Rüstungsboom

Deutsche Rüstungsfirmen übernehmen wichtige Rolle bei der Flugabwehr der Nato

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Deutsche Rüstungskonzerne und die Bundesregierung wollen einen Schutzschild innerhalb der Nato aufbauen. Doch die Herausforderungen sind groß.

Berlin - Die Bundesregierung und deutsche Rüstungskonzerne wollen den Aufbau eines europäischen Raketenschildes übernehmen. Die Rüstungsindustrie steht daher vor einer Erweiterung der Kapazitäten im Bereich Flugabwehr. Derlei Pläne haben mehrere Vertreter aus dem Umfeld der Konzerne Rheinmetall, Hensoldt, MBDA und Diehl dem Handelsblatt bestätigt.

Eine effektive Drohnenabwehr gibt es innerhalb der Nato nicht

Die Aktienmärkte laufen sich bereits warm für den Rüstungsboom. Doch Politik und Wirtschaft haben mit vielen Problemen zu tun. Eine gut ausgebaute Drohnenabwehr gibt es in den europäischen Nato-Staaten auch drei Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht, so das Handelsblatt. Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten fordern daher von ihren Regierungen, die Anstrengungen zu erhöhen und die Menge der bodenbasierten Flugabwehrsysteme in den kommenden Jahren zu verfünffachen.

Bundeswehr erteilt Aufträge zur Flugabwehr: Rheinmetall übernimmt Führungsrolle

Wie das möglich wäre, geht aus einem von Generalinspekteur Carsten Breuer unterzeichneten Dokument hervor, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Vor allem der Schutz vor Bedrohungen aus der Luft soll ausgebaut werden. Dabei helfen könnte eine integrierte Raketenabwehr, die Luftverteidigung kurzer und mittlerer Reichweite sowie eine Flugabwehr, insbesondere zur Abwehr von fliegenden Drohnen und Drohnenschwärmen.

Die Bundeswehr hat bereits einige Aufträge verteilt, meldet das Handelsblatt. Im vergangenen Jahr bestellte sie 18 kanonenbasierte Flugabwehrpanzer vom Typ Skyranger bei Rheinmetall. Es besteht zudem eine Option für 30 weitere. Gegen Marschflugkörper hat die Bundeswehr bei Diehl sechs Feuereinheiten des Typs Iris-T-SLM mit mittlerer Reichweite geordert. Diese Marschflugkörper sind Raketen, die unter dem gegnerischen Radar fliegen und sich selbst steuern. Rheinmetall plant außerdem eine engere Zusammenarbeit mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin.

Ukraine-Krieg zeigt die Bedeutung der Luftabwehr

Der Ukraine-Krieg verdeutlicht die immense Bedeutung der Luftabwehr. Es zeigt sich, dass ein einziges Waffensystem nicht ausreicht, um Angriffe aus der Luft abzuwehren. Drohnen haben weitgehend die von Piloten gesteuerten Kampfflugzeuge und Hubschrauber ersetzt.

Allein im Mai haben ukrainischen Angaben zufolge Drohnen 89.000 erfolgreiche Angriffe gegen russische Ziele durchgeführt. Hinzu kommen Angriffe mit Marschflugkörpern. Die „Operation Spinnennetz“ des ukrainischen Geheimdiensts SBU demonstriert, wie empfindlich der Gegner getroffen werden kann: Mit einer Flotte von Kleindrohnen gelang es, mindestens ein Dutzend strategischer Bomber Russlands auf Flugplätzen weit hinter der Frontlinie zu zerstören.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Ardan Fuessmann

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