VonPatrick Freiwahschließen
Früher waren Waffeninvestments für viele Investoren tabu. Doch der Ukraine-Krieg hat alles verändert. Ein deutsches Start-up verfolgt nun große Pläne.
Berlin/München – Während die deutsche Automobilbranche mit Schwierigkeiten kämpft, wächst ein anderer Sektor rasant: die Rüstungsbranche. Getrieben durch geopolitische Spannungen wie den Ukraine-Krieg investieren immer mehr Unternehmen und Geldgeber in Verteidigungstechnologien.
Eine der jüngsten Firmen in diesem Feld ist das hiesige Start-up STARK, das erst 2024 gegründet wurde und eine Kampfdrohne mit dem Namen Virtus (OWE-V) entwickelt hat. Die Drohne, die als „Loitering Munition“ oder umgangssprachlich als Kamikaze-Drohne bezeichnet wird, könnte künftig auch für Zwecke der Bundeswehr eingesetzt werden.
Virtus von STARK: Kampfdrohne für „moderne Gefechtsfelder“
Die Virtus-Drohne kann einen fünf Kilogramm schweren Sprengkopf bis zu 100 Kilometer weit transportieren und im Ziel detonieren lassen. Damit positioniert sich STARK in einer Liga mit etablierten Rüstungskonzernen und Konkurrenten wie Helsing, das mit der HX-2 bereits ein solches Waffensystem anbietet.
„Wir boxen damit in der schwersten Gewichtsklasse“, zitiert das Handelsblatt Johannes Schaback, den Technikchef von STARK. Das Unternehmen hat demnach eine 5000 Quadratmeter große Produktionsstätte im Großraum München aufgebaut und plant, die Stückzahlen massiv zu erhöhen. „Die Produktion in millionenfacher Stückzahl“ sei das Ziel, so Schaback.
Das Prinzip der Masse: Skalierung von Drohnen als neue Kriegslogik
Skalierung ist das industrielle Zauberwort der Branche, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kürzlich. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Drohnen einen Angriff fliegen, desto schwieriger wird die Abwehr – während für Drohnenhersteller eine solche Vorgehensweise gute Absatzaussichten bietet.
STARK-Konkurrent Helsing stellt bereits 1000 HX-2-Drohnen pro Monat her und plant mittelfristig eine Verzehnfachung der Produktion in Bayern. STARK will mit seiner Virtus-Drohne nachziehen und setzt ebenfalls auf Massenfertigung.
STARK: Ukraine-Krieg als Testfeld – Bundeswehr als Zielkunde
Dem Bericht zufolge wird die Virtus-Drohne bereits testweise in der Ukraine eingesetzt. Loitering Munitions spielen dort eine immer größere Rolle, da sie vergleichsweise günstig sind und präzise Ziele treffen können. Die Bundeswehr plant nun ebenfalls, solche Systeme anzuschaffen.
Kampfdrohne Virtus von STARK
Das Virtus-System ist eine Loitering-Munition-Drohne mit VTOL-Fähigkeit (Vertical Take-Off and Landing), die unabhängig von Startbahnen operieren kann. Die Drohne bietet laut Anbieter eine präzise Steuerungstechnik bei einer Reichweite bis zu 100 km. Das System wurde speziell für moderne Konfliktszenarien entwickelt und ermöglicht präzise Angriffe auf stationäre und mobile Ziele.
Ob Stark Defence den Zuschlag erhält, ist noch unklar – der Konkurrenzkampf mit dem ebenfalls deutschen Anbieter Helsing und weiteren Anbietern, u. a. aus Israel, läuft. Stark Defence bewirbt seine Drohne mit den folgenden Worten: „Virtus ist im Einsatz entstanden, für heutige Gefechtsfelder gebaut und bereit für die Herausforderungen von morgen.“
Stark Defence und Co.: Investoren springen auf den Rüstungszug auf
Noch vor wenigen Jahren hätten viele Investoren und Fonds eine Beteiligung an Waffenherstellern ausgeschlossen. Doch der Ukraine-Krieg hat die Haltung vieler Geldgeber verändert, denn Rüstung ist angesichts der globalen Entwicklung wieder salonfähig. Alleine in deutsche Verteidigungs-Start-ups verdoppelten sich die Investitionen im ersten Quartal 2024, bezieht sich das Handelsblatt auf den Datenanbieter Pitchbook.
Medienberichten zufolge ist auch der umstrittene Trump-Kumpane Peter Thiel, Mitgründer von PayPal und Chef des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, über seinen Risikokapitalgeber an Stark Defence beteiligt.
Wirtschaftlicher Aufschwung mit Kampfdrohnen für die Kriegsführung
Stark Defence steht exemplarisch für einen Trend: Rüstung wird auch in Deutschland wieder als Zukunftsbranche gesehen. Doch während Investoren und Politiker über strategische Autonomie sprechen, bleibt die Diskussion über den Einsatz autonomer Waffensysteme ein Thema, das auch außerhalb von Konferenzräumen geführt werden muss:
Der Innovationswettlauf um tödliche Waffen birgt nicht nur in Science-Fiction-Filmen, sondern auch real eine Gefahr für die Menschheit, wodurch eine Regulierung nach ethischen Grundsätzen sowie ein politisch vorgegebener Rahmen nötig sind. (PF)
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