Das EU-Mercosur-Abkommen senkt Zölle für Rohstoffe und Industriegüter. Kritik kommt wegen niedrigen Öko- und Sozialstandards und kolonialen Strukturen. Ein Kommentar.
Futtersoja, Fleisch und Verbrennerautos über den Atlantik verschiffen: Wenn EU und die lateinamerikanischen Mercosur-Staaten ihr Freihandelsabkommen abschließen, geht das auch zollfrei. Keine gute Idee finden Umweltschutz- und Bauernverbände – zurecht.
EU-Mercosur-Abkommen: Zollfreier Handel mit Fleisch und Pestiziden – Umweltverbände schlagen Alarm
Wer für das EU-Mercosur-Abkommen argumentiert, weist auf die wirtschaftlichen Vorteile des Freihandels hin: Während sich die EU und besonders Deutschland satte Gewinne vom Export teurer Industrieprodukte versprechen, haben die lateinamerikanischen Staaten vor allem Rohstoffe aus Landwirtschaft und Bergbau anzubieten.
Das würde globale Ungleichheit verfestigen. Als ewige Rohstoffexporteure blieben die Mercosur-Staaten in der Rolle, die ihnen schon der Kolonialismus aufgezwungen hat. Derweil könnten junge Industrien sich unter dem Druck globaler Konkurrenz nicht entwickeln. Wertschöpfung würde deshalb weiterhin hauptsächlich in der EU stattfinden, etwa beim Verbau von importiertem Lithium in europäische E-Autos.
Freihandel mit Lateinamerika: Wie das Mercosur-Abkommen globale Ungleichheit zementiert
Zusätzlich erwirtschaften die Mercosur-Staaten Rohstoffe unter deutlich niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards, als es in der EU der Fall wäre. Pestizide, Antibiotika im Fleisch, die Verdrängung der lokalen Bevölkerung für den Bergbau: All das handeln wir zollfrei mit.
„Wenn das Freihandelsabkommen kippt, dann handeln sie mit anderen Ländern“, werfen Befürworter:innen ein. Aber auch Handelsabkommen kann man gestalten. Das offensichtlichste Beispiel: Handel an Produktionsstandards knüpfen. Aber stattdessen schwächt die EU ihr Lieferkettengesetz.
Dieses tattrige „Weiter so!“ des Freihandels können wir uns angesichts der Klimakrise nicht leisten. Kooperation zwischen der EU und den Mercosur-Staaten müsste eine sozial-ökologische Produktions- und Lebensweise forcieren. Dann hätte sie Unterstützung verdient.
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