Vehicle-Motion-Hauptsitz

Einigung bewahrt wichtigen deutschen Bosch-Standort – mehr als 1.000 Stellen entfallen trotzdem

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Nach langen Verhandlungen haben Bosch und der Betriebsrat eine Einigung über die Zukunft des Standorts Schwäbisch Gmünd erzielt. Es gibt aber nicht nur gute Nachrichten.

Schwäbisch Gmünd – Ende 2024 hatte der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch erneut einen Stellenabbau angekündigt, der die Werke Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) und Hildesheim (Niedersachsen) besonders stark betreffen sollte. Im Zuge dieser Nachricht wurde befürchtet, dass die beiden Standorte sogar ganz geschlossen werden könnten, was Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch zu diesem Zeitpunkt nicht ausschloss, aber als „Ultima Ratio“ – also als letztes Mittel – bezeichnete. Zumindest für den Standort Schwäbisch Gmünd gibt es nun eine klare Zukunftsperspektive, auch wenn nicht alle Neuigkeiten erfreulich für die Belegschaft sind.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Während die Sorge vor der Schließung des Bosch-Standorts Hildesheim bleibt, haben sich der Konzern und der Betriebsrat in Schwäbisch Gmünd über ein Maßnahmenpaket geeinigt, das die langfristige Zukunft des Standorts sichern soll, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Dienstagabend (24. Juni) heißt. Das Leitwerk des Bosch-Geschäftsbereichs Vehicle Motion soll neu ausgerichtet und zukunftssicher aufgestellt werden, was aber offenbar nicht ganz ohne Verluste funktioniert.

Bosch Schwäbisch Gmünd: Standort soll mit 1.700 Mitarbeitern weitergeführt werden – 1.150 müssen gehen

Da der bereits angekündigte Stellenabbau am Bosch-Standort Schwäbisch Gmünd noch nicht abgeschlossen war, ehe der Konzern weitere Sparmaßnahmen ankündigte, befürchtete Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) bereits einen Kahlschlag. Das konnte durch die Einigung offenbar abgewendet werden. Der Mitteilung zufolge umfasst diese nämlich, dass der Standort mit 1.700 Mitarbeitern weitergeführt werden soll. Ursprünglich war geplant, dass die derzeitige Mitarbeiterzahl von rund 3.450 bis Ende 2026 auf 2.850 reduziert werden soll. Eine Reduzierung auf 1.700 Mitarbeiter bis 2030 bedeutet demnach, dass weitere 1.150 Stellen abgebaut werden.

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter417.900 (2024)
Umsatz90,5 Milliarden Euro (2024)

„Wir haben unter Einbeziehung der Einigungsstelle eine Perspektive für den Standort und die Beschäftigten geschaffen – jetzt herrscht Klarheit, wie es bis zum Jahr 2030 weitergeht“, wird Claudio Bellomo, der Vorsitzende des Betriebsrats in Schwäbisch Gmünd in der Mitteilung zitiert. „Leider geht damit auch ein Personalabbau einher.“ Erleichtert sei man auf der Arbeitnehmerseite aber darüber, dass die Ausbildung am Standort erhalten bleibt – was in der Vergangenheit ebenfalls auf der Kippe stand. Der Bereich für Pkw-Lenkungen verbleibt auch in Schwäbisch Gmünd.

Bosch will Produktion von Lenksystemen für Nutzfahrzeuge ins Ausland verlagern

Da Bosch bereits 2023 eine Einigung mit der IG Metall getroffen hat, die betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten bis Ende 2027 ausschließt, soll die Personalreduzierung in Schwäbisch Gmünd sozialverträglich erfolgen. Ein Grund dafür, dass am Standort in naher Zukunft deutlich weniger Menschen arbeiten werden, ist offenbar, dass eben nur die Pkw-Lenkungen in Schwäbisch Gmünd bleiben, während die Lenksysteme für Nutzfahrzeuge an Standorte im Ausland verlagert werden sollen. Der gesamte Geschäftsbereich Vehicle Motions hatte in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingefahren.

Eine Einigung soll die Zukunft des Bosch-Standorts Schwäbisch Gmünd sichern. Diese geht aber mit einem weiteren Stellenabbau einher.

Der Betriebsrat am Standort Schwäbisch Gmünd zeigt sich in der Mitteilung mit der Einigung zufrieden, betont aber, um jeden Arbeitsplatz gekämpft zu haben. „Zugleich dürfen wir aber auch nicht die Augen vor der Realität verschließen und müssen anerkennen, dass die wirtschaftliche Lage des Standorts sehr kritisch ist und auch andere Bosch-Standorte in Deutschland um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpfen“, sagte Bellomo. Derweil spitzt sich der Streit um die Zukunft des Bosch-Werks Hildesheim weiter zu.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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