VonNina Luttmerschließen
Das Geldhaus legt seine Quartalszahlen vor und kündigt den Rückkauf eigener Aktien an. Für mehr Stabilität wollen die Vorstände das Geschäft auf mehrere Sparten verteilen.
Hervorzuheben, dass die Deutsche Bank ein „gut ausgewogenes Geschäftsmodell“ habe, war sowohl Finanzvorstand James von Moltke als auch Bankchef Christian Sewing am Mittwoch wichtig. Von Moltke betonte das in einer Telefonkonferenz mit Journalist:innen mehrfach. Sewing schrieb in einem Brief an die Beschäftigten der Bank, dass die vier Sparten des Instituts sich „hervorragend ergänzen. Das gibt uns Kraft und Stabilität.“
Die Betonung kommt nicht von ungefähr. Die Investoren wollen sehen, dass die Deutsche Bank wirklich nicht mehr nur auf einem Bein - dem Investmentbanking - steht, so wie sie es einst tat. 2011, dem letzten Amtsjahr des langjährigen Vorstandschefs Josef Ackermann, kamen noch 55,7 Prozent der Erträge des Konzerns aus der Investmentbank. Im ersten Quartal 2023 waren es nun nur noch 31,9 Prozent. Das lag zwar auch daran, dass das Investmentbanking angesichts der schwachen Konjunkturaussichten und der steigenden Zinsen – wie bei anderen Instituten auch – schwächelte. Dennoch: Sewing hält das Versprechen, das er zu seinem Amtsantritt 2018 gemacht hatte, die Bank breiter aufzustellen, offenbar ein.
Deutsche Bank: Hohe Kosten für Rechtsfälle und Restrukturieren verhageln Bilanzen
Die größte deutsche Bank wies im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn aus, der mit 1,4 Milliarden Euro um neun Prozent tiefer lag als im Vorjahresquartal. Unter dem Strich standen 763 Millionen Euro nach 1,046 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Das lag vor allem an Kosten für – vor allem ältere – Rechtsfälle und Restrukturierung in Höhe von 655 Millionen Euro. Sewing betonte zwar, dass das Einmalkosten seien und ohne diese das Ergebnis vor Steuern im zweiten Quartal um 25 Prozent höher gewesen sei als im Vorjahr. Allerdings weisen Banken gerne regelmäßig Einmalkosten aus und betonen, wie grandios das Ergebnis ohne diese gewesen wäre. Belastend kam auch hinzu, dass die Bank mehr Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite leisten musste als im Vorjahr.
Dennoch übertraf das Geldhaus mit seinem Vorsteuerergebnis und auch mit den Erträgen im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten und Analystinnen. Den größten Teil des Gewinns vor Steuern lieferte die Unternehmensbank ab: Ihr Ergebnis stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 670 Millionen Euro. Im gesamten ersten Halbjahr erzielte das Institut dank eines starken Jahresauftakts mit fast 3,3 Milliarden Euro den höchsten Vorsteuergewinn seit 2011.
Deutsche Bank will eigene Aktien zurückkaufen
An der Börse wurde das Ergebnis am Mittwoch zunächst nicht honoriert. Die im Dax gelistete Aktie gab am Vormittag nach, drehte dann aber ins Plus. Bereits am Dienstagabend hatte die Bank Aktienrückkäufe angekündigt. Diese sind eigentlich positiv für Aktionär:innen, da sie im Regelfall den Aktienkurs stützen. Die Bank will von August bis Dezember eigene Wertpapiere im Wert von bis zu 450 Millionen Euro zurückkaufen. Das Institut bekräftigte zudem, dass Dividendenerhöhungen geplant seien.
Ein Problem der Bank bleiben die trotz des Sparkurses hohen Kosten. Diese fielen im zweiten Quartal mit 5,6 Milliarden Euro 15 Prozent höher aus als im Vorjahreszeitraum.
