Deutscher Autozulieferer in Krise – Kündigungen treffen nun auch Mitarbeiter am Hauptsitz
VonJulian Baumann
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Autozulieferer Eissmann durchlebt seit 18 Monaten eine Insolvenz. Nach dem Ende eines Standorts trifft die Krise mittlerweile auch die Angestellten in der Zentrale.
Bad Urach – Die Krise der Automobilindustrie dauert nun bereits seit vielen Monaten an und hatte Ende Februar 2024 auch den Automobilzulieferer Eissmann und seine deutschen Tochterunternehmen erwischt, die Insolvenz anmelden mussten. Eissmann Automotive mit Sitz in Bad Urach (Kreis Reutlingen, Baden-Württemberg) beschäftigte zu diesem Zeitpunkt allein am Hauptsitz 1.000 Mitarbeiter, weltweit waren rund 5.000 Menschen beim Unternehmen angestellt. Das Insolvenzverfahren betrifft allerdings lediglich die deutsche Gesellschaft mit den Standorten Bad Urach, Gera (Thüringen) und Pirna (Sachsen).
Seit der Insolvenzanmeldung hat sich die Lage der Branche alles andere als verbessert. Bereits Ende Juli war die Produktion im Werk Gera in Thüringen eingestellt worden, und erst vor wenigen Tagen, Ende August 2025, gingen die Lichter ganz aus, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Das Büro von Insolvenzverwalter Holger Leichtle hatte im Mai 2024 noch erklärt, dass es keine Schließungsabsichten für den Eissmann-Hauptsitz Bad Urach gebe. Auswirkungen hat die Krise auf die dortige Belegschaft aber dennoch.
Eissmann-Gruppe: Standort in Thüringen geschlossen, Prozess für Hauptsitz dauert an
Die baden-württembergische Eissmann-Gruppe hatte im Jahr 2013 den 1991 in Gera gegründeten Autozulieferer Dagro aus der Insolvenz übernommen. Dass der Standort nun geschlossen wurde, wodurch rund 220 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren, wurde mit einer nicht erfolgreichen Investorensuche begründet. Für den Stammsitz in Bad Urach dauert dieser Prozess dagegen auch eineinhalb Jahre nach der Insolvenzanmeldung weiterhin an. Wie der Reutlinger Generalanzeiger (GEA) berichtet, sind im Zuge dieses Prozesses aber weitere Einschnitte notwendig.
Name
Eissmann Automotive Deutschland GmbH
Gründung
1964
Hauptsitz
Bad Urach, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer
Mitarbeiter
5.000 weltweit, 1.000 in Deutschland
Umsatz
454 Millionen Euro
Im Zuge des Insolvenzverfahrens haben bereits viele Mitarbeiter den 1964 gegründeten Autozulieferer entlassen, darunter auch Claus Rudolf, der CEO der gesamten Eissmann-Gruppe, der das Unternehmen zum 30. Juni 2025 freiwillig verlassen hat. Auf GEA-Nachfrage erklärte das Büro von Rechtsanwalt Leichtle nun, dass auf Ende November weitere 43 Mitarbeiter in Bad Urach die Kündigung erhalten haben. Ein Interessensausgleich und ein Sozialplan sollen die Auswirkungen auf die betroffenen Angestellten abfedern. Wie viele Mitarbeiter noch am Stammsitz des Unternehmens tätig sind, ist nicht bekannt.
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Eissmann-Standorte Bad Urach und Pirna: Betrieb wird stabil weitergeführt
Während das Werk im thüringischen Gera aufgrund eines fehlenden Investors keine Zukunft mehr hat, gehen die Gespräche für den Hauptsitz Bad Urach und den Standort im sächsischen Pirna weiter. Im Zuge der Gespräche über hohe Fixkosten mit einem potenziellen Investor für den Stammsitz seien eben auch die Kündigungen notwendig, heißt es in dem Bericht. Der Betrieb an den verbliebenen deutschen Standorten der Eissmann-Gruppe werde aber stabil weitergeführt, erklärte das Büro von Holger Leichtle.