Unangenehmer Trend

Elektroautos für mehr Nachhaltigkeit? Entwicklung lässt Zweifel aufkommen

  • schließen

Das größte Argument pro Elektroauto ist die Umweltverträglichkeit. Studien verdeutlichen jedoch, dass es bei der Entwicklung von E-Modellen ein großes Problem gibt.

München - Die Debatte um die Umweltverträglichkeit von Elektroautos ist vielschichtig. Optimisten stützen sich auf die Schadstoffreduktionen gegenüber Autos mit Verbrennermotor, Kritiker bemängeln die Probleme hinsichtlich Ressourcenverschwendung und mangelndem Ökostrom.

Was am „grünen“ Image der Stromer ebenfalls kratzt, verdeutlicht eine Studie des Center of Automotive Management: der gravierendere Zuwachs in Sachen Fahrzeuggewicht und die unmittelbaren Folgen. Wie die taz mit Bezug auf das Forschungsunternehmen aus Bergisch Gladbach schildert, seien bei den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland im ersten Quartal 2023 etwa 43 Prozent aller E-Autos der Kategorie SUV zuzuordnen.

Elektroautos immer größer und schwerer - manche SUV wiegen 2,8 Tonnen

Wie beliebt diese Fahrzeuggattung ist, zeigte auch das Beratungsunternehmen Inovev: Im vergangenen Jahr ließen sich von den 20 meistverkauften Elektroautos (BEV) in Europa acht der Kategorie SUV zuordnen. Die in Europa fahrenden Autos werden also immer größer und schwerer, was mitunter am elektrischen Antriebsstrang liegt. Gegenüber dem Jahr 2000 seien die in Europa produzierten Modelle Im Schnitt sieben Zentimeter höher, zehn Zentimeter breiter und 20 Zentimeter länger. Was das Fahrzeuggewicht betrifft, sei der Wert rund 20 Prozent angewachsen.

Die Frage, ob SUV ist oder nicht, ist letztlich zweitrangig: Vielmehr kommt es auf das eigentliche Gewicht an. Denn so manches E-Modell ist schwerer, als ein größerer “Geländewagen” mit Verbrennermotor. Wie eine Studie von AutoScout24 verdeutlicht, seien Autos in Deutschland mit Benzin- oder Dieselmotor in der Regel 1,4 Tonnen schwer, während E-Autos im Mittel rund 1,9 Tonnen auf die Waage bringen. Kein Wunder: Richtige Schwergewichte - dazu gehören SUV-Stromer von Premiummarken wie BMW, Mercedes oder auch Volvo - bringen teilweise 2,8 Tonnen auf die Waage.

Elektroauto-Produktion: VW fertigt in Zwickau die Modelle ID.3 (vorne) und ID.4 (dahinter, Symbolbild).

Zum einen ermöglichen schwere Fahrzeuge höhere Reichweiten, weil sich darin größere Batterien verbauen lassen. Dazu kommt, dass sich SUV ohnehin einer nach wie vor ungebrochen hohen Nachfrage erfreuen. Das vergleichsweise hohe Gewicht von Elektroautos erzeugt jedoch Probleme, die mit Nachhaltigkeit wenig zu tun haben:

Schwere E-Autos strapazieren Stromverbrauch und Infrastruktur

Hoher Stromverbrauch: Der Gewichtszuwachs wirkt sich bei Elektroautos (wie auch „normalen Autos“) unweigerlich auf den Verbrauch aus. Laut ADAC liege der Durchschnitt der hierzulande verfügbaren Fahrzeuge bei etwa 21 Kilowattstunden über 100 Kilometer. Zwar gibt es keine offiziellen Vergleichszahlen vergangener Jahre, jedoch lässt der Verkehrsclub wenig Zweifel an der Entwicklung: „Vor einigen Jahren war die Mehrzahl der am Markt erhältlichen E-Autos im Klein- und Kompaktwagenbereich angesiedelt (Beispiele: BMW i3, Renault Zoe, VW e-Up, d. Red.), inzwischen sind vermehrt größere und schwerere E-Autos auf den Markt gekommen.“

Auswirkungen auf Statik und Infrastruktur: Der Umstand, dass größere und schwerere Akkus eine bessere Reichweite versprechen, stellt eine riesige Herausforderung für Städte und Kommunen dar. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das Parken auf Gehwegen nur für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis 2,8 Tonnen gestattet. Je mehr von den schweren E-Autos unterwegs sind, desto mehr wird zwangsläufig die Infrastruktur der Verkehrswege strapaziert. Ein weiterer Punkt ist in diesem Zusammenhang die Statik speziell von älteren Parkhäusern, wenn die Anzahl an schweren Modellen immer größer wird. In Großbritannien wurde vor diesem Problem gewarnt und auch in Deutschland sind E-Autos in Parkhäusern ein bereits erkanntes Thema.

