitswechsel belasten den Motor und steigern den Spritverbrauch. Eine gleichmäßige Fahrweise im mittleren Drehzahlbereich sorgt hingegen für einen optimalen Verbrauch. Besonders auf der Autobahn zahlt es sich aus, eine konstante Geschwindigkeit zu halten. © Imago/Christoph Hardt
Richtig heizen und kühlen
Richtig heizen und kühlen: Klimaanlagen und Heizungen sind echte Spritfresser, da sie zusätzliche Energie benötigen. Eine vernünftige Einstellung, wie z.B. eine moderate Temperatur im Sommer und eine kurze Heizphase im Winter, reduziert den Mehrverbrauch. Nutzen Sie die Lüftungssysteme nur dann, wenn sie wirklich gebraucht werden. © Imago
Motor im Stand nicht laufen lassen
Motor im Stand nicht laufen lassen: Bei längeren Wartezeiten, etwa an Bahnübergängen oder im Stau, sollte der Motor ausgeschaltet werden. Bereits wenige Minuten im Leerlauf können den Verbrauch merklich erhöhen und schaden der Umwelt durch unnötige Abgase. Moderne Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik übernehmen das für Sie automatisch. © Imago/Gottfried Czepluch
Elektrische Verbraucher sparsam einsetzen
Elektrische Verbraucher sparsam einsetzen: Sitzheizung, Navigationsgeräte und Co. sind praktisch, aber jeder elektrische Verbraucher erhöht den Spritverbrauch. Nutzen Sie diese Funktionen daher gezielt und nur, wenn es notwendig ist. Besonders bei Kurzstrecken lohnt es sich, auf unnötige Verbraucher zu verzichten, um den Verbrauch niedrig zu halten. © Imago/Bernd Leitner
Vorausschauend fahren
Vorausschauend fahren: Eine vorausschauende Fahrweise, die den Verkehr frühzeitig beobachtet, verhindert ständiges Abbremsen und Beschleunigen. So lässt sich im Stadtverkehr bis zu 15 % Kraftstoff sparen, da weniger Energie für das Bremsen verschwendet wird. Rollen Sie zum Beispiel bei einer roten Ampel einfach aus, anstatt abrupt zu bremsen. © Imago/Manuel Kamuf
Aerodynamik verbessern
Aerodynamik verbessern: Offene Fenster, Dachträger und Dachboxen erhöhen den Luftwiderstand und treiben den Spritverbrauch in die Höhe. Ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h sollte das Fenster lieber geschlossen bleiben und unnötige Aufbauten entfernt werden. Eine bessere Aerodynamik hilft, den Verbrauch zu reduzieren und die Fahrt effizienter zu gestalten. © Imago
Langsam anfahren
Langsam anfahren: Ein sanftes Anfahren an der Ampel spart nicht nur Sprit, sondern schont auch den Motor und die Reifen. Statt das Gaspedal voll durchzutreten, sollte man moderat beschleunigen und das Fahrzeug sanft auf Tempo bringen. Dies senkt den Verbrauch besonders im Stadtverkehr, wo häufiges Anfahren üblich ist. © Imago
Regelmäßige Wartung des Autos
Regelmäßige Wartung des Autos: Ein gut gewartetes Auto verbraucht weniger Kraftstoff, da der Motor und die Technik effizienter arbeiten. Regelmäßige Inspektionen, bei denen Luftfilter, Zündkerzen und Öl geprüft und ausgetauscht werden, tragen zur Langlebigkeit des Fahrzeugs bei. Schon ein verstopfter Luftfilter kann den Verbrauch spürbar erhöhen. © Imago
Auf Tempolimits achten
Auf Tempolimits achten: Bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Luftwiderstand erheblich, was den Spritverbrauch in die Höhe treibt. Fahren Sie deshalb im moderaten Geschwindigkeitsbereich, idealerweise zwischen 80 und 120 km/h, um den Verbrauch zu optimieren. Jedes Auto hat eine optimale Geschwindigkeit für die beste Effizienz, die oft bei den gesetzlich vorgeschriebenen Tempolimits liegt. © Imago/Martin Schroeder
Tempomat nutzen
Tempomat nutzen: Der Tempomat sorgt für eine konstante Geschwindigkeit, was auf längeren Strecken den Verbrauch verringert. Gerade auf der Autobahn oder Landstraße können Tempowechsel vermieden werden, wodurch der Motor gleichmäßiger und sparsamer läuft. Zudem fördert der Tempomat eine entspanntere Fahrt, da ständiges Beschleunigen und Bremsen entfällt. © Imago

Gleichzeitig kämpft die Autoindustrie gegen das geplante Aus für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035. Viele Hersteller wollen auch danach Plug-in-Hybride und sogenannte Range-Extender verkaufen dürfen, um flexibler auf unterschiedliche Märkte reagieren zu können. (PF)

Rubriklistenbild: © Imagebroker/Imago

Kommentare