Verkehr

Elektromobilität: Stromer auf der Überholspur

+
China dominiert den Markt: Produktion von Elektroautos in einer Fabrik in Chuzhou. dpa
  • schließen

Der Markt für Elektroautos boomt weltweit, für die Verkehrswende reicht das jedoch noch lange nicht.

Der Markt für Elektrofahrzeuge boomt trotz diverser politischer und ökonomischer Krisen weiterhin – weltweit und in Deutschland. Die Stromer befinden sich damit an der Schwelle zum Massenmarkt. Die Zulassungszahlen reichen allerdings noch nicht aus, um die internationalen und nationalen Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Dazu müssten die Preise für die E-Autos noch deutlich fallen, vor allem durch eine Verbilligung der Batterie-Herstellung.

Weltweit kamen im vorigen Jahr 10,8 Millionen Elektro-Pkw, also reine Batterie-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride, neu auf die Straßen. Bei 57,5 Millionen Neuzulassungen insgesamt war das ein Anteil von 18,8 Prozent. Die mit Abstand meisten E-Autos – 6,5 Millionen – wurden in China verkauft, wo sich die Zahl der Neuzulassungen fast verdoppelt hat. Der Anteil dieses Landes am weltweiten Stromer-Absatz betrug damit mehr als 60 Prozent. Die USA als zweitgrößter Markt kamen auf rund eine Million.

Starker Absatz hierzulande

Weltweit gab es damit Ende 2022 rund 27,7 Millionen E-Pkw, fünf Jahre vorher, 2017, waren es erst 3,4 Millionen gewesen. Die Zahlen zeigten eindeutig, dass der weltweite Trend zur nachhaltigen Mobilität ungebrochen sei, kommentierte der Experte Andreas Püttner vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), das die Statistiken zu dem Sektor ausgewertet hat.

In Europa ist der Absatz in Deutschland am höchsten. Hier wurden 2022 rund 830 000 E-Fahrzeuge neu zugelassen. Damit waren Ende dieses Jahres fast 1,9 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs – immerhin 59 Prozent mehr als 2021. Aktuell setzt sich der Trend fort. Im Halbjahresvergleich zu 2022 konnten vor allem die reinen E-Autos stark zulegen; ihr Marktanteil erreichte knapp 16 Prozent gegenüber vorher 13,5. Das reicht allerdings nicht, um das von der Bundesregierung gesteckte Ziel von 15 Millionen E-Fahrzeugen bis Ende 2030 zu erreichen. „Um das zu schaffen, müssen hierzulande jedes Jahr mindestens doppelt so viele Fahrzeuge wie 2022 neu zugelassen werden“, sagte Püttner. Ob das klappt, ist fraglich – unter anderem, da die staatliche Förderung gesunken ist und 2024 weiter sinken wird.

Der Weltmarkt für die E-Mobile wird derzeit stark von den drei chinesischen Herstellern BYD, SAIC und Geely sowie dem US-Autobauer Tesla dominiert. Die Chinesen verkauften 2022 zusammen 3,6 Millionen Autos und Tesla alleine 1,3 Millionen, während die drei deutschen Hersteller VW, BMW und Mercedes zusammen auf 1,6 Millionen kamen. VW liegt im globalen Ranking dabei auf Platz vier. Püttner warnte: „Wenn Deutschland nicht abgehängt werden will, dürfen sich die deutschen Autobauer nicht nur im Premiumsegment bewegen, zumal chinesische Unternehmen sukzessive auf den außerchinesischen Markt drängen.“

Um der E-Mobilität noch schneller zum Durchbruch zu verhelfen, müssen laut ZSW die Preise der Stromer noch deutlich fallen. Da die Batterie nach wie vor der größte Kostenfaktor ist, müsse hier angesetzt werden. Gelinge es, bestimmte, auch ökologisch kritische Rohstoffe zu ersetzen, könnten Batterien kostengünstiger und auch effizienter werden. Das ZSW setzt nach eigenen Angaben mit seinen Forschungsarbeiten hier an. Durch die Kombination neuer Konzepte bei den Speichermaterialien, den eingesetzten Komponenten und dem Zellaufbau soll die Energiedichte der Batterien gesteigert werden.

Kommentare