Insolvenz seit Februar 2024

Deutscher Autozulieferer in Krise – Kündigungen treffen nun auch Mitarbeiter am Hauptsitz

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Autozulieferer Eissmann durchlebt seit 18 Monaten eine Insolvenz. Nach dem Ende eines Standorts trifft die Krise mittlerweile auch die Angestellten in der Zentrale.

Bad Urach – Die Krise der Automobilindustrie dauert nun bereits seit vielen Monaten an und hatte Ende Februar 2024 auch den Automobilzulieferer Eissmann und seine deutschen Tochterunternehmen erwischt, die Insolvenz anmelden mussten. Eissmann Automotive mit Sitz in Bad Urach (Kreis Reutlingen, Baden-Württemberg) beschäftigte zu diesem Zeitpunkt allein am Hauptsitz 1.000 Mitarbeiter, weltweit waren rund 5.000 Menschen beim Unternehmen angestellt. Das Insolvenzverfahren betrifft allerdings lediglich die deutsche Gesellschaft mit den Standorten Bad Urach, Gera (Thüringen) und Pirna (Sachsen).

Der Autozulieferer Eissmann Automotive hatt mit seinen deutschen Gesellschaften im Frühjahr 2024 Insolvenz angemeldet (Archivbild).

Seit der Insolvenzanmeldung hat sich die Lage der Branche alles andere als verbessert. Bereits Ende Juli war die Produktion im Werk Gera in Thüringen eingestellt worden, und erst vor wenigen Tagen, Ende August 2025, gingen die Lichter ganz aus, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Das Büro von Insolvenzverwalter Holger Leichtle hatte im Mai 2024 noch erklärt, dass es keine Schließungsabsichten für den Eissmann-Hauptsitz Bad Urach gebe. Auswirkungen hat die Krise auf die dortige Belegschaft aber dennoch.

Eissmann-Gruppe: Standort in Thüringen geschlossen, Prozess für Hauptsitz dauert an

Die baden-württembergische Eissmann-Gruppe hatte im Jahr 2013 den 1991 in Gera gegründeten Autozulieferer Dagro aus der Insolvenz übernommen. Dass der Standort nun geschlossen wurde, wodurch rund 220 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren, wurde mit einer nicht erfolgreichen Investorensuche begründet. Für den Stammsitz in Bad Urach dauert dieser Prozess dagegen auch eineinhalb Jahre nach der Insolvenzanmeldung weiterhin an. Wie der Reutlinger Generalanzeiger (GEA) berichtet, sind im Zuge dieses Prozesses aber weitere Einschnitte notwendig.

Name Eissmann Automotive Deutschland GmbH
Gründung 1964
Hauptsitz Bad Urach, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Mitarbeiter 5.000 weltweit, 1.000 in Deutschland
Umsatz 454 Millionen Euro

Im Zuge des Insolvenzverfahrens haben bereits viele Mitarbeiter den 1964 gegründeten Autozulieferer entlassen, darunter auch Claus Rudolf, der CEO der gesamten Eissmann-Gruppe, der das Unternehmen zum 30. Juni 2025 freiwillig verlassen hat. Auf GEA-Nachfrage erklärte das Büro von Rechtsanwalt Leichtle nun, dass auf Ende November weitere 43 Mitarbeiter in Bad Urach die Kündigung erhalten haben. Ein Interessensausgleich und ein Sozialplan sollen die Auswirkungen auf die betroffenen Angestellten abfedern. Wie viele Mitarbeiter noch am Stammsitz des Unternehmens tätig sind, ist nicht bekannt.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Eissmann-Standorte Bad Urach und Pirna: Betrieb wird stabil weitergeführt

Während das Werk im thüringischen Gera aufgrund eines fehlenden Investors keine Zukunft mehr hat, gehen die Gespräche für den Hauptsitz Bad Urach und den Standort im sächsischen Pirna weiter. Im Zuge der Gespräche über hohe Fixkosten mit einem potenziellen Investor für den Stammsitz seien eben auch die Kündigungen notwendig, heißt es in dem Bericht. Der Betrieb an den verbliebenen deutschen Standorten der Eissmann-Gruppe werde aber stabil weitergeführt, erklärte das Büro von Holger Leichtle.

Erst vor wenigen Tagen rutschte ein weiterer bedeutender Autozulieferer aus Baden-Württemberg in die Insolvenz.

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow/dpa

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