Der Eisenbahnkonzern im Überblick

Der Konzern Deutsche Bahn: Von der Gründung bis zur heutigen Organisation

Die Deutsche Bahn ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Alle Informationen zur Geschichte und der heutigen Unternehmensform im Überblick.

Berlin – Die heutige Deutsche Bahn wurde Mitte der 1990er-Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung ins Leben gerufen. Heute arbeiten in Deutschland 221.343 Menschen für die Eisenbahn. Damit ist die Organisation einer der größten Arbeitgeber des Landes.

BezeichnungDeutsche Bahn AG (kurz: DB AG)
Art des UnternehmensAktiengesellschaft
Gründung1. Januar 1994
CEODr. Richard Lutz
Geografische AbdeckungEuropa

Deutsche Bahn: Hintergründe und Geschichte

Die heutige Organisation Deutsche Bahn (DB AG) ist das Ergebnis der Fusion der Reichsbahn der DDR und der Deutschen Bundesbahn. Beide staatlichen Betriebe waren nach der Wende tief in den roten Zahlen und verbuchten Milliardenverluste. Reformen beider Eisenbahnunternehmen schlossen die Verantwortlichen aus. Stattdessen überführten sie sowohl die Reichs- als auch die Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft: Die Deutsche Bahn AG wurde am 1. Januar 1994 offiziell gegründet.

Dabei geht die Geschichte der Eisenbahn viel weiter zurück. Am 7. Dezember 1835 fand die erste Fahrt auf Schienen statt. Sie ging von Nürnberg nach Fürth. Nach der deutschen Reichsgründung im Jahr 1871 existierten zahlreiche verschiedene Eisenbahnbetriebe mit eigenen Verwaltungen. Sie bedienten vorwiegend den Nah- und Regionalverkehr; Fernstrecken waren seinerzeit nicht üblich.

Der DB Tower am Potsdamer Platz in der Abenddaemmerung. Hier ist die Zentrale der Deutschen Bahn AG untergebracht

Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich die Länderbahnen zu den Deutschen Reichseisenbahnen zusammen. Im Jahr 1924 wurden die Einzelunternehmen in einer zentralen Organisation gebündelt: der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.

Diese betrieb den Schienenverkehr bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Teilung der deutschen Staaten folgte auch die der Eisenbahn: Im Osten hieß die Bahngesellschaft weiterhin Deutsche Reichsbahn, im Westen gründete man die Deutsche Bundesbahn.

Die Hintergründe der Bahnreform in den 1990er-Jahren

Mit der Wiedervereinigung wuchsen die Ansprüche an ein einheitliches Schienennetz und damit an eine Vereinigung von Reichs- und Bundesbahn. Nachdem im Januar 1994 die Fusion besiegelt wurde, folgten Jahre der Modernisierung und Rationalisierung. Die neu gegründete Deutsche Bahn baute Personal ab und organisierte weite Teile des Schienennetzes neu. So legte sie den Schienennahverkehr in die Hände der Bundesländer und baute Schnellstrecken aus. Den Anfang machte die Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin. Sie wurde im Mai 1998 eröffnet.

In den 2000er-Jahren machte die Deutsche Bahn durch weitere Reformen von sich reden. Neue Preissysteme, sieben neue Intercity-Express (ICE)-Linien und die Gründung eines neuen Unternehmensbereichs „Dienstleistungen“ gehörten dazu.

Ende der 2000er- und in den 2010er-Jahren beteiligte sich die Deutsche Bahn an verschiedenen Unternehmen, darunter an der europäischen Bahngesellschaft Thalys. 2010 erwarb das Eisenbahnunternehmen den britischen Verkehrsbetrieb Arriva.

Deutsche Bahn: Die Organisation und ihre Tochtergesellschaften

Die Konzernform der Deutschen Bahn ist seit der Gründung die einer Aktiengesellschaft. Dennoch ist die Eisenbahn nicht an der Börse notiert. Vielmehr befindet sie sich bis heute vollständig im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.

In den Jahren 2006 bis 2011 wurde dies kontrovers diskutiert, knapp 50 Prozent der Organisation sollten privatisiert werden. 2011 wurde dem Börsengang jedoch eine Absage erteilt.

Heute gehören zahlreiche Tochtergesellschaften zur Deutschen Bahn:

  • DB Arriva plc
  • DB Bahnbau Gruppe
  • DB Cargo AG
  • DB Gastronomie GmbH
  • Deutsche Bahn Digital Ventures GmbH
  • ioki GmbH
  • DB Energie GmbH
  • DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH
  • DB Fernverkehr AG
  • DB Connect
  • DB Kommunikationstechnik
  • DB Netz AG
  • DB Regio AG
  • DB Schenker
  • DB Services GmbH
  • DB Sicherheit GmbH
  • DB Station&Service AG
  • DB Systel GmbH
  • DB Systemtechnik GmbH
  • DB Vertrieb GmbH
  • DB Zeitarbeit GmbH

Weite Teile des Schienennetzes in Deutschland werden von der Konzerntochter DB Netz betrieben. Den Personenfernverkehr unterhält die Tochter DB Fernverkehr, für den Gütertransport ist DB Cargo verantwortlich. DB Regio unterhält den Personennahverkehr. Rund die Hälfte des Umsatzes der Deutschen Bahn werden im Eisenbahnverkehr erwirtschaftet. Die andere Hälfte gehen auf das Konto des Transport- und Logistikgeschäfts sowie von weiteren Dienstleistungsbetrieben.

