VonMarcel Reichschließen
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer empfiehlt, einen Feiertag in Deutschland zu streichen. Dies könnte die Produktivität erhöhen und dem Staat zusätzliche Einnahmen bringen. Allerdings sind die Auswirkungen umstritten.
Frankfurt – Die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und der SPD könnten am Ende ein riesiges Schuldenpaket für den deutschen Steuerzahler bedeuten. In der jüngsten Debatte zur Steigerung der kriselnden Wirtschaftsleistung in Deutschland, die zeitgleich läuft, hat die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer einen Vorschlag gemacht, der auf den ersten Blick kontrovers erscheint: Sie fordert die Abschaffung eines Feiertags, um die wirtschaftliche Aktivität zu erhöhen und dem Staat mehr Einnahmen zu verschaffen.
Dabei gilt Dänemark als Vorbild: der nördliche Nachbar strich im vergangenen Jahr den Store Bededag („Großer Gebetstag“), vergleichbar mit dem deutschen Buß- und Bettag. Einem Gutachten des dänischen Wirtschaftsministeriums zufolge spülte der gestrichene Feiertag nämlich ein Plus von umgerechnet rund 400 Millionen Euro in den dänischen Staatshaushalt.
Wirtschaftsweise will Feiertag abschaffen: Bedeutet mehr Arbeit wirklich mehr Wirtschaftskraft?
Doch was würde dieser Schritt tatsächlich für Deutschland bringen? Welche Auswirkungen hätte er auf die deutsche Wirtschaft, die Arbeitswelt und die öffentlichen Finanzen?
| Bundesländer mit den meisten Feiertagen | Anzahl Feiertage im Jahr 2025 |
|---|---|
| Bayern | 13 |
| Saarland | 13 |
| Baden-Württemberg | 12 |
Monika Schnitzer argumentiert, dass Deutschland im internationalen Vergleich relativ viele Feiertage hat, die nicht nur den Arbeitsalltag unterbrechen, sondern auch zu einem Rückgang der Produktivität führen können. Gerade in einer globalisierten Wirtschaft, in der Unternehmen oft rund um die Uhr arbeiten, könnten zusätzliche Arbeitstage die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern.
Die Abschaffung eines Feiertags würde die Zahl der Arbeitsstunden erhöhen, was theoretisch zu einer höheren Wirtschaftsleistung führen könnte. Eine erhöhte Anzahl an Arbeitstagen würde den Unternehmen ermöglichen, mehr zu produzieren, mehr zu verkaufen und damit möglicherweise auch ihre Gewinne zu steigern. Dies könnte vor allem in Bereichen wie der Industrie und der Dienstleistungsbranche, in denen häufig hohe Produktionskapazitäten benötigt werden, von Bedeutung sein.
Sollte Deutschland einen Feiertag abschaffen? So viel mehr Einnahmen könnte das bringen
Ein weiterer Punkt, den Schnitzer in ihrer Argumentation anführt, sind die potenziellen Vorteile für die öffentlichen Finanzen. Mehr Arbeit bedeutet mehr Einkommen für die Beschäftigten, was zu höheren Lohnsteuereinnahmen führen würde. Auch Unternehmen könnten von der zusätzlichen Produktivität profitieren, was sich wiederum in höheren Unternehmenssteuern niederschlagen könnte.
| Bundesländer mit den wenigsten Feiertagen | Anzahl Feiertage im Jahr 2025 |
| Niedersachsen | 10 |
| Berlin | 9 |
| Bremen | 9 |
Zudem könnten zusätzliche Arbeitsstunden in Bereichen wie dem Handel oder der Gastronomie zu einer stärkeren Konsumaktivität führen, was sich positiv auf die Mehrwertsteuereinnahmen auswirken würde. Die zusätzliche Steuerlast, die durch die verlängerten Arbeitszeiten generiert wird, könnte den Staat in die Lage versetzen, mehr in öffentliche Projekte zu investieren oder Defizite zu reduzieren.
Laut einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft würde ein zusätzlicher Arbeitstag circa acht Milliarden Euro einbringen. Ganz genau lässt sich das jedoch nicht berechnen. Mehr Arbeitszeit bedeutet nämlich nicht in allen Branchen, dass dann auch automatisch mehr produziert wird. Die Höhe der Einnahmen würde auch stark davon abhängen, welcher Feiertag gestrichen wird. Je nach Branche und Jahreszeit wird unterschiedlich viel erwirtschaftet. Die Umsetzung in Deutschland wäre jedoch auch schwierig, weil die Bundesländer unterschiedlich viele Feiertage haben.
Kritiker sehen negative soziale Auswirkungen
Doch der Vorschlag stößt auf Widerstand. Gewerkschaften wie die Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Verband der Arbeitnehmer (VdA) lehnen den Vorschlag vehement ab. Sie argumentieren, dass die Abschaffung eines Feiertages die ohnehin schon hohe Arbeitsbelastung der Arbeitnehmer weiter verschärfen würde. In einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin schon mit Stress und Arbeitsüberlastung kämpfen, würden zusätzliche Arbeitstage nicht zu mehr Wohlstand führen, sondern die Lebensqualität der Beschäftigten verschlechtern. So äußerte sich auch der Unternehmer Carsten Maschmeyer immer wieder kritisch über Forderungen, die Deutschen sollten mehr arbeiten.
In Deutschland, wo die Work-Life-Balance oft einen hohen Stellenwert hat, könnte die zusätzliche Belastung durch einen weiteren Arbeitstag zu Unzufriedenheit und einem Anstieg von Stress und gesundheitlichen Problemen führen. Besonders in Berufen mit ohnehin schon hoher Belastung, wie in der Pflege oder im Bildungswesen, könnte der Vorschlag als weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wahrgenommen werden.
Eine solche Maßnahme könnte im besten Fall zu einer kurzfristigen Steigerung der Wirtschaftsleistung führen, aber ob sie langfristig eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und das Wohlstandsniveau der Bevölkerung hat, bleibt fraglich.
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