VonPia Seitlerschließen
Auf einem Zettel äußert ein Mann seine Wut über neue Parkplätze für E-Autos. Die braucht es, um die Verkehrswende voranzutreiben. Eine Expertin hat eine Idee.
15 Millionen E-Autos sollen bis 2030 auf Deutschlands Straßen fahren. E-Autos gelten als wesentlicher Baustein, um die Klimaziele in Deutschland zu erreichen. Sie sollen den Verkehr klimafreundlicher machen, denn er ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen.
Damit die Fahrerinnen und Fahrer dieser E-Autos an möglichst vielen Stellen in Deutschland komfortabel Strom tanken können, bauen Städte, Gemeinden und Landkreise die dafür nötige Ladeinfrastruktur aus. Dafür installieren sie Ladesäulen an Parkplätzen, die zuvor allen zur Verfügung standen – zum Ärger von denjenigen, die kein E-Auto fahren.
„Hier leben arme Menschen ohne E-Autos! Lasst uns unsere Parkplätze! Reiche wohnen gegenüber, da könnt ihr es machen“, steht auf einem Zettel. Er klebt auf einem Baustellenschild, das vermutlich auf eine solche Umbauaktion hinweist. Es ist „nur“ die Meinung eines offenbar wütenden Bewohners des Hauses in der Nähe der neuen E-Auto-Parkplätze und zeigt dabei doch ein größeres Problem.
Umfrage zeigt: Hohe Preise bei E-Autos schrecken ab
2024 kommt bei einem Autokauf nur für 17 Prozent der Deutschen ein Elektroauto infrage. In schwächeren sozialen Schichten sind es lediglich acht Prozent. Das zeigt der Mobilitätsmonitor des Allensbach-Instituts im Auftrag der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Vorbehalte bei Reichweite, Ladeinfrastruktur und Umweltbilanz und vor allem die hohen Kosten halten die Menschen vom Kauf ab.
„Beim Kauf eines E-Autos in Deutschland sind die hohen Preise immer noch die größte Hürde“, schreibt auch Stefan Heimlich, Vorsitzender des Verkehrsclubs ACE in einer Mitteilung Anfang Oktober. Die beschlossenen Strafzölle auf chinesische E-Autos werden zudem die Preise für Konsumentinnen und Konsumenten künstlich in die Höhe treiben, warnt er.
Zwei Lösungsvorschläge für Streit um Ladeparkplätze für E-Autos
Der wütende Bewohner trifft mit seiner Botschaft also auf einen wunden Punkt in der Elektromobilitätsdebatte. Zu wenige können und wollen sich ein E-Auto leisten. Für diejenigen, die trotz des Preises über einen Kauf nachdenken, ist eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur wichtig. Wie lässt sich das umsetzen, ohne die Menschen, die sich aus finanziellen Gründen kein E-Auto leisten, zu benachteiligen?
Eine Idee hat das Team von Agora Verkehrswende, ein Thinktank für klimaneutrale Mobilität. „Wir empfehlen, Ladesäulen vorrangig auf privaten, aber öffentlich-zugänglichen Orten, zum Beispiel an Supermarktplätzen einzurichten. Hier gibt es in den meisten Kommunen noch sehr viel Potenzial und es entstehen keine Nutzungskonflikte“, sagt Janna Aljets BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sie ist Projektleiterin im Bereich Städtische Mobilität.
Darüber hinaus werden an einigen Stellen Ladesäulen auf Straßenparkplätzen notwendig sein, um den Ausbau der Elektromobilität langfristig zu fördern, sagt Aljets. Sie hat dennoch einen Vorschlag, um die Situation zu verbessern: Der wirksamste Weg, um die Parksituation in Wohngebieten zu entspannen, sei die Einführung des Bewohnerparkens. Dadurch würde die Parknachfrage von außerhalb, etwa durch Pendlerinnen und Pendler, zurückgehen. „Das hat eine viel größere Wirkung auf die Parkplatzverfügbarkeit als die Installation einiger Ladepunkte“, erklärt Aljets.
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