Beteiligungen und Zuständigkeiten der Deutschen Bahn

Dazu kommen Beteiligungen an weiteren Betrieben:

  • DB Engineering & Consulting GmbH
  • DB BahnPark GmbH
  • Deutsche Verkehrs-Assekuranz-Vermittlungs-GmbH
  • DB Immobilien – Immobilienmanager des DB Konzerns
  • DB Dialog GmbH
  • Flexibilisierung
  • DB Competition Claims GmbH

Die Deutsche Bahn und das Schienennetz

Die Eisenbahn fährt in Deutschland auf rund 38.400 Schienenkilometern. Damit ist das deutsche Schienennetz eines der größten in Europa. Die Deutsche Bahn unterhält davon circa 33.400 Kilometer und ist somit der wichtigste Betreiber.

Seit der Fusion von Bundesbahn und Reichsbahn 1994 wächst das Schienennetz stetig. Bis 2021 hat es sich im Personenverkehr um rund 50 Prozent, im Güterverkehr um knapp 90 Prozent vergrößert. Insgesamt absolvieren die Eisenbahnen auf dem Netz der DB AG mehr als eine Milliarde Kilometer pro Jahr.

Obwohl nicht das gesamte Streckennetz zur DB gehört, können die Züge der Organisation es doch nutzen. Umgekehrt gilt dasselbe für die verschiedenen privaten Betreiber. Sie sind auch auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn unterwegs. Die Schienen werden üblicherweise sowohl vom Güter- als auch vom Personenverkehr genutzt. Für ICE-Züge gibt es zum Teil eigene Trassen.

Die Deutsche Bahn plant eine Generalsanierung der wichtigsten Schienenkorridore. Im Jahr 2025 geht es um die Korridore Hamburg–Berlin und Emmerich–Oberhausen. Auf diese Weise soll sich das im Moment hoch belastete Netz bis spätestens 2030 stabilisieren. Bei der Generalsanierung des Hochleistungsnetzes sollen nach und nach alle überalterten und störanfälligen Anlagen komplett ersetzt und verbessert werden. 

Personalien und Umsatz des Konzerns

Aufgrund der Konzernform der Aktiengesellschaft hat die Deutsche Bahn einen Aufsichtsrat. Diese besteht aus 20 Mitgliedern. Zehn von ihnen sind Anteilseignervertreter, weitere zehn Arbeitnehmer der Organisation. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Werner Gatzer (Stand: Anfang 2024).

Die Deutsche Bahn und ihre Tochterunternehmen haben jeweils einen Vorstandsvorsitzenden. Dr. Richard Lutz übernimmt diese Rolle konzernweit seit 2017. Die weiteren Vorsitzenden verteilen sich wie folgt:

  • Berthold Huber: Vorstand Infrastruktur
  • Dr. Levin Holle: Vorstand Finanzen und Logistik
  • Evelyn Palla: Vorständin Regionalverkehr
  • Dr. Sigrid Nikutta: Vorständin Güterverkehr
  • Dr. Michael Peterson: Vorstand Personenfernverkehr
  • Dr. Daniela Gerd tom Markotten: Vorständin Digitalisierung und Technik
  • Martin Seiler: Vorstand Personal und Recht

Die Deutsche Bahn beschäftigt weltweit rund 338.000 Mitarbeiter, davon rund 211.000 in Deutschland. Der Löwenanteil der internationalen Mitarbeiter befindet sich in Europa, die zweitgrößte Präsenz hat das Unternehmen im asiatischen und pazifischen Raum, gefolgt von Nordamerika.

Im Jahr 2020 erwirtschaftete die Deutsche Bahn einen Umsatz in Höhe von knapp 40 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr verbuchte sie Verluste von zehn Prozent. 2019 betrug der Umsatz rund 700 Millionen Euro. Der Hauptgrund für die Verluste waren die Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Krise seit Frühjahr 2020. Das Fahrgastaufkommen schrumpfte infolgedessen deutlich – von etwa 150 Millionen im Jahr 2019 auf 81 Millionen im Jahr darauf. In jenem Jahr fuhr die Organisation den größten Verlust ihrer Geschichte ein. Auch im ersten Halbjahr 2021 stehen rote Zahlen auf der Rechnung: Mehr als 1,4 Milliarden Euro Minus wurden verbucht. Im Jahr 2022 konnte der Umsatz der Deutschen Bahn wieder gesteigert werden auf knapp 56,3 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2023 betrug der Konzernumsatz rund 25 Milliarden Euro.

Deutsche Bahn: Kontroversen und Streiks

Die Deutsche Bahn gerät immer wieder in negative Schlagzeilen. Zum einen wird die mangelhafte Pünktlichkeit der Züge kritisiert. Zu Beginn von 2023 hatte sich die Deutsche Bahn zum Ziel gesetzt, dass 70 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich ankommen sollten. Als pünktlich gelten Züge mit einer Verspätung unter sechs Minuten. Die Pünktlichkeitsrate, die am Ende von 2023 verzeichnet werden konnte (ausgefallene Züge ausgenommen) lag bei 64 Prozent und damit auf einem neuen Rekordtief.

Zum anderen wird die Eisenbahn von den Gewerkschaften regelmäßig bestreikt. Die Streiks sind die Folge gescheiterter Tarifverhandlungen, insbesondere mit der Gewerkschaft der Lokführer (GDL). Seit dem Jahr 2000 macht diese im Vergleich zur zweiten Bahn-Gewerkschaft EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) regelmäßig von sich reden. Während die GDL die DB-Lokomotivführer vertritt, setzt sich die EVG für die Belange aller anderen Beschäftigten ein.

Rubriklistenbild: © Reiner Zensen/IMAGO

Kommentare