Fachkräftemangel

Unattraktiv für Fachkräfte: Deutschland verliert beim Zuzug aus den Nachbarstaaten

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Durch die zentrale Lage in Europa hätte Deutschland eigentlich beste Voraussetzungen, um von der Mobilität junger Fachkräften innerhalb Europas zu profitieren. Tatsächlich schneidet die Bundesrepublik laut einer Studie im EU-weiten Wettbewerb schlecht ab.

München – Im Konkurrenzkampf um dringend benötigte Fachkräfte kann Deutschland gegenüber dem deutschsprachigen Ausland nicht mithalten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Berlin School of Business&Innovation (BSBI). „Deutschland schneidet im Wettbewerb um Fachkräfte und Talente im Vergleich zu seinen Nachbarn im DACH-Raum schlecht ab“, sagte Kyriakos Kouveliotis, Leiter der Wirtschaftsschule BSBI. Aufgrund des gemeinsamen Sprachraumes konkurriert die Bundesrepublik vor allem mit Österreich und mit dem EFTA-Land Schweiz.

Kampf gegen den Fachkräftemangel: Die meisten Zuwanderer aus DACH-Staaten sind beruflich aktiv

Von der Altersstruktur her stehen die meisten Zuwanderer aus Österreich und aus der Schweiz in der „Mitte des Lebens“ und sind somit in einem Alter, in dem sie beruflich aktiv sind. Dabei gelingt es insbesondere Österreich, jüngere Menschen anzusprechen.

Die deutsche Wirtschaft hat mit einem Mangel an Fachkräften zu kämpfen – im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland für diese jedoch unattraktiv. (Symbolfoto)

„Österreich hat in den vergangenen zehn Jahren dreimal so viele Zuwanderer aus Nachbarländern gehabt wie Deutschland – und aus einigen Ländern wandern sogar mehr Menschen aus Deutschland ab als zu“, sagte Kouveliotis. Dazu gehören beispielsweise die Franzosen, Dänen und die Niederländer. Ihre Zahl war im 2023 jeweils leicht rückläufig im Vergleich zu 2018.

Österreich und die Schweiz sind die beliebtesten Länder für deutsche Auswanderer

Innerhalb des deutschsprachigen Raums ist die grenzüberschreitende Mobilität besonders hoch. Die Schweiz ist das wichtigste Auswanderungsziel für Deutsche – 2023 lebten dort insgesamt 315.963 deutsche Staatsbürger. Auf Platz zwei folgte Österreich mit 225.012 Deutschen, was einem Anstieg von über 36 Prozent seit 2014 entspricht.

Österreich ist es außerdem gelungen, seit 2018 mehr Menschen aus Italien und aus osteuropäischen Ländern anzulocken wie beispielsweise Slowenien, Slowakei und Tschechien.

Weniger Bürokratie und langfristige Perspektiven sollen Fachkräfte locken – laut Experten

Auch für Österreicherinnen und Österreicher sind die deutschsprachigen Nachbarländer die bevorzugten Auswanderungsziele mit Deutschland als Nummer Eins. In Deutschland wurden 2023 insgesamt 163.672 Österreicher gezählt.

„Wir brauchen dringend eine ehrliche Willkommenskultur, weniger Bürokratie und langfristige Perspektiven für Menschen, die sich für ein Leben in Deutschland entscheiden. Nur so können wir auch für unsere Nachbarn in Europa Zukunftsheimat werden“, sagte Hochschulleiter Kouveliotis.

Polen stellt die größte Gruppe an Zuwanderern in Deutschland

In der Schweiz sind die Italiener mit 332.700 Personen die größte Gruppe aus den Nachbarländern, dicht gefolgt von den Deutschen (315.963). Für die Schweizer ist wiederum Deutschland mit 41.758 Personen das wichtigste europäische Zielland, gefolgt von Österreich mit 8.840. Auch bei den Polen steht Deutschland hoch im Kurs. Ihre Zahl stieg innerhalb von fünf Jahren von rund 758.000 auf nunmehr 784.000. Sie sind damit die größte Gruppe von Menschen, die aus der EU nach Deutschland einwandert.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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