VonJoachim Willeschließen
Der Gebäudesektor ist ein Hauptverursacher des Klimawandels. Doch moderne Technologien und smarte Gebäudetechnik könnten die Lösung sein.
Der Gebäudesektor ist ein wesentlicher Treiber des Klimawandels. In Deutschland liegt sein Anteil bei rund 30 Prozent des CO2-Ausstoßes, wobei seit Jahren die von der Bundesregierung festgelegten Reduktionsziele verfehlt werden. Hauptfaktoren, um die Emissionen zu senken, sind die energetische Sanierung der Bestandsgebäude und neue Heiztechniken wie die Wärmepumpe, doch auch eine smarte Gebäudetechnik, ein optimiertes Energiemanagement und das sogenannte Building Information Modeling (BIM) können helfen, den Energieverbrauch effizienter zu gestalten und erneuerbare Energien einzubinden.
Auf der Messe „Light + Building“, die seit Sonntag in Frankfurt läuft, werden die neuesten Entwicklungen dazu vorgestellt.
Die energetische Sanierung der Altbauten kommt nur langsam voran. Zuletzt ist die Sanierungsquote sogar gesunken, von 0,88 Prozent der Gebäude pro Jahr anno 2022 auf 0,72 Prozent Ende 2023. Dabei wäre es notwendig, sie auf rund zwei Prozent zu steigern, um die Klimaziele der Bundesregierung in dem Bereich zu erreichen. Hier müsste die Bundesregierung mit besserer Förderung nachsteuern, was aber wegen der knappen Finanzlage nach dem Karlsruher Haushaltsurteil kaum zu erwarten ist.
Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent möglich
Umso mehr steigt die Bedeutung anderer Möglichkeiten, im Gebäudebereich Energie zu sparen, erneuerbare Energien zu nutzen und die Gestaltung des Stadtraums zu verbessern.
Ein zentraler Ansatz sind moderne Energiemanagement-Systeme. Sie steuern die Energienutzung bei Strom, Heizung, Klimatisierung und Warmwasser. In Gebäuden sind so laut der Leitung von „Light + Building“ Einsparpotenziale von bis zu 30 Prozent möglich. Die Klimabilanz verbessere sich noch einmal, wenn zudem regenerativ erzeugte Energien eingebunden oder am Gebäude selbst erzeugt werden, also durch Photovoltaik-Anlagen und solare Warmwasserbereitung, jeweils mit Speicher. Ladestationen für E-Autos komplettierten das System.
Damit das „smarte Haus“ über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg optimal funktioniert, erfolgt die Planung dabei über ein dreidimensionales Computermodell, das „Building Information Modeling“. Dieses erlaube es auch, weitere energiesparende Technologien zu einem späteren Zeitpunkt zu integrieren.
Ein weiterer Schwerpunkt der Light + Building sind Innovationen für ein modernes „Lichtdesign“
Eine konsequente Umstellung auf „Smart Buildings“ kann laut der Messe in Deutschland bereits bis 2030 knapp 15 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Einen zusätzlichen Schub bringe auch hier die Nutzung von Künstlicher Intelligenz. „Mit ihrer Unterstützung passen sich Gebäude den Bedürfnissen ihrer Bewohner an und regeln eigenständig, wann die Heizung läuft, wo das Licht brennt oder wann der Saugroboter anspringt“, wird erläutert.
Ein weiterer Schwerpunkt der Light + Building sind Innovationen für ein modernes „Lichtdesign“. Hier geht es um intelligente Lichtsysteme, die die Beleuchtung in Büros, Bildungseinrichtungen oder Gewerberäumen optimal auf die Tages- und Jahreszeit abstimmen. Dies fördere die Gesundheit und Leistungskraft der Menschen. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf eine Studie der Uniklinik Hamburg-Eppendorf dazu, wie sich eine dynamische, angepasste Beleuchtung auf Konzentration und Leistungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern auswirken kann.
Nach der Neuinstallation sank danach die Fehlerquote um 45 Prozent und die „motorische Unruhe“ um 75 Prozent. Weiteres Argument für dynamische Beleuchtungssysteme: In Städten seien so Energieeinsparungen von bis zu 85 Prozent zu realisieren – „in Zeiten klammer Kassen bei Kommunen ein wichtiger Beitrag“.
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