VonSebastian Hölzleschließen
Beim Thema Energie sparen denkt jeder direkt an Kühlschrank, Licht, Fernseher und Co. Doch einige Energiefresser lauern auch im Keller.
München – Kellerräume werden beim Energiesparen gerne vernachlässigt. Dabei lässt sich dort viel Geld einsparen. Die besten Tipps und Tricks im Überblick:
Gaskrise: Flache Heizkurve spart Energie
In vielen Wohnhäusern steht im Keller eine Zentralheizung, die mit Heizöl, Gas oder Pellets befeuert wird. Das erhitzte Wasser, das in die Heizkörper der Wohnräume oder in die Fußbodenheizung gepumpt wird, bezeichnen Handwerker oft als Vorlauf. Gesteuert wird die Temperatur des Vorlaufs über die Heizkurve. Das Prinzip dahinter ist leicht zu verstehen: „Heizkurve ist das, was dem Heizkessel sagt: Pass auf, ich messe mit meinem Fühler im Freien gerade eine Außentemperatur von minus zehn Grad, entsprechend muss ich die Vorlauftemperatur zu den Heizflächen nach oben regeln“, erklärt Norbert Endres, Energieberater für die Verbraucherzentrale Bayern.
„Je nach Außentemperatur ergibt sich eine andere Vorlauftemperatur“, ergänzt er. „Wer Energie sparen will, sollte die Heizkurve möglichst flach halten. Denn je niedriger die Vorlauftemperatur ist, desto geringer sind die Wärmeverluste der Heizung. Das Ziel ist also, die Heizkurve so niedrig wie möglich zu halten und gleichzeitig die notwendigen Temperaturen zu erreichen. Weisen Sie den Heizungsfachbetrieb im Zuge der regelmäßigen Wartung auf die Anpassung der Heizkurve hin. Die Einstellung der Heizkurve ist in vielen Bedienungsanleitungen erklärt. In dem Fall können Sie diese auch selbst anhand der Beschreibung anpassen.“
Energie-Experte: Heizkurve in den meisten Häusern zu hoch eingestellt
Die Wirklichkeit in vielen Häusern sieht aber anders aus: „In geschätzt 90 Prozent der Fälle ist die Heizkurve viel zu hoch eingestellt“, beobachtet Olaf Zimmermann, Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister aus München. Zimmermann führt den Betrieb Heizung-Obermeier in München und ist zudem Obermeister der Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innung München. „Ich behaupte, dass ich fast jede Heizkurve locker um ein oder zwei Grad nach unten verschieben kann“, sagt er. Oft ließen sich mit diesem einfachen Trick zwischen fünf und zehn Prozent an Energie einsparen. „Viele orientieren sich immer noch an einer Zeit, in der die Winter streng und lange waren. Das ist aber längst nicht mehr der Fall.“
Zimmermann rät zu mehr Mut, sich mit der Regelungstechnik der eigenen Heizungsanlage auseinanderzusetzen. „Viele sagen: Da lang ich nicht hin, da kann ich was falsch machen – das stimmt aber nicht“, sagt er. „Mit der Vorlauftemperatur kann man wunderbar spielen, und nach einem Jahr weiß jeder, wo für ihn das Optimum liegt.“ Sein Tipp: „Bei den meisten Häusern reicht für den Heizungsvorlauf eine Temperatur zwischen 55 und 60 Grad.“ Übrigens: Auch bei Gasthermen, die oft in Mietwohnungen verbaut sind, lässt sich die Vorlauftemperatur steuern und herunterregeln
Energiekrise: Sorge vor Legionellen im Trinkwasser oft unbegründet
Nach Ansicht von Norbert Endres von der Verbraucherzentrale ist die Sorge vor Legionellen im Trinkwasser bei einer etwas geringeren Warmwassertemperatur in vielen Fällen unbegründet. „50 Grad sollten es Minimum sein, ab dieser Temperatur vermehren sich Legionellen nicht mehr.“ 60 Grad sei die allgemeine Empfehlung im Einfamilienhaus. „Es gibt auch Heizkessel, die eine Legionellenschaltung haben und einmal am Tag auf bis zu 70 Grad hochheizen.“ Am Ende hänge ein möglicher Legionellenbefall des Trinkwassers aber von vielen Faktoren ab – etwa von der Größe des Rohrleitungssystems im Haus. Sein Ratschlag lautet daher: „Sprechen Sie mit Ihrem Heizungsfachbetrieb oder Energieberater, welche Temperatur für Ihre Heizungsanlage sinnvoll ist.“
Nachtabsenkung abschalten: „Nicht nötig“
Nachts regeln viele Heizungssysteme die Temperatur herunter. „Eine Nachtabsenkung ist bei den meisten Gebäuden aber nicht nötig“, weiß Zimmermann. „Noch besser ist eine Nachtabschaltung – dann läuft gar keine Pumpe und es wird auch nichts verbraucht.“ In ganz kalten Nächten könne man die Nachtabsenkung jederzeit wieder einstellen.
