VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Russland ist tief in die Öl-Exporte verstrickt. Genau diese plant US-Präsident Trump zu attackieren. Indien könnte hierbei eine zentrale Rolle zukommen.
Washington – US-Präsident Donald Trump hatte am 23. Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt: „Ich werde Saudi-Arabien und OPEC fragen, die Ölkosten zu verringern“. Er fügte hinzu: „Wir müssen sie verringern, und ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass man das nicht schon vor der Wahl getan hat“. Ein Rückgang der Preise könne den Ukraine-Krieg „sofort“ beenden. Dabei tut sich für Indien eine entscheidende Rolle auf.
USA streben niedrigere Ölpreise an – Indien könnte Russlands Wirtschaft schwer schädigen
Sinkende Ölpreise würden dem Kreml-Herrscher Wladimir Putin wichtige Einnahmen entziehen. Hier kommt Indien ins Spiel: Das Land hat sich zu einer Wirtschaftsmacht entwickelt, dessen Kaufentscheidungen rund um den Globus Einfluss ausüben können. Eine Untersuchung des Thinktanks Center for European Policy Analysis (CEPA) aus Washington verdeutlichte, dass eine Veränderung der indischen Importe Russlands Wirtschaft erheblich schaden könnte. Indien importiert mittlerweile 1,6 Millionen Barrel Rohöl täglich, was seit 2021 fast dem Tausendfachen entspreche.
Diese Importe ermöglichten es Russland, die westlichen Sanktionen relativ gut zu überstehen, da es trotz des weitgehend verlorenen europäischen Marktes weiterhin Einnahmen aus Rohölexporten erzielen konnte. Sollte Trump Indien, das derzeit etwa 40 Prozent der russischen Rohölexporte ausmacht, jetzt dazu bewegen, stattdessen Öl aus den USA zu beziehen, wäre das ein schwerer Schlag. Putin würde auf Ölmengen im Wert vom 108 Milliarden US-Dollar sitzen bleiben.
Trump hätte mehrere Strategien zur Verfügung, um dies zu erreichen. CEPA schlägt neben der Sanktionspolitik zwei weitere Optionen vor: attraktive Verkaufsbedingungen oder „Bündel-Deals“, die auch Flüssigerdgas umfassen. Um jedoch wettbewerbsfähiger als Russland zu sein, müssten die USA erhebliche Rabatte gewähren – eine Strategie, die Putin bereits erfolgreich anwendet, indem er Indien Öl zu stark reduzierten Preisen verkauft. CEPA prognostiziert, dass bereits eine Halbierung der russischen Ölimporte nach Indien Russlands Wirtschaft erheblich schaden würde.
USA steigern Ölproduktion – Saudi-Arabien im Rückstand
Indien, obwohl Mitglied des BRICS-Bündnisses, kauft russisches Öl nicht aus ideologischen Gründen, sondern wegen des Preises. Neu-Delhi hat bereits signalisiert, dass es sofort auf den Mittleren Osten umsteigen würde, wenn dies wirtschaftlich vorteilhafter wäre.
Oder eben auf die USA. Die Vereinigten Staaten haben ihre Ölproduktion stärker gesteigert als jedes andere Land. Laut der U.S. Energy Information Administration (EIA) sind dafür bedeutende technologische Fortschritte verantwortlich. Die Behörde berichtete, dass die USA derzeit mehr Rohöl produzieren als jede andere Nation zuvor – und das seit sechs Jahren in Folge. Im Jahr 2023 produziert das Land durchschnittlich 12,9 Millionen Barrel Öl pro Tag, was den bisherigen Rekord von 12,3 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2019 übertrifft.
Kein anderes Land kann derzeit mit dieser Produktionsmenge konkurrieren. Selbst der saudi-arabische Energie-Titan Saudi Aramco habe Pläne aufgegeben, die Produktionskapazität bis 2027 auf 13 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen. CEPA warnt jedoch, dass verstärkte Exporte zu höheren Preisen auf dem US-Markt führen könnten.
Russlands Wirtschaft unter Druck – USA zielen auf die Schattenflotte
Rohöl und Gas sind seit Jahren Ziel westlicher Sanktionen, da sie Russlands wichtigste Exportgüter darstellen. Die G7-Staaten haben einen Ölpreisdeckel eingeführt, um Russlands Gewinne zu schmälern. Putin umging diesen teilweise mit der sogenannten Schattenflotte.
Gleichzeitig leidet Russlands Energiesektor unter ukrainischen Angriffen. Im Januar startete die Ukraine einen mehrtägigen Großangriff mit Drohnen auf russische Raffinerien und Produktionsstätten für Öl und Gas sowie auf Pipelines.
Eine Maßnahme Indiens verdeutlichte die Effektivität der US-Sanktionen. Nach einer Sanktionswelle Anfang Januar, die auf die russische Schattenflotte abzielte, verweigerten nicht nur chinesische Häfen diesen Tankern den Zugang, sondern einige indische Finanzinstitute begannen, Zahlungen für russisches Rohöl zu blockieren. Dies berichtete Energy Intelligence am 20. Januar. Aus Angst vor möglichen Sekundärsanktionen agierten staatliche Banken, darunter die State Bank of India, zunehmend vorsichtig.
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