VonLars-Eric Nievelsteinschließen
In Zukunft sollen E-Auto-Besitzer noch mehr Geld sparen. Ein Energieunternehmen hat dazu ein virtuelles Kraftwerk entworfen. Hier sind die Details.
Berlin – Der Umstieg vom Verbrenner auf Elektroautos ist einer der wichtigsten Hebel für die Regierung, um die Energiewende zu beschleunigen. Bis 2030 will die Bundesregierung mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw auf die Straßen bringen. Das Problem dabei: Aktuell schwächelt der Markt. Laut dem ADAC ging der Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen im Jahr 2024 um fünf Prozent zurück. Die Gründe: stark gestiegene Lebenshaltungskosten und politische Unsicherheit. Vonseiten der deutschen Energieunternehmen gibt es bereits Initiativen, um das Fahren von E-Autos attraktiver zu machen. Einer von ihnen ist Ostrom.
Mit der Batterie des E-Autos Geld verdienen – Ostrom will es möglich machen
Zum Jahresbeginn 2025 hat der Energieanbieter Ostrom ein virtuelles Kraftwerk für Elektrofahrzeuge auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter: Mit der Batterie des eigenen E-Autos Geld verdienen. Das Kraftwerk, „NeoGrid“ getauft, soll die Batterien von Elektrofahrzeugen virtuell vernetzen und die Ladevorgänge dann flexibel auf Basis der Netzsituation und der Strompreise steuern. Ganz grob gesagt, sollen Kunden, die ihr E-Auto über NeoGrid aufladen, per App festlegen können, wann der Ladestand welches Niveau erreichen soll – die App optimiert die Ladepläne dann automatisch je nach Netzsituation.
Auch Anbieter wie Octopus Energy und rabot.energy bieten flexible Tarife an, die im Grunde dafür sorgen sollen, dass E-Auto-Fahrer ihre Geräte möglichst billig aufladen. In der Praxis sieht das so aus: Anstatt dass der Ladevorgang gleich um 18 Uhr beginnt, wenn ein E-Autofahrer gerade von der Arbeit zurück ist, wollen die Anbieter das Laden auf die Nachtstunden verplanen.
Die Annahme dahinter: In der Nacht verbrauchen wesentlich weniger Menschen Strom, was grundsätzlich die Kosten senken soll. „Wenn man nichts an seinem Verhalten optimiert, dann kommt man um sechs Uhr abends nach Hause und fängt an, das E-Auto zu laden. Das ist das Teuerste, was man machen kann, weil es im Schnitt die teuerste Stunde ist“, warnte Ostrom-Gründer Matthias Martensen im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.
Elektroauto wird über Nacht geladen – um Strom zu sparen
Stattdessen sollten Kunden schauen, wo die Preisspitzen liegen, und sich dann einen Zeitpunkt für das optimierte Laden aussuchen, der auf den günstigsten Stunden verortet ist. Martensen erklärt, wie Ostroms NeoGrid operiert: „Was der Kunde uns sagt, ist: ‚Ich brauche morgen mein Auto um sechs Uhr morgens, und ich brauche 80 Prozent Ladung‘. Den Rest übernehmen wir. Am nächsten Morgen kriegt er dann eine Push-Notification, die sagt ihm: ‚Weil wir noch besser optimiert haben und noch günstiger Strom einkaufen konnten, hast du hier nochmal X Euro verdient.‘ Da gibt es dann eine Gutschrift auf sein Wallet, so nennen wir das.“
Das virtuelle Kraftwerk optimiere den Ladevorgang live, von Sekunde zu Sekunde. Wenn etwa kurzfristig mehr grüner Strom produziert werde, könne der Strompreis noch günstiger werden als zuerst gedacht. Martensen spricht dabei von „erheblichen“ Kosteneinsparungen für Kunden.
Bis zu 300 Euro Zusatzverdienst pro Jahr – NeoGrid fürs Erste für bestimmte Kundengruppe gedacht
In Zukunft sollen Kunden bei Ostrom auch auf bidirektionales Laden zugreifen können. Sobald das möglich ist, soll der mögliche Erlös für Kunden „signifikant steigen“. „Aktuell schätzen wir, dass Kunden – je nachdem, wie viel sie fahren und laden – pro Jahr zwischen 150 und 300 Euro an Zusatzverdienst machen. Achtung: Diese Einsparung funktioniert bereits rein durch das Verschieben des Ladevorgangs. Wenn ich den Strom dann aber noch verkaufen kann, also wirklich in beide Richtungen, dann kann sich dieser Verdienst noch einmal verdoppeln“, sagte Martensen dazu.
Was dahintersteckt: Bidirektionales Laden würde bedeuten, dass E-Autos nicht nur einseitig mit Strom beladen werden können, sondern selbst als Stromquelle zur Verfügung stehen. Dafür müssten allerdings die Wallbox und das Fahrzeug diesen Vorgang gleichermaßen unterstützen. Laut der Verbraucherzentrale sind die technischen Voraussetzungen für das bidirektionale Laden zwar vorhanden, doch die Gesetzgebung steht noch im Wege. „Viele regulatorische Fragen“ seien noch offen, die „grundlegend“ geklärt werden müssten.
Es hätten sich bereits jetzt mehrere praktisch umsetzbare Modelle dazu herauskristallisiert. Die Verbraucherzentrale nannte hier V2H (Vehicle to Home) und V2G (Vehicle to Grid). Die Namen sind Programm: Bei V2H könnte das E-Auto zu Hause als Stromquelle dienen, bei V2G liefert es Strom direkt ins Stromnetz. Ein Expertengremium der Bundesregierung hatte im März 2024 verschiedene Handlungsempfehlungen zu der Thematik vorgelegt.
Zukunftspläne über Stromspeicher und Wärmepumpe – Ostrom geht von zusätzlichen Verdiensten aus
Dabei stellt sich die Frage: Wenn sich der Strommarkt wandelt, und immer mehr Menschen auf solche Angebote wie das von Ostrom eingehen, kann es dann passieren, dass die Nachfrage für die wichtigen Nachtstunden sich der am Morgen und am Abend angleicht? Hier sieht Martensen auf absehbare Zeit keine Risiken. „Das Risiko besteht vielleicht in 20 Jahren.“ Aktuell befinde sich Deutschland bei der Entwicklung noch zu sehr in den „Kinderschuhen“.
Für die nähere Zukunft will Ostrom außerdem Stromspeicher und Wärmepumpen in das Angebot virtuelles Kraftwerk aufnehmen. Pro angeschlossenem Gerät, soweit die Projektion, sollen Kunden 300 Euro zusätzlich verdienen können. Die Stromspeicher sollen in der zweiten Jahreshälfte 2025 an den Markt gehen, die Wärmepumpen erst ab 2026.
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