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„In Feierlaune“ - Hoffnung im US-Schuldenstreit schiebt Dax auf Allzeithoch

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Frankfurter Börse: Der Dax hat zum Wochenschluss am Freitag ein neues Allzeithoch erreicht.
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Trotz der weiterhin hohen Inflation und vieler Unsicherheiten in der Wirtschaft hat der Dax am Freitagmittag ein neues Allzeithoch erreicht.

Frankfurt - Die Hoffnung auf eine baldige Einigung im US-Schuldenstreit hat den Dax am Freitag auf ein Allzeithoch getrieben. Der deutsche Leitindex kletterte bis zum Nachmittag um 0,8 Prozent auf 16.293 Punkte und ließ damit die im November 2021 erreichte bisherige Bestmarke hinter sich. „Aktien in Feierlaune“, hieß es bei den Strategen der Helaba.

Zur Begründung für den jüngsten Aufwärtstrend verweisen Experten auf unerwartet starke Quartalszahlen. „Die Gewinne der Unternehmen haben sich im ersten Quartal besser entwickelt als befürchtet“, erklärte der Chef-Volkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer am Freitag gegenüber IPPEN.MEDIA. Die Dax-Unternehmen „haben die Erwartungen übertroffen. Die hohen Gewinne haben die hohen Dax-Stände ermöglicht, wobei Aktien gemessen am Kurs-Gewinnverhältnis nicht überbewertet sind“, sagte Krämer. Weiterer Rückwind kommt aus China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nimmt nach dem Ende der harten Corona-Einschränkungen jetzt wieder Fahrt auf.

Börsen: Kurzfristig weitere Kursanstiege möglich

Kurzfristig halten Markt-Experten weitere Kursanstiege für möglich. Stelle sich der Ausbruch nach oben nicht als Eintagsfliege heraus, dürften neue Höchststände die Folge sein, prognostizierte etwa Christian Henke vom Broker IG. „Das nächste Etappenziel wäre dann die nächste runde Zahl bei 17.000 Zählern.“

Allerdings blieb die große Euphorie zunächst aus, was Marktteilnehmer mit den vergleichsweise dünnen Handelsumsätzen am Brückentag nach Christi Himmelfahrt erklärten. Der Dax fiel nach dem Rekordhoch wieder ein paar Punkte zurück. Seit dem Tief im vergangenen September bei 12.000 Zählern hat der deutsche Leitindex damit gut 4.000 Punkte gutgemacht. Für die zweite Jahreshälfte könnte sich die Lage dann aber wieder beruhigen, erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer: „Der Dax hat seit Jahresbeginn um mehr als 15 Prozent zugelegt. Insofern wären Rückschläge im zweiten Halbjahr nicht ungewöhnlich. Dies gilt umso mehr, als die weltweiten Zinserhöhungen das Risiko einer Rezession im zweiten Halbjahr deutlich steigen lassen.“

US-Einigung in Schuldenstreit rückt näher

Der EuroStoxx50 gewann 0,9 Prozent, die japanische Börse kletterte auf den höchsten Stand seit 33 Jahren. Auch an den US-Börsen blieben die Anleger vorbörslich in guter Stimmung: Die Futures der großen Indizes lagen am Nachmittag im Plus. Im Streit über die US-Schuldenobergrenze hatten Präsident Joe Biden und der führende Kongressabgeordnete Kevin McCarthy zuletzt ihre Entschlossenheit bekräftigt, eine rasche Einigung zu erzielen. Investoren wetten darauf, dass die Sache noch am Wochenende vom Tisch ist. Käme kein Deal zustande, könnte die Regierung Anfang Juni ihre Rechnungen womöglich nicht mehr bezahlen. Das wäre ein hochriskantes Unterfangen, aber die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario sei nicht mehr besonders hoch, sagte Kevin Thozet vom Fondsmanager Carmignac.

Anleger am Ölmarkt werden mutiger

Am Ölmarkt machte sich ebenfalls Optimismus breit. Der Preis für das Nordseeöl Brent gewann bis zu 1,3 Prozent auf 76,83 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI kostete mit 72,75 Dollar je Fass 1,2 Prozent mehr.

Die US-Währung gab nach der jüngsten Rally zum Wochenschluss leicht nach. Der Dollar-Index notierte mit 103,354 Stellen aber noch immer in Sichtweite seines am Donnerstag markierten Zwei-Monats-Hochs. Der Euro fiel mit 1,0758 Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende März. Sollte es bald tatsächlich zu einer Einigung im US-Schuldenstreit kommen, könnte sich auf kurze Sicht die Dollar-Stärke noch fortsetzen, prognostizierten die Analysten der LBBW. „Dann gehen wir jedoch davon aus, dass das Argument der rückläufigen Zinsdifferenz wieder in den Vordergrund rücken dürfte: Wir sehen die US-Leitzinsen bereits am Hochpunkt, die EZB sollte hingegen noch zweimal anheben.“ (rtr/utz)

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