„Vorstellung, dass Eis spottbillig sein sollte, ist unrealistisch“

Eis-Preise explodieren: Experten rechnen vor, warum die Kugel bis zu zwei Euro kostet

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Mittlerweile kostet eine Kugel Eis mancherorts schon zwei Euro. Doch woher kommt diese Preisexplosion? Eis-Experten erklären den Kostenschock an der Eistheke.

München – Langsam, aber sicher kehrt nun auch in Deutschland der Frühling ein. Die Temperaturen steigen und auch die Sonne lässt sich immer öfter blicken. Da wird besonders ein Ziel wieder beliebter: die Eisdiele. Doch in diesem Jahr ist hier bei vielen der Schock vorprogrammiert. Denn die Preise sind enorm gestiegen. Die Kugel kostet inzwischen schon bis zu zwei Euro.

Preisexplosion: Eis war früher „zu billig“

Mitte der 1980er Jahre kostete eine Kugel Eis in Westdeutschland vielerorts noch 30 Pfennig. „Damals war Eis zu billig, die können kein großes Geschäft gemacht haben“, sagt Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes, rückblickend. Der Verband ist auch für selbst gemachtes Eis zuständig. Die Preise heute würden dagegen knallhart durchkalkuliert, erklärt Konditormeister Schenk.

Im Gegensatz zum Tiefkühlfach im Supermarkt spielen bei der Köstlichkeit aus der Eisdiele frische Produkte, möglichst bio, eine größere Rolle. „Die Qualität ist stark gestiegen“, berichtet Gerhard Schenk. Und gute Zutaten kosten Geld.

Die Preise für Eis sind enorm gestiegen.

Kostenexplosion in der Eisdiele: Milch, Zucker & Co. treiben den Preis

Die Kugel aus der Eisdiele bestehe bis zu 70 Prozent aus Milch und zu knapp zehn Prozent aus Sahne, die wiederum aus Milch hergestellt sei, erklärt Uniteis, die Vereinigung der italienischen Eismacher in Deutschland. „Kostet Milch noch wie vor drei Jahren?“, fragt Uniteis-Sprecherin Annalisa Carnio. Infolge des Kriegs in der Ukraine stiegen 2022 die Milchpreise. Aber auch andere Zutaten sind teurer geworden. Die Preissteigerungen rechnet Aldo Zanardo vom Eiscafe Michielin in Frankfurt am Main gegenüber Bild.de vor. Hier ein Überblick:

  • Plastikfreie Löffel: + 600 Prozent
  • Zucker: + 200 Prozent
  • Milch: + 40 Prozent
  • Waffeln: + 30 Prozent
  • Sahne: + 50 Prozent

Eis-Preisexplosion: Mieten, Mindestlohn und steigende Stromkosten

Außerdem hat sich die Arbeit in den Eisdielen im Laufe der Zeit verändert. Früher hätte die ganze Familie unentgeltlich mitgearbeitet, sagt Annalisa Carnio. Heute gebe es nicht nur durch Mindestlohn und Manteltarifvertrag höhere Kosten. Die Mieten für die Geschäfte seien gestiegen und jüngst etwa die Stromkosten. „Die Vorstellung, dass Eis so spottbillig sein sollte, ist einfach unrealistisch“, erklärt deshalb die Sprecherin von Uniteis. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa/Symbolbild

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