Bei seinen zahlreichen Hausbesuchen macht Zimmermann immer wieder dieselbe Erfahrung: „Kaum bin ich im Heizungsraum, komme ich direkt ins Schwitzen, weil es dort viel zu warm ist.“ Der Grund: Rohre teilweise ohne Dämmung, insbesondere Armaturen seien oft nicht gedämmt. „Das ist noch immer weit verbreitet, dabei lässt sich mit einer guten Dämmung locker zehn bis 20 Prozent an Energie einsparen.“ Je nach Anlage, beispielsweise in einem Einfamilienhaus, hielten sich die Kosten für eine professionelle Dämmung mit Preisen zwischen 200 und 400 Euro im Rahmen. Die Verbraucherzentralen weisen aber darauf hin, dass sich die Maßnahme lohne und sich damit langfristig bares Geld einsparen ließe.
Verkleinert sich der Haushalt, kann es sich lohnen, den großen Boiler gegen ein kleineres Modell zu tauschen. „Der kleinere Boiler verbraucht viel weniger Energie“, sagt Heizungsbauer Zimmermann. „Aber viele behalten trotzdem ihren großen Boiler, obwohl die Kinder längst aus dem Haus sind“, beobachtet er.
Nicht nur wegen der Energiekrise: Keine Wäsche im Heizraum trocknen
Zimmermann stellt immer wieder fest, dass der Heizungskeller als Wäscheraum oder Hobbyraum zweckentfremdet wird. „Ältere Heizungsanlagen – sei es für Gas oder für Öl – nutzen aber oft die Raumluft zur Verbrennung“, sagt er. „Wenn Flusen eingezogen werden, schmälert das die Effizienz, im schlimmsten Fall kann das Gerät sogar kaputtgehen.“ Auch das Sägen von Holz beziehungsweise das Erzeugen von unnötigen Stäuben sollte daher im Heizraum vermieden werden.
Nach Ansicht der Verbraucherzentralen sind die Heizungspumpen „wahre Stromfresser“. Die Experten empfehlen die Installation einer Hocheffizienzpumpe. Kurzfristig gibt es eine zweite Alternative: „Oft ist die Pumpendrehzahl viel zu hoch eingestellt“, weiß Heizungsbauer Zimmermann. „Dreht man die runter, spart das schon eine ganze Menge an Strom.“ Trotz der aktuell angespannten Lage im Handwerk sei es auch in diesem Sommer noch möglich, einen Betrieb zu finden, der sich den Heizungskeller einmal ansieht, vor allem wenn man Stammkunde sei. „Unsere Handwerker sind heute dazu ausgebildet, auf die Energieeffizienz zu schauen. Aber da Energie in den vergangenen Jahren so billig war, hat das Thema niemanden interessiert.“
Energie-Experte Endres: Dämmen ohne teuren Handwerker möglich
Es gibt auch Orte im Keller, bei denen jeder mit etwas handwerklichem Geschick selbst für mehr Effizienz sorgen kann. „Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis lässt sich oft erzielen, wenn die Kellerdecke gedämmt wird“, sagt Energie-Experte Endres von der Verbraucherzentrale. Damit benötigten die Wohnräume im Erdgeschoss weniger Energie, auch der Wohnkomfort erhöht sich. Entsprechende Dämmplatten gebe es ab zehn Euro pro Quadratmeter. „Da kann man auch selbst Hand anlegen, da die Dämmung der Kellerdecke bauphysikalisch häufig unkritisch ist – ein Kellerraum habe schließlich nicht die tiefen Minusgrade wie der Außenbereich, wo man besser Profis ranlasse.“
Übrigens lassen sich solche einfachen Dämmmaßnahmen nicht nur im Keller durchführen: „Im speziellen Fall, wenn die Decke des obersten Geschosses aus Beton ist, kann man auch auf dem Dachboden die Dämmplatten selbst verlegen“, sagt Endres. Wichtig sei in allen Fällen, die Montageempfehlungen des Herstellers zu beachten – und schon hat man viel Energie gespart: „Eine gedämmte Kellerdecke spart in einem Einfamilienhaus zwischen fünf und zehn Prozent der gesamten Energiekosten, weil Wärme nach oben steigt, sind es bei einem lückenlos gedämmten Dachboden sogar bis zu 20 Prozent.“
Auch durch einen undichten Rollladenkasten kann warme Luft aus dem Haus entweichen. Auch diese lassen sich selbst dämmen – das spart bis zu zehn Euro pro Quadratmeter und Jahr an Energie. Das Material gibt es im Baumarkt und kostet 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter. Man nimmt entweder flexible Dämmplatten, die in den Kasten eingepasst und dort fixiert werden. Die Verbraucherzentralen raten aber zu Hochleistungsdämmplatten aus Polyurethan oder Phenolharz, da sie eine geringere Wärmeleitfähigkeit besitzen. Die Durchführung des Gurtes und der Rollladenspalt lässt sich mit einer Bürstendichtung ausstatten – für 10 bis 15 Euro pro Rollladenkasten.
