Fast 100 Milliarden US-Dollar

Elon Musk nimmt OpenAI ins Visier – und könnte unvorhergesehene Schwierigkeiten verursachen

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Einst war Elon Musk ein Geldgeber von OpenAI. Später trennte er sich von dieser Beteiligung. Nun ist er zurück – und bringt Milliarden mit.

San Francisco – Der Tech-Milliardär Elon Musk lebt derzeit turbulent. Im US-Wahlkampf hatte er sich früh hinter den jetzigen Präsidenten Donald Trump gestellt, machte zuletzt mit einigen dubiosen Gestiken auf sich aufmerksam und darf in den USA eine Behörde für Regierungseffizienz leiten. Außerdem hatte er sich in mehrere Wahlkämpfe eingemischt; hier in Deutschland unterstützt er die AfD.

OpenAI für alle – Elon Musk bietet Milliarden für ChatGPT-Erfinder

Bei diesem Schachzug ist Elon Musk nicht allein. Er führt eine Investorengruppe an, die Medienberichten zufolge etwa 97,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 94,4 Milliarden Euro) aufwenden will, um die Kontrolle über das KI-Unternehmen OpenAI zu erlangen, das vor allem durch die Erfindung von ChatGPT weltberühmt wurde. Das Angebot liege dem Vorstand von OpenAI seit Montagabend vor, hatte Musks Anwalt Marc Toberoff gegenüber dem Wall Street Journal gesagt. „Es ist an der Zeit, dass OpenAI wieder zu der Open-Source- und sicherheitsorientierten Kraft wird, die es einmal war“, zitierte das Wall Street Journal aus einer Erklärung, die Musk dazu abgegeben hatte. Musk wolle dafür sorgen, dass genau das passiert.

Elon Musk greift nach OpenAI – und könnte für ungeahnte Probleme sorgen

Neben X AI, einer von Musks Firmen, sind verschiedene Risikokapitalfonds und Einzelinvestoren mit in dem Konsortium. Allerdings ist nicht ganz klar, ob Musk das Angebot ernst meint – er liegt mit Sam Altman, dem OpenAI-Chef, seit längerer Zeit im Clinch. Seit Anfang 2024 führt er gar ein juristisches Gefecht gegen OpenAI und Altman selbst. Musk gehörte zu den Geldgebern und Mitgründern von OpenAI, seiner Ansicht nach hatte sich das Unternehmen zu weit von seinem ursprünglichen Ziel entfernt. Es sollte seine künstliche Intelligenz als gemeinnütziges Unternehmen entwickeln, genau dafür habe Musk damals auch viele Millionen Dollar investiert. Später hatte Altman das KI-Startup jedoch auf Gewinnorientierung ausgerichtet, sich mit Microsoft verpartnert und eine Tochterfirma gegründet.

Allerdings könnte Musks Angebot gar nicht ernst gemeint sein. Der Tesla-Chef könnte mit diesem Angebot versuchen, den Wert von OpenAI künstlich hochzusetzen.

OpenAI will Profit – Hängt aber noch in der Gemeinnützigkeit fest

Hier wird es ein wenig technisch, aber das Ganze hat mit der Idee von Altman zu tun, aus der gemeinnützigen eine profitorientierte Firma zu machen. Laut dem US-Tech-Magazin Vox, das mit OpenAI verpartnert ist, soll das durch eine komplizierte Verhandlung passieren. Die gemeinnützige Muttergesellschaft soll sämtliche wertvollen Assets (zum Beispiel gehören Kontrolle über die Tochterfirma, Geschäftsvereinbarungen oder AI-Markenrechte dazu) an die profitorientierte Tochterfirma verkaufen. Im Gegenzug bleibt das gemeinnützige Mutterunternehmen bestehen und fungiert – soweit der Plan – künftig als neuer Investor der profitorientierten Firma. Das durch den Verkauf verdiente Geld muss die Muttergesellschaft weiter für ihre Mission nutzen, künstliche Intelligenz so zu entwickeln, dass sie „der Menschheit als Ganzes nützt“.

Dabei tut sich die große Frage danach auf, wie viel diese zu verkaufenden Assets wert sind. Die wichtigen Fragen sind dabei fast völlig unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung geflogen, und die Verhandlungen finden hinter den Kulissen statt. Musks Angebot aber rüttelt die Verhandlungen durch. Der Welt zufolge ist nämlich nicht klar geregelt, wie ein fairer Marktwert ermittelt wird. Die 97 Milliarden Dollar für die Hälfte von OpenAI könnten hier einen neuen Mindestwert festsetzen. Für Investoren bedeute dies eine zusätzliche Komplikation des Prozesses: Eine zu hohe Bewertung der gemeinnützigen Mutter zum falschen Zeitpunkt würde Altmans Suche nach frischem Kapital „erheblich“ erschweren.

„Milliarden Dollar jedes Jahr“ – Stress zwischen Elon Musk und dem OpenAI-Chef

Für OpenAI war der Schwenk in Richtung Profitorientierung zumindest in finanzieller Hinsicht notwendig. Das Unternehmen verbrennt Geld; heise berichtete Anfang Januar 2025, dass die Einnahmen durch Subscription-Modelle nicht mit den massiven Ausgaben hinterherkämen. Ein Beispiel dafür ist ChatGPT Pro, das monatlich 200 US-Dollar kostet und die Nutzer Videos erstellen lässt. Problematisch daran: Die dafür notwendige Rechenleistung kostet zu viel. Das Training für ChatGPT-4 soll 80 Millionen Dollar gekostet haben, und das allein 2023.

Hier kommt Musk wieder ins Spiel. Auf seine Vorwürfe hin, OpenAI würde nicht mehr gemeinnützig agieren, hatte OpenAI selbst ein Statement veröffentlicht, das Musks Rolle mehr beleuchtete. Schon 2017 hätten die OpenAI-Gründer verstanden, dass eine AGI (Artificial General Intelligence, eine KI, die schlauer ist als der Mensch) wesentlich mehr Kapital bräuchte als anfangs angenommen. Von „Milliarden Dollar jedes Jahr“ war die Rede. Musk wollte das Unternehmen damals angeblich an Tesla anhängen, damit die Finanzierung gesichert sei. Auch habe er früh gewusst, dass die Technologie hinter der AGI keineswegs „open source“ werden sollte, im Gegenteil.

Der Umbau auf Profitorientierung, auch das hatten die OpenAI-Gründer vor Jahren vorhergesehen, könnte die Fortentwicklung der KI verzögern. Trotzdem scheint OpenAI nicht gewillt, Musks Angebot anzunehmen: Der Chef des Unternehmens, Sam Altman, schrieb auf Musks Plattform X, nachdem er von dem Kaufangebot gehört hatte, er würde dankend ablehnen, wäre aber bereit, Twitter für 9,74 Milliarden Dollar zu kaufen. Musk hatte 2022 etwa 44 Milliarden Dollar für die Plattform bezahlt, die seitdem drastisch an Wert verloren hat.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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