VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Trotz westlicher Sanktionen importiert Frankreich massiv LNG aus Russland. Schuld daran sind Langzeitverträge. Das Land sucht nach einem Ausweg.
Paris – Erst vor Kurzem hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Schlagzeilen gemacht, weil er den Einsatz von europäischen Bodentruppen im Ukraine-Krieg vorgeschlagen hatte. Die „Grande Nation“ gilt als eine der härtesten Verteidiger der Ukraine. Trotzdem importiert sie viel flüssiges Erdgas (Liquid Natural Gas, LNG) aus Russland.
| So viel zahlt Frankreich Russland für LNG (erstes Quartal 2024) | 600 Millionen Euro |
|---|---|
| Anstieg von LNG-Importen nach Frankreich | 12 Prozent |
| Anstieg von LNG-Importen aus Russland nach Frankreich | - 40 Prozent |
| Anteil russisches LNG an europäischem Gasverbrauch | 5 Prozent |
Frankreich zahlt Millionen für LNG aus Russland
Das jedenfalls belegen aktuelle Zahlen vom Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA), einem Thinktank aus Finnland. Im ersten Quartal 2024 habe Frankreich, verglichen mit 2023, mehr russisches LNG importiert als die anderen EU-Mitgliedstaaten. Insgesamt soll Frankreich rund 600 Millionen Euro an Russland gezahlt haben. „Es kann nicht sein, dass Frankreich einerseits eine harte Haltung gegenüber Russland einnimmt und andererseits große Summen Geld für russisches Gas bezahlt“, zitierte Politico einen namentlich nicht genannten EU-Diplomaten.
Im selben Zug aber zeigen CREA-Daten, dass Frankreich seine Importe aus Russland langsam herunterschraubt. Eine Analyse, bezogen auf den Februar 2024, zeigt einen Anstieg in Frankreichs LNG-Importen um zwölf Prozent – allerdings sanken die LNG-Importe aus Russland um 40 Prozent. Frankreich importiert immer mehr LNG aus den USA. Ganz herunterfahren kann Frankreich seine russischen Importe allerdings nicht.
Frankreich braucht LNG aus Russland – und steckt in Verträgen fest
Das hat zwei maßgebliche Gründe. Frankreich selbst gab bereits mehrfach an, dass diese Gas-Einkäufe notwendig seien, damit die europäische Haushaltsversorgung nicht zusammenbreche. Außerdem hängt das Land – genau wie Österreich bei russischem Gas – in Langzeitverträgen fest, aus denen es nur schwerlich herauskommt. Kritiker haben hier das Energieunternehmen TotalEnergies ins Visier genommen, das in ihren Augen schlicht untätig bleibt.
TotalEnergies agiert weltweit und ist eines der wichtigsten Energieunternehmen Frankreichs. Schon seit Jahren ist es durch mehrere Projekte an Russland gebunden. Im Januar 2016, fast zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch auf die Krim, sagte der damalige Präsident Total Exploration & Production Arnaud Breuillac: „Russland bleibt ein Schlüsselland für unsere Gruppe. Total (der ehemalige Name des Unternehmens, Anm. d. Red.) hat ehrgeizige Pläne für die Zukunft durch seine etablierte Partnerschaft mit Novatek und dem laufenden Yamal LNG Projekt.“
2018 dann unterzeichnete Total Energies in Gegenwart des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Emmanuel Marcon eine Vereinbarung mit Novatek, das die Rahmenbedingungen eines Engagements in das russische Prestigeprojekt Arctic LNG 2 festlegte. „Die Entwicklung der LNG-Projekte, an denen wir in Nordrussland beteiligt sind, weckt zu Recht hohe Erwartungen im Hinblick auf den Schutz der Umwelt und der Artenvielfalt. Wir nehmen diese Erwartungen ernst“, teilte Breuillac damals mit.
Österreich hängt ebenfalls noch an Gas aus Russland
Neben Frankreich handeln Schifffahrtsdaten zufolge noch mindestens neun andere EU-Länder mit Russland. Russisches LNG machte zuletzt zwar nur fünf Prozent des EU-Gasverbrauchs aus, aber die entsprechenden Mitglieder zahlten trotzdem rund acht Milliarden Euro an Russland. Das berichtete die Berliner Zeitung.
Ein ähnliches Problem hat übrigens Österreich. Seit einigen Wochen versucht die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler, Österreichs Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden, aber auch hier sind Knebelverträge im Spiel. Außerdem erschwere die deutsche Gasumlage eine Umstellung – Österreich müsse einfach zu viel zahlen, wenn es auf russisches Gas verzichten würde. Im Dezember 2023 hatte Österreich rund 98 Prozent seiner Gasimporte aus Russland bezogen.
„Wir sehen hier aktuell ein klares Marktversagen“, hatte Gewessler gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) gesagt. „Es gibt genug nicht-russisches Erdgas – aber die Energieunternehmen kaufen dieses nicht.“ Aktuell ist Österreich noch auf der Suche nach einer Lösung.
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