Studie

Wo man in Deutschland besonders günstig oder teuer lebt - Teuerste Stadt liegt 80 Prozent über Durchschnitt

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Ein Wohngebäude in Berlin: Das Institut der deutschen Wirtschaft untersuchte, welche Städte in Deutschland am günstigsten und am teuersten sind (Symbolbild).
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Eine aktuelle Studie zeigt, wo das Leben in Deutschland besonders günstig ist und wo besonders teuer. Die Unterschiede sind riesig – München etwa liegt beim Wohnen 80 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Köln – München ist teuer und das Leben auf dem Land günstiger als in Großstädten: So viel war wohl schon vor der aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bekannt. Für die Untersuchung arbeitete das IW aber erstmals mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) zusammen und kam damit zu genauen Ergebnissen für alle 400 Kreise und Städte in Deutschland. Der regionale Preisindex für Deutschland verrät, wo das Wohnen besonders günstig ist und wo besonders teuer. Die Studienautoren liefern auch gleich Lösungsvorschläge für die riesigen regionalen Unterschiede mit.

Regionaler Preisindex für Deutschland: Stadt München am teuersten, am günstigsten im Vogtlandkreis

Der Preisindex des IW vergleicht Wohn- und Lebenshaltungskosten wie Miete, Strom, Gas und Lebensmittel und zieht dafür auch den Warenkorb des Statistischen Bundesamtes sowie Daten aus dem Internet heran. Am teuersten ist das Leben demnach in München (Indexwert: 125), im Landkreis München (117), in Frankfurt (116) und Stuttgart (115), am günstigsten ist es im sächsischen Vogtlandkreis (Indexwert: 90), im thüringischen Greiz (90,5) sowie in Görlitz (90,6). Die erschwinglichste Region im Westen ist Pirmasens in Rheinland-Pfalz (90,7).

In über 274 Kreisen und kreisfreien Städten liegen die Lebenshaltungskosten unter dem Bundesdurchschnitt, so die Studienautoren. Dort lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland (55 Prozent). Einen regionalen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland fand die IW-Erhebung auch: Im Schnitt sei es im Osten um 4,3 Prozentpunkte günstiger. Entsprechend schmilzt der Abstand der höheren Nominaleinkommen im Westen, die realen Einkommen zwischen Ost und West rücken näher zusammen. Genau im Bundesdurchschnitt liegt die Stadt Braunschweig sowie der Landkreis Neumarkt mit einem Indexwert von je 100.

Wo das Leben besonders teuer ist: Wohnkosten spielen entscheidende Rolle

Den größten Einfluss auf die gesamten Lebenshaltungskosten haben die Wohnkosten, wie die IW-Studie anschaulich verdeutlichte. Zudem zeigte sich eine enorm große Schwankungsbreite innerhalb der Bundesrepublik: So kam Vogtlandkreis in Sachsen, der beim Wohnen günstigste Landkreis, auf einen Indexwert von 68. Die Wohnkosten dort lagen damit 32 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Am höchsten war der Indexwert beim Wohnen mit 180,9 in der Stadt München. „Dies bedeutet, dass die Wohnkosten dort über 80 Prozent höher sind als im Bundesdurchschnitt“, so die Studienautoren.

Ein Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, dass nicht nur die Stadt München, sondern die gesamte Metropolregion um die bayerische Landeshauptstadt besonders teuer ist. Das Münchener Umland – etwa die angrenzenden Landkreise München, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Dachau sowie der Landkreis Ebersberg – kommen auf überdurchschnittliche Indexwerte zwischen 110,1 und 116,7.

Das sind die günstigsten Orte Deutschlands: Drei davon liegen in Bayern

BundeslandGünstigste Städte & Kreise: Indexwerte zwischen 90,5 und 91,5
SachsenVogtlandkreis
SachsenGörlitz
SachsenErzgebirgskreis
SachsenZwickau
Sachsen-AnhaltSalzlandkreis
Sachsen-AnhaltAltmarkkreis Salzwedel
Sachsen-AnhaltBurgenlandkreis
Sachsen-AnhaltStendal
Sachsen-AnhaltHarz
ThüringenGreiz
ThüringenAltenburger Land
ThüringenGera
ThüringenUnstrut-Hainich-Kreis
ThüringenHildburghausen
BrandenburgSpree-Neiße
BrandenburgPrignitz
Rheinland-PfalzPirmasens
NiedersachsenLüchow-Dannenberg
NiedersachsenHolzminden
BayernWunsiedel im Fichtelgebirge
BayernTirschenreuth
BayernLandkreis Hof

Die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands zeigten sich auch bei den erschwinglichsten Orten: 16 der insgesamt 22 günstigsten Städte und Kreise in Deutschland liegen in Ostdeutschland. „Das Leben muss bezahlbar bleiben, egal wo in Deutschland“, sagte IW-Studienautor Christoph Schröder zu den Ergebnissen der Untersuchung. „Der Staat übernimmt für Bedürftige die Wohnkosten, das entlastet an der richtigen Stelle und führt zu einer starken Regionalisierung der Transferleistungen.“

Hilfreich sei auch das Wohngeld, weil es die regionalen Kostenunterschiede passgenau berücksichtigte, so Schröder. Allerdings müsse insbesondere die Regionalpolitik noch ihre Hausaufgaben machen, etwa indem sie durch bessere Infrastruktur die Nachfrage nach Wohnen ins Umland von Großstädten umleite. Auch Erleichterungen bei Bürokratie und Bauvorschriften könnten dazu führen, dass dort wo Wohnungen fehlen, mehr und billiger gebaut werde, so der Experte weiter.

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