VonLars-Eric Nievelsteinschließen
China schränkt die Ausfuhr seltener Erden weiter ein. Jetzt trifft es auch wichtige Magnete. Deutschland ringt um Lösungen.
Peking – Zwischen den USA und China tobt der Handelskrieg. Während die USA mit allen Mitteln verhindern wollen, dass wichtige Halbleiter nach China gelangen, setzt Peking immer höhere Handelsbarrieren für seltene Erden ein. Das betrifft auch Deutschland: Seit Monaten werden diese unverzichtbaren Ressourcen immer teurer.
Neue Restriktionen auf seltene Erden – China macht Ernst
Die Luft am Markt für seltene Erden wird dünner. China soll einen neuen Mechanismus für Exportkontrollen eingeführt haben, der den Handel weiter erschwert: Dieser betrifft nicht mehr nur seltene Erden, sondern auch alle Magnete, die aus seltenen Erden chinesischer Herkunft bestehen oder mittels chinesischer Technologie (sei es zur Extraktion oder Raffinierung) hergestellt wurden. Das berichtete die Financial Times und berief sich dabei auf neue Informationen des chinesischen Handelsministeriums.
Ausländische Unternehmen brauchen jetzt die Erlaubnis aus Peking, um die betroffenen Magnete zu importieren. Damit hat China erstmalig ein Pendant zu den US-Maßnahmen erschaffen, die die Ausfuhr wichtiger Produkte mit US-Halbleitern von Drittländern nach China beschränken. Die neuen Regeln erlauben es dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, eine noch größere Kontrolle über die globale Lieferkette von seltenen Erden auszuüben.
Seltene Erden als unverzichtbarer Rohstoff – für Fortschritt und Rüstung
Was macht diese Rohstoffe so wichtig? Seltene Erden haben mittlerweile einen festen Platz in einer gewaltigen Bandbreite wichtiger Technologien und Produkte. Die bereits erwähnten Seltenerd-Magnete zum Beispiel kommen beim Bau von Elektroautos zum Einsatz – ein Fakt, der die Ausfuhr einzelner Rohstoffe bisher erleichtert hat. Aber auch Windkraftwerke, Smartphones oder die gesamte Rüstungsindustrie brauchen seltene Erden.
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) listet zum Beispiel fortschrittliche Verteidigungssysteme wie F-35-Kampfflugzeuge, U-Boote und Tomahawk-Raketen auf. Ohne seltene Erden ist die Produktion vieler moderner Waffen kaum mehr möglich. Hier liegt einer der Gründe für Chinas Liefer-Restriktionen: Das Land will nach eigener Aussage verhindern, dass chinesische Produkte sich in westlicher Rüstungstechnik wiederfinden.
Meistens befinden sich nur kleine Mengen der seltenen Erden in den einzelnen Bauteilen. Dort aber haben sie ein unglaubliches Gewicht – ohne sie würden viele Geräte schlichtweg nicht funktionieren. Für Europa ist es ein größeres Problem, dass diese unverzichtbaren Rohstoffe für die Technologien der Energiewende benötigt werden.
Dort, wo die Rohstoffe knapp werden, könnten nun auch in Endprodukten Preissteigerungen drohen.
Monopol bei seltenen Erden – China kontrolliert Großteil der Kapazitäten
Dabei stellt sich die Frage: Warum kaufen westliche Unternehmen dann nicht einfach von anderen Ländern, die seltene Erden und solche Magnete verkaufen? Hier kommt das erste große Problem ins Spiel: Chinas Dominanz am Markt für seltene Erden. Nicht nur kontrolliert das Land einen Großteil der Kapazitäten für die Förderung von seltenen Erden (verschiedene Schätzungen gehen von 60 bis 70 Prozent aus), Peking hat außerdem ein Monopol auf die Verarbeitung dieser Rohstoffe.
Das CSIS gab dazu an, im Jahr 2023 habe China 99 Prozent der Kapazitäten für die Raffinierung von schweren Selten-Erd-Elementen kontrolliert. Der Thinktank Atlantic Council sprach im Frühling 2025 von einer 90-prozentigen Kontrolle der Kapazität bei Trennung und Raffinierung. Das heißt im Klartext: Kaum ein Land baut mehr seltene Erden ab als China, und noch weniger Länder können die abgebauten Rohstoffe überhaupt verarbeiten.
Mehrere Förderländer müssen im Gegenteil ihre Rohstoffe sogar nach China schicken, damit dort die Raffinierung erfolgt, was die seltenen Erden überhaupt erst nutzbar macht.
Alternativen für die Anlieferung – woher kriegt Deutschland seltene Erden?
China setzt damit den bisherigen Kurs fort. Seit mehreren Jahren zieht das Land die Stellschrauben am Rohstoffmarkt an. Schon 2023 hatte Peking Exportbeschränkungen auf die wichtigen Rohstoffe Gallium und Germanium eingesetzt, ebenso auf verschiedene Grafit-Arten. Mehr noch: Der Export von entsprechender Technologie zur Extraktion und Separierung von seltenen Erden war ebenfalls früh verboten.
Im Laufe der Jahre folgten immer weitere Einschränkungen. Ein jüngeres Beispiel ist die Beschränkung von Exporten verschiedener seltener Erden (darunter Scandium, Yttrium, Gadolinium und Terbium) vom April 2025.
Das führt uns genau zu der Situation, in der sich der Westen derzeit befindet. Käufer müssen auf dem Spotmarkt „Rekordpreise“ für Dysprosium, Terbium, Yttrium und andere seltene Erden kaufen, sagte die Rohstoffexpertin Ellie Saklatvala von der Preisberichtsagentur Argus Media dazu. Länder wie Deutschland und die USA suchen nach Wegen, um sich irgendwie von China zu lösen, was den Bezug seltener Erden angeht. Zuletzt konnte die Bundesregierung dabei Erfolge erzielen – zum Beispiel äußert sich das in einem neuen Rohstoff-Abkommen mit Kanada.
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