Bis zu 2.200 Kilo Anhängelast: E-Autos, die ordentlich was schleppen können

Ein Volvo C40 Recharge Pure Electric.
Platz 10 – Volvo C40 Recharge Pure Electric: Zugegeben der Name ist etwas sperrig. Doch als Lastenesel taugt auch der Elektro-SUV der Schweden allemal. 100 Kilogramm Stützlast und eine maximale Anhängerlast von 1800 Kilogramm befördern den Volvo C40 Recharge Pure Electric in die Top 10. © Volvo
Ein Fisker Ocean.
Platz 9 – Fisker Ocean: Wie viele Hersteller von Elektroautos ist auch Fisker noch eine junge Marke. Mit dem Ocean will man Tesla die Kunden abjagen. Dabei könnte auch helfen, dass der Elektro-SUV ein richtiges Zugtier ist. Die maximale Anhängerlast liegt bei satten 1815 Kilogramm. Allerdings kostet die Anhängerkupplung 1780 Euro extra. © Fisker Inc.
Genesis GV70 Electrified.
Platz 8 – Genesis GV70 Electrified: Auch dieser SUV beweist, dass Elektroautos in der Lage sind, schwere Anhänger zu ziehen. Mit 180 Kilogramm Stützlast ist der Genesis GV70 ganz weit vorne. Die maximale Anhängerlast beträgt 1.800 Kilogramm. © Richard Parsons/Genesis
Ein BMW i7.
Platz 7 – BMW i7: Wer Luxus pur möchte, der ist beim 7er-BMW genau richtig. Seit der neuen Generation gibts es die Limousine auch rein elektrisch und die lässt sich im Zweifel auch vor einen Anhänger spannen. Die maximale Anhängelast liegt bei 2000 Kilogram, die maximale Stützlast bei 80 Kilogramm. Für die Anhängerkupplung werden jedoch 1350 Euro Aufpreis fällig. © Fabian Kirchbauer/BMW
Nio EL7
Platz 6 – Nio EL7: Auch die Chinesen machen keine halben Sachen. Die Anhängerkupplung ist beispielsweise bereits serienmäßig dabei. Die maximale Anhängerlast des EL7: 2000 Kilogramm. © Nio
Nio ET7
Platz 5 – Nio ET7: Wie der EL7 kann auch die Elektro-Limousine bis zu 2000 Kilogramm ziehen. Und auch die Anhängerkupplung gibt es ohne Zuzahlung. © Nio
Polestar 3
Platz 4 – Polestar 3: Die Volvo-Tochter baut ihre Modellpalette immer weiter aus. Natürlich darf da auch ein sportlicher Elektro-SUV nicht fehlen. Mit einer maximalen Anhängerlast von 2200 Kilogramm und 100 Kilogramm Stützlast ist der Polestar 3 fast ein Allround-Talent. Die 1.400 Euro für die Anhängerkupplung schmerzen allerdings doch etwas. © Stefan Isaksson/Polestar
Volvo EX90
Platz 3 – Volvo EX90: Auf dem Podium folgt ein weiterer Elektro-Schwede. Die maximale Anhängerlast des EX90 liegt bei 2200 Kilogramm, die Stützlast bei 100 Kilogramm. Für die optionale Anhängerkupplung verlangt Volvo zusätzliche 1190 Euro. © Volvo
BMW iX
Platz 1 – BMW iX: Die maximal 2.500 Kilogramm Anhängerlast des Bayers sind unangefochtene Spitze. Bei der Stützlast spielt der iX mit 100 Kilogramm ebenfalls ganz vorne mit. Über das Design lässt sich – typisch BMW – jedoch streiten. © Uwe Fischer/BMW

Ein nachhaltiger Lösungsansatz für die Autoindustrie wäre demnach die Reduzierung des Gewichts künftiger E-Modelle. Dabei fällt auch der Entwicklung von effizienterer Akku-Technologie eine entscheidende Rolle zu. (PF)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Kirchner-Media

Kommentare