Ein Bewegungs- und Präsenzmelder kostet nicht viel und kann beim Stromsparen helfen, so die Brancheninitiative Elektro+. Diese Melder schalten das Licht bei Betreten des Raumes automatisch ein und beim Verlassen wieder aus. Damit wird vermieden, dass im Keller versehentlich das Licht brennt.
Energie sparen: Gefriertruhe regelmäßig abtauen
Im Keller stehen oft Gefriertruhen – und die verbrauchen Strom. Das regelmäßige Abtauen der Gefriertruhe ist wichtig, denn eine dicke Eisschicht im Gefriergerät wirkt wie eine Wärmedämmung. Das erhöht den Stromverbrauch. Laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online erhöht schon eine fünf Millimeter dünne Eisschicht in einem Gefrierfach den Stromverbrauch um rund 30 Prozent.
Das Abtauen geht schneller, wenn man die Tür des Geräts offen lässt. Weniger naheliegend ist der Hinweis der Experten des Forums Waschen, auf keinen Fall mit einem Messer oder anderen scharfen und spitzen Gegenständen aus Metall die Eisschichten zu lösen. Sie könnten das Material darunter beschädigen. Ein Tipp dafür: Einen Topfschaber aus flexiblem Kunststoff nehmen, um die Eisstücke zu entfernen und das Abtauen so zu beschleunigen.
Das Tauwasser wird entweder mit einer kleinen Schüssel oder Handtüchern abgefangen. Ist das Gerät breit genug, haben die Experten noch einen anderen Ratschlag: ein tiefes Backblech unten in das Gerät stellen. Achtung: Einige Gefrierschränke haben auch einen eigenen Tauwasserablauf, unter den man eine Schüssel stellen muss. Gerade ältere Geräte bauen mit der Zeit dicke Eisschichten im Inneren auf und verbrauchen so unnötigerweise viel Energie. Bei modernen Geräten ist das seltener der Fall.
In vielen Kellern stehen Zweit- oder Getränke-Kühlschränke – deren Nutzen im Winter oft zweifelhaft ist. Es ist ein einfacher Stromspartipp: Jedes nicht oft genutzte Elektrogerät im Haus sollte nach jedem Einsatz vom Netz genommen werden. Gerade Kühl- und Gefriergeräte verbrauchen viel Strom, so die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. (sh/dpa)
Teil 1 der Serie: Heizen und Warmwasser: So drehen Sie jetzt Ihre Kosten runter!
Teil 2 der Serie: „In etwa 90 Prozent der Fälle ist die Heizkurve viel zu hoch eingestellt“ – so sparen Sie im Keller bares Geld
Teil 3 der Serie: Stromfresser im Griff: Experte erklärt, wie Sie mit wenig Aufwand viel sparen können
Teil 4 der Serie: Energie sparen: So heizen Sie richtig mit Holz
Teil 5 der Serie: Gas, Wärmepumpe, Pellets oder Solar: Welche Heizmethode am günstigsten ist
Teil 6 der Serie: Vorsorge für den Energie-Ernstfall: Kerzen, Taschenlampen, Campingkocher – Die wichtigsten Vorräte
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