VonBona Hyunschließen
Das Benko-Insolvenzverfahren verläuft offenbar chaotisch: Sanierer Grossnigg soll Erklärungen zum Finanzbedarf von 350 Millionen verschleiert haben.
Berlin – Neue Details über das Insolvenzverfahren der Signa Holding kommen ans Licht: Sanierer Erhard Grossnigg hatte kurz vor Weihnachten 2023 um 350 Millionen Euro gebeten, um die Signa Töchter Prime und Development zu retten. Allerdings hat er offenbar große Fragen, die den Finanzbedarf betreffen, unbeantwortet gelassen. Das berichtet business insider.
Benko-Insolvenzverfahren hinter den Kulissen: Viele Fragen ungeklärt
Auf Nachfrage konnte Grossnigg allerdings den potenziellen Geldgebern demnach weder erklären, wo das Geld konkret investiert, noch wie die Investitionen abgesichert werden sollten. Es handele sich nach eigenem Bekunden des Sanierers um den entscheidenden, womöglich letzten Befreiungsschlag für die Signa-Töchter.
Auf Nachfragen der Gesellschafter noch im Dezember, wofür der Sanierer das Geld den konkret brauche, habe Grossnigg mit einem Halbsatz geantwortet. Das berichteten laut Business Insider Teilnehmer des Gesprächs. Grossnigg gab demnach lediglich an, er brauche das Geld, um laufende Rechnungen zu begleichen. Der Gesamtbetrag reiche ohnehin nur für drei bis vier Monate, sagte der Sanierer laut Anwesenden.
Grossnigg will Benko-Imperium retten – Finanzbedarf von 350 Millionen Euro wurde offenbar nie erklärt
Ungeklärt sei auch geblieben, wie diese potenzielle Investition der Gesellschafter abgesichert werden würde. Einen entsprechenden rechtlichen Vermerk, wie bei Investitionen dieser Größe üblich, habe es laut Insidern nie gegeben. Auch der Datenraum von Signa sei zu dem Zeitpunkt fast entleert gewesen.
Grossnigg hatte versucht, die 350 Millionen Euro vorerst mithilfe von Genussrechten zusammenzukratzen. Das Geld sei für die beiden Gesellschaften Signa Prime und Signa Development vorgesehen. In einem Brief an Investoren der Signa-Gruppe, der dem Spiegel vorliegt, hatte der Sanierungsvorstand beider Signa-Töchter einen Tag vor Weihnachten im Jahr 2023 geschrieben, es gehe „um die Rettung der Vermögenswerte der beiden Immobiliengesellschaften.“ Die Signa habe „herausragende Immobilienprojekte realisiert“, hatte Grossnigg in dem zweiseitigen Schreiben geworben.
Signa braucht Geld: Benkos Sanierer Grossnigg kommt in Bedrängnis
Der Zeitdruck für Signa-Sanierungsvorstand Grossnigg, frisches Geld für den Fortbestand der Signa aufzutreiben, wächst. Der Sanierungsvorstand hatte nach dem gescheiterten Versuch im Dezember 2023 sich erneut an die Investoren gewandt. Laut mehreren Medienberichten reduzierte Grossnigg jedoch die benötigte Summe auf 150 Millionen Euro. Der Kapitalbedarf habe sich durch Immobilienverkäufe verringert, so die Kronen Zeitung zur Begründung der geringeren Summe. Laut einem Bericht des Standard sind dagegen weiterhin die 350 Millionen Euro im Spiel, das Geld solle aber sukzessive aufgestellt werden.
Bislang allerdings keiner der Gesellschafter Grossniggs Aufrufen gefolgt. Der Signa Prime Selection, der größten Immobilien-Tochter von René Benkos insolventer Signa Gruppe, droht zunächst kein finanzieller Notstand, sagt der Sanierungsverwalter Mitte Januar 2024. Grund zur Entwarnung dürfte das aber nicht sein.
Nächste Benko-Bombe: Investoren stellen nach Signa-Insolvenz Strafanzeige
Im Fall der Pleite des Immobilien- und Handelskonzerns ist es nun auch zu Strafanzeigen gekommen. Die Investoren der Signa haben nach der Milliardenpleite des Immobilienkonzerns eine Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eingebracht. Sie fordern Ermittlungen gegen das Imperium des abgetauchten österreichischen Immobilieninvestors Benko.
Eingereicht wurde die Klage Ende bereits Ende vergangener Woche von einer Wiener Anwaltskanzlei im Namen einer Gruppe heimischer und internationaler Investoren. Sie hatte der Signa langfristige Kredite zugesprochen, wie die Presse berichtet. Signa Development, eine der größten Firmen innerhalb des Signa-Geflechts, habe vor ihrem Insolvenzantrag am 29. Dezember „rechtswidrige Geschäfte“ getätigt, heißt es laut Financial Times in der Klage. (bohy)
Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

