VonPatrick Freiwahschließen
Das größte Argument pro Elektroauto ist die Umweltverträglichkeit. Studien verdeutlichen jedoch, dass es bei der Entwicklung von E-Modellen ein großes Problem gibt.
München - Die Debatte um die Umweltverträglichkeit von Elektroautos ist vielschichtig. Optimisten stützen sich auf die Schadstoffreduktionen gegenüber Autos mit Verbrennermotor, Kritiker bemängeln die Probleme hinsichtlich Ressourcenverschwendung und mangelndem Ökostrom.
Was am „grünen“ Image der Stromer ebenfalls kratzt, verdeutlicht eine Studie des Center of Automotive Management: der gravierendere Zuwachs in Sachen Fahrzeuggewicht und die unmittelbaren Folgen. Wie die taz mit Bezug auf das Forschungsunternehmen aus Bergisch Gladbach schildert, seien bei den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland im ersten Quartal 2023 etwa 43 Prozent aller E-Autos der Kategorie SUV zuzuordnen.
Elektroautos immer größer und schwerer - manche SUV wiegen 2,8 Tonnen
Wie beliebt diese Fahrzeuggattung ist, zeigte auch das Beratungsunternehmen Inovev: Im vergangenen Jahr ließen sich von den 20 meistverkauften Elektroautos (BEV) in Europa acht der Kategorie SUV zuordnen. Die in Europa fahrenden Autos werden also immer größer und schwerer, was mitunter am elektrischen Antriebsstrang liegt. Gegenüber dem Jahr 2000 seien die in Europa produzierten Modelle Im Schnitt sieben Zentimeter höher, zehn Zentimeter breiter und 20 Zentimeter länger. Was das Fahrzeuggewicht betrifft, sei der Wert rund 20 Prozent angewachsen.
Die Frage, ob SUV ist oder nicht, ist letztlich zweitrangig: Vielmehr kommt es auf das eigentliche Gewicht an. Denn so manches E-Modell ist schwerer, als ein größerer “Geländewagen” mit Verbrennermotor. Wie eine Studie von AutoScout24 verdeutlicht, seien Autos in Deutschland mit Benzin- oder Dieselmotor in der Regel 1,4 Tonnen schwer, während E-Autos im Mittel rund 1,9 Tonnen auf die Waage bringen. Kein Wunder: Richtige Schwergewichte - dazu gehören SUV-Stromer von Premiummarken wie BMW, Mercedes oder auch Volvo - bringen teilweise 2,8 Tonnen auf die Waage.
Zum einen ermöglichen schwere Fahrzeuge höhere Reichweiten, weil sich darin größere Batterien verbauen lassen. Dazu kommt, dass sich SUV ohnehin einer nach wie vor ungebrochen hohen Nachfrage erfreuen. Das vergleichsweise hohe Gewicht von Elektroautos erzeugt jedoch Probleme, die mit Nachhaltigkeit wenig zu tun haben:
Schwere E-Autos strapazieren Stromverbrauch und Infrastruktur
Hoher Stromverbrauch: Der Gewichtszuwachs wirkt sich bei Elektroautos (wie auch „normalen Autos“) unweigerlich auf den Verbrauch aus. Laut ADAC liege der Durchschnitt der hierzulande verfügbaren Fahrzeuge bei etwa 21 Kilowattstunden über 100 Kilometer. Zwar gibt es keine offiziellen Vergleichszahlen vergangener Jahre, jedoch lässt der Verkehrsclub wenig Zweifel an der Entwicklung: „Vor einigen Jahren war die Mehrzahl der am Markt erhältlichen E-Autos im Klein- und Kompaktwagenbereich angesiedelt (Beispiele: BMW i3, Renault Zoe, VW e-Up, d. Red.), inzwischen sind vermehrt größere und schwerere E-Autos auf den Markt gekommen.“
Auswirkungen auf Statik und Infrastruktur: Der Umstand, dass größere und schwerere Akkus eine bessere Reichweite versprechen, stellt eine riesige Herausforderung für Städte und Kommunen dar. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das Parken auf Gehwegen nur für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis 2,8 Tonnen gestattet. Je mehr von den schweren E-Autos unterwegs sind, desto mehr wird zwangsläufig die Infrastruktur der Verkehrswege strapaziert. Ein weiterer Punkt ist in diesem Zusammenhang die Statik speziell von älteren Parkhäusern, wenn die Anzahl an schweren Modellen immer größer wird. In Großbritannien wurde vor diesem Problem gewarnt und auch in Deutschland sind E-Autos in Parkhäusern ein bereits erkanntes Thema.
Bis zu 2.200 Kilo Anhängelast: E-Autos, die ordentlich was schleppen können




Ein nachhaltiger Lösungsansatz für die Autoindustrie wäre demnach die Reduzierung des Gewichts künftiger E-Modelle. Dabei fällt auch der Entwicklung von effizienterer Akku-Technologie eine entscheidende Rolle zu. (PF)
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