- VonNicola de Paolischließen
Donald Trump plant eine Steigerung der Gasausfuhr – China will Abgaben auf US-Güter. Erste Vorhersagen geben einen Ausblick auf die Preisentwicklung für Energie in Deutschland.
München – Donald Trump hat der Welt zu seinem Amtsantritt günstige Energie versprochen. Gleichzeitig hat der Handelskonflikt mit China die Weltmärkte in Aufruhr versetzt. Beide Faktoren werden in Zukunft Auswirkungen auf die Gas-, Öl- und Strompreise in Deutschland haben. Die geopolitische Lage verändert sich täglich, doch ein paar Trends lassen sich ablesen.
Günstiges Gas für Europa
Walter Boltz, Energieberater bei der Kanzlei Baker McKenzie, äußerte gegenüber dem Handelsblatt, dass die chinesischen Zölle auf US-Energie Europa zugutekommen könnten. Er erklärte: „Wenn US-Gas für China teurer wird, dürften die chinesischen Importe von dort sinken. Dadurch könnte amerikanisches Gas für den europäischen Markt günstiger werden.“ Auch Aura Sabadus, Expertin für den Gasmarkt beim Analysehaus Icis, betonte: „Chinesische Zölle auf Flüssigerdgas aus den USA würden eine Umleitung von Gaslieferungen nach Europa und damit niedrigere Preise bedeuten.“
Gleichzeitig wollen die USA ihre Kapazitäten zum Export von Flüssigerdgas (LNG) in den kommenden Monaten und Jahren mehr als verdoppeln. Laut dem Datendienst Bloomberg NEF sollen die LNG-Exporte der USA bis 2030 von etwa 93 Millionen Tonnen pro Jahr auf rund 200 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Bereits in diesem Jahr ist laut dem Analysehaus Montel eine Steigerung von rund 15 Prozent geplant. Große LNG-Projekte im texanischen Corpus Christi und in Plaquemines in Louisiana starten gerade den Betrieb. Allerdings erwarten Marktexperten nicht, dass durch die neuen Gasmengen aus den USA kurzfristig die Gaspreise an den Weltmärkten fallen.
Experten prognostizieren steigende Strompreise
Der Verbraucher kann aufgrund der Rechnungen in den vergangenen Jahren nur eines feststellen: Die Strompreisentwicklung richtet sich steil nach oben. Und auch nahezu alle Prognosen für 2025 oder für die kommenden zehn Jahre oder bis 20240 oder gar 2050 gehen von weiter steigenden Preisen aus. Auch die Energieerzeuger sehen es ähnlich. Laut dem Analysehaus Icis könnten die europäischen Strompreise um 25 Prozent steigen.
Der Strompreis für Privatkunden besteht aus mehreren Komponenten. Dazu gehören der Preis für den Erwerb und Verkauf des Stroms, die Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes und die staatlich verordneten Preisbestandteile wie Steuern sowie die EEG-Umlage. Prognosen zum Strompreis basieren auf einer Vielzahl von Faktoren, die sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite des Strommarktes beeinflussen. Die Energiepolitik von Donald Trump hat allenfalls indirekten Einfluss.
Der Ausbau der Ölförderung bleibt ungewiss
Am Ölmarkt sind die Zollstreitigkeiten weniger relevant. Hier zählen allein die Entscheidungen des Ölkartells Opec. Auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos hat Trump an die Opec und an Saudi-Arabien appelliert, mehr Öl zu fördern und so die Preise zu senken. Doch diese Forderung kann er selbst nicht durchsetzen. Auch die US-Ölkonzerne haben eher verhalten auf die Aufforderung reagiert, mehr Öl zu fördern.
Dennoch gibt die US-Wirtschaftspolitik beim Ölpreis einen wichtigen Impuls, zumindest indirekt. Seit der Amtseinführung von Trump hat sich der Dollar gegenüber dem Euro deutlich verteuert, der Euro hat hingegen an Wert verloren. Ein schwächerer Euro macht Importe teurer, die in Dollar abgerechnet werden. Dazu zählen nicht nur Waren aus den USA und Reisen. Weltweit werden Rohstoffe wie Öl und Gas in US-Dollar bezahlt und abgerechnet. In Deutschland könnte das Öl daher teurer werden.
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