Frühling in Ostasien

Trump-Zölle haben unvorhergesehene Folgen: Aus Rivalen werden plötzlich Freunde

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Container im Hafen von Qingdao, China.
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Donald Trumps Zollpolitik bringt China, Südkorea und Japan einander näher. Die einst zerstrittenen Staaten loten Handelsabkommen aus.

Während US-Präsident Donald Trump Zölle gegen die ganze Welt erheben will, schließen sich einstige Rivalen zusammen. In Ostasien sorgt die aggressive Zollpolitik der USA für Gespräche über neue Freihandelsabkommen zwischen Japan, Südkorea und China.

Trump sorgt für Gespräche zwischen Japan, Südkorea und China

Das Ergebnis der jüngsten Gespräche in Seoul sorgt für Optimismus: „Das erste Wirtschafts- und Handelsministertreffen zwischen Japan, China und Südkorea seit etwa fünfeinhalb Jahren hat stattgefunden“, erklärte diese Woche eine Nachrichtensprecherin des japanischen Senders TV Tokyo in auffallend erleichtertem Ton. „Und die drei Länder einigten sich darauf, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zu beschleunigen.“

Das, was in diesen Tagen in der südkoreanischen Hauptstadt besprochen worden ist, könnte in einigen Jahren als historisch gelten: als Ostasiens Integration dank den USA. „Da die Trump-Regierung in den USA zum Protektionismus neigt, wurde auf der Konferenz eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht“, ordnet TV Tokyo ein. Konkret: Die Beschleunigung festgefahrener Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sowie die Forderung eines freien und offenen Handelssystems mit der Welthandelsorganisation als Kern.

Trump zettelt mit Zöllen einen globalen Handelskrieg an

Für die USA deutet sich insofern eine unbeabsichtigte Konsequenz der eigenen Politik an. Seit Wochen hat US-Präsident Trump allen Ländern mit hohen Zöllen auf ausländische Produkte bei der Einfuhr in die USA gedroht. Die in vielen Bereichen kaum wettbewerbsfähige US-Wirtschaft will Trump so stärken. Trump hat dazu behauptet: „Viele Länder haben uns ausgenutzt, auf Weisen, wie viele von uns es gar nicht für möglich gehalten hätten, über viele, viele Jahrzehnte. Und das muss aufhören.“

Nun wird ein globaler Handelskrieg befürchtet. Banken warnen schon vor einer „weltweiten Rezession“. Denn Trump drängt Unternehmen aus aller Welt mit Zöllen dazu, nicht mehr in die USA zu exportieren, sondern dort zu produzieren und Jobs für US-Amerikaner und US-Amerikanerinnen zu schaffen. Nur sorgt dies überall auf der Welt für ökonomische Schäden. In den USA steigen Preise für die Menschen.

Trump-Zölle werden die Relevanz der USA in der Welt verändern

Anderswo reagiert man mit Gegenzöllen. Als Folge dürften das globale Handelsvolumen und auch Investitionen ins Stocken geraten. Eine weitere wahrscheinliche Folge für die USA: Die Wichtigkeit der weltweit größten Volkswirtschaft dürfte abnehmen. Die trilateralen Gespräche in Seoul zeigen dies. In der gemeinsamen Erklärung heißt es denn auch, man wolle die Lieferketten stärken und die Zusammenarbeit in der digitalen und grünen Wirtschaft vorantreiben.

Weinbrand

Die chinesischen Behörden haben ihre Anti-Dumping-Untersuchung zu Weinbrand-Importen in der EU bis zum 5. Juli verlängert, wie das Handelsministerium in Peking am Mittwoch erklärte.

Mit der Verlängerung der Untersuchung verschiebt sich auch das geplante Inkrafttreten der Zollaufschläge auf europäische Produkte.

Bislang gelten allerdings schon vorläufige Zölle in Höhe von bis zu 35,3 Prozent. Das Vorgehen gilt als Antwort auf EU-Zölle auf Elektroautos aus China. afp

Japans Wirtschafts-, Handels- und Industrieminister Yoji Muto betonte zu Beginn des Treffens: „Das internationale Umfeld wird zunehmend instabil. Es ist äußerst wichtig, die regelbasierte Weltwirtschaft zu stärken.“ Bei bilateralen Treffen zwischen Japan und China sowie Japan und Südkorea, die ebenfalls stattfanden, tauschten sich die beiden Seiten Berichten zufolge über die aktuelle Erhöhung der US-Zölle aus.

China, Südkorea und Japan rücken zusammen: USA hatte sich stets dagegen bemüht

Frühere Regierungen der USA haben sich stets bemüht, eine allzu enge Verbindung zwischen Japan und Südkorea auf der einen Seite und China auf der anderen zu verhindern. Japan und Südkorea sind Demokratien und strategische Partner der USA. China ist ein Ein-Parteienstaat mit schweren Menschenrechtsverletzungen. Vor allem fordert das wachsende China die regionale Dominanz Japans und die globale Macht der USA heraus.

Trumps Politik könnte die drei Staaten zusammenbringen. China, Japan und Südkorea haben je einen Handelsüberschuss gegenüber den USA, exportieren mehr als sie importieren. Trumps Zölle treffen diese Länder besonders hart. Doch durch ein Freihandelsabkommen, über das nun gesprochen wird, könnte sich der Handel zwischen den drei Staaten erhöhen, die Einbußen womöglich ausgleichen.

„Das internationale Umfeld wird zunehmend instabil. Es ist äußerst wichtig, die regelbasierte Weltwirtschaft zu stärken.“

Yoji Muto, Japans Wirtschafts-, Handels- und Industrieminister

Koichi Nakano, Politikprofessor an der Sophia Universität in Tokio, hält eine Integration für klug – schon wegen der kurzen Distanzen: „Man muss mit China reden. Japan muss seine Ambitionen anpassen, seinen Einfluss. Es muss die Realität akzeptieren. Und China ist auch schon länger bereit, das zu tun.“

Zwischen den Ländern in Asien gibt es noch tiefgreifende Rivalitäten

So werde oft vergessen, dass schon die erste Trump-Regierung ab 2017 Japan und China näher zusammenbrachte, und dies, obwohl in Japan der Nationalist Shinzo Abe regierte, der in China nicht vor allem einen Handelspartner sah, sondern einen Rivalen. „Am Ende kam die Corona-Pandemie dazwischen und die Annäherung stockte wieder“, so Nakano. „Aber Chinas Präsident Xi sollte als Staatsgast nach Tokio eingeladen werden. Hintergrund war schon damals Trumps Handelskrieg. Und das wird sich wiederholen.“

Südkoreas Wirtschaftsminister Ahn Duk-geun verspricht, die drei Staaten – die auch wegen Japans Rolle als einstige Kolonialmacht zerstritten sind – werden nach vorne schauen. Beim nächsten trilateralen Treffen in Japan soll es um konkrete Schritte bei der Aufhebung von Handelsbarrieren gehen.

Wobei der nächste Rückschritt in Ostasien nie weit ist. China hat schon angemahnt, man dürfe Japans Kolonialgeschichte nicht vergessen. Parallel patrouillierten diese Tage chinesische Schiffe rund um die unabhängig regierte Insel Taiwan, die China als Teil des eigenen Territoriums betrachtet. Würde es zu einem Angriff der Volksrepublik auf Taiwan kommen, wie China es oft angedroht hat, stünden Japan und Südkorea dann wohl doch auf der Seite Taiwans – und der USA.

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