Anbieter werden verschwinden

Deutsche Autozulieferer: Konkurrenz aus Asien ist nicht mehr einzuholen

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Deutsche Automobilzulieferer befürchten existenzielle Einschnitte in ihrer Branche. Es wird mit einer Marktbereinigung gerechnet.

Düsseldorf – Die deutschen Automobilzulieferer haben schwer zu kämpfen. Das zeigen nicht nur Meldungen über Werksschließungen und Stellenstreichungen - Bosch und ZF Friedrichshafen sind nur zwei Beispiele. Auch Studien belegen, dass es nicht gut um die Branche steht.

Krise bei deutschen Autozulieferern: Der Weltmarktanteil sinkt

Constantin Gall, Marktexperte der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, meinte unter Berufung auf eine Analyse der Beschäftigungs- und Umsatzentwicklung in der Automobilbranche, dass für die deutschen Zulieferer die „Luft immer dünner wird“. Laut der „Studie Automobilzulieferer“ von PwC Strategy& verlieren deutsche Zulieferer kontinuierlich Weltmarktanteile.

Auch Pleiten sind keine Seltenheit mehr, wie die Beispiele Flabeg Automotive Germany oder Voit Automotive zeigen. Entspannung scheint nicht in Sicht. „Wir gehen davon aus, dass die Insolvenzen im Automotive-Sektor in 2025 um 40 bis 50 Prozent steigen werden“, sagt Jonas Eckhardt, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Falkensteg.

Baker-Tilly-Studie über deutsche Autozulieferer: Konkurrenz aus Asien technisch weit vorn

Auch die Zulieferer selbst zeigen wenig Optimismus. Laut einer Umfrage der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Baker Tilly unter Führungskräften deutscher Autozulieferer gehen zwei Drittel der Firmen davon aus, dass Anbieter vom Markt verschwinden werden.

Deutsche Autozulieferer erwarten eine Markbereinigung. (Symbolbild)

Demnach rechnen 67 Prozent der Befragten in zwei Jahren mit weniger Konkurrenten als heute. Nur 20 Prozent erwarten, dass neue Anbieter, vor allem aus China, auf den Markt drängen werden. Bereits jetzt wird die Konkurrenz aus Asien allerdings als größte Herausforderung betrachtet. 51 Prozent der Befragten attestieren den dortigen Firmen einen „uneinholbaren Vorsprung bei Schlüsseltechnologien“. Nur sechs Prozent sehen sich als „Vorreiter“ in der globalen Zulieferindustrie, während sich 28 Prozent im internationalen Vergleich „im Rückstand“ wähnen.

79 Prozent halten die Lage der Branche für „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“. Für das eigene Unternehmen sehen die Befragten die Lage allerdings anders: 78 Prozent sprachen hier von einer „eher guten“ oder sogar „sehr guten“ Lage. „Die Wahrnehmung klafft drastisch auseinander“, sagt Jannik Bayat, Experte bei Baker Tilly. Die Industrie scheine die Risiken zwar zu erkennen, diesen im eigenen Unternehmen aber nicht entschieden genug zu begegnen.

Baker-Tilly-Studie über deutsche Autozulieferer: Viele halten sich für krisenresistent

56 Prozent der Befragten nannten den hohen Investitions- und Kostendruck als große Herausforderung. 60 Prozent beklagten, dass wegen der geopolitischen Veränderungen und möglicher Handelskonflikte derzeit keine verlässlichen Planungen mehr möglich seien. Zugleich stellten 55 Prozent fest, dass sich das Zeitfenster für die Transformation der Branche schneller als bislang angenommen schließt.

Allerdings halten viele ihr eigenes Unternehmen für krisenresistent. 75 Prozent gaben an, dass ihr Geschäftsmodell weitgehend unabhängig vom Wechsel der Antriebstechnologie sei. Der Grund dafür ist, dass die von ihnen gefertigten Teile sowohl in Elektroautos als auch in Verbrennermodellen Verwendung finden. Zudem sehen 55 Prozent der Befragten eine realistische Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Verlagerung auf andere Branchen zu sichern.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Baker-Tilly-Studie über deutsche Autozulieferer: Bewährte Stammkunden werden bevorzugt

Standortverlagerungen ins Ausland spielen dagegen keine große Rolle. Lediglich 17 Prozent der Befragten halten diesen Schritt für notwendig, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der Großteil der Befragten hält sich an seine bewährten Stammkunden. So sind 49 Prozent auf europäische Fahrzeughersteller (OEM) ausgerichtet.

Nur 18 Prozent beliefern auch chinesische und 17 Prozent US-amerikanische Autobauer. Dabei wächst der Einfluss chinesischer Marken. Für Bayat ist das ein Problem. „Wir denken weiterhin zu lokal und bestenfalls regional, während andere Zulieferer global angreifen,“ so der Baker-Tilly-Experte.

Studie: Die Automobilzulieferindustrie zwischen Transformation und Zukunftsentscheidungen

Baker Tilly hat 100 Top-Entscheider der ersten und zweiten Führungsebene der deutschen Automobilzulieferindustrie zur Wettbewerbsfähigkeit sowie zum Investitions- und Transformationsbedarf am Standort Deutschland befragt. Der Untersuchungszeitraum war März und April 2025.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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