Nicht mal zwei Jahre nach Gründung

Deutscher Reiseveranstalter stellt Betrieb ein und kündigt allen Mitarbeitern

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Nach der Insolvenz Ende 2024 steht der Reiseveranstalter WE-Flytour vor dem Aus. Allen Mitarbeitern wurde gekündigt, aber was bedeutet das für die Kunden?

Heilbronn - Ende 2024 hatte der Reiseveranstalter WE-Flytour Insolvenz angemeldet, von der rund 1.500 Fluggäste unmittelbar betroffen waren. Als Grund für die finanzielle Schieflage gab das erst im September 2023 gegründete Unternehmen mit Sitz in Heilbronn (Baden-Württemberg) Probleme mit Kreditkartenanbietern an. Wie aus einer aktuellen Pressemitteilung der Anwaltskanzlei PLUTA hervorgeht, war die Suche nach Investoren bislang ohne Erfolg und das Unternehmen hat Ende Januar 2025 den operativen Betrieb eingestellt. Damit verloren auch alle verbleibenden Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Nach der Corona-Pandemie, in der lange Reisen nahezu ausgeschlossen waren, ist das Geschäft für die Branche wieder stark angestiegen. Auch WE-Flytour hatte große Pläne und investierte massiv in Werbung. „In fünf Jahren will ich schon unter den Top 10 Reiseveranstaltern sein“, erklärte Gründer Aydin Ata im November 2023 selbstbewusst. Nur ein Jahr später musste sein Unternehmen aber Insolvenz anmelden und steht nun möglicherweise vor dem Aus. Mitte Januar hatte auch der Reiseveranstalter Travel Europe Insolvenz angemeldet.

WE-Flytour stellt Betrieb ein - Gläubiger und Kunden haben gewisse Möglichkeiten

Wie es in der Mitteilung von PLUTA heißt, wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der WE-Flytour GmbH, nach dem bisherigen vorläufigen Verfahren, am 1. Februar offiziell vom Amtsgericht Heilbronn eröffnet. Da alle Reisen im Zuge der Insolvenz abgesagt werden mussten und trotz der Bemühungen von Insolvenzverwalterin und Rechtsanwältin Heike Metzger kein Investor bereit war, diese Reise zu übernehmen, stellte WE-Flytour den Betrieb Ende Januar ein. „Allen Mitarbeitern musste daher gekündigt werden“, heißt es in der Mitteilung. „Das Unternehmen beschäftigte zuletzt 19 Mitarbeiter.“

Der Reiseveranstalter WE-Flytour hat nach der Insolvenzanmeldung den Betrieb eingestellt.

Allerdings dürfte wie bereits erwähnt eine deutlich höhere Zahl an Kunden und Gläubigern betroffen sein. Die Gläubiger sollen nach Angaben von PLUTA im Laufe der Woche angeschrieben werden und erhalten die Möglichkeit, ihre Forderungen online oder per Post zur Insolvenztabelle anzumelden. Kunden, die einen sogenannten Reisesicherungsschein des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) erhalten haben, sollen sich dagegen direkt an diesen wenden. Ansprüche, die nicht dieser Absicherung unterliegen, können laut der Mitteilung ebenfalls in die Insolvenztabelle eingetragen werden.

Hoffnung auf zweite Chance ist bei jungem Reiseunternehmen noch nicht ganz erloschen

Obwohl es durch die Einstellung des operativen Betriebs und der erfolglosen Investorensuche aktuell für das junge Unternehmen düster aussieht, gibt Insolvenzverwalterin Metzger die Mühen nicht vollständig auf. „Wir haben zahlreiche Gespräche geführt, aber kein Investor wollte den laufenden Reisebetrieb übernehmen“, erklärt sie. „Ich verhandle allerdings noch über die Assets der Firma.“ Auch die Gründerfamilie unternimmt der Mitteilung zufolge weiterhin alle Anstrengungen, um das Unternehmen doch noch aus der Insolvenz herauszuführen. Zuletzt war auch erneut ein deutscher Autozulieferer von der Insolvenzwelle betroffen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Bihlmayer

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