US-Wahl 2024

Er ist zurück – Deutsche Wirtschaftsverbände äußern sich zur Wiederwahl von Donald Trump

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Donald Trump ist wieder im Amt. Die deutsche Wirtschaft ist besorgt. Die Verbände äußern sich zu den möglichen Auswirkungen.

Washington – Die US-Wahl ist entschieden und Donald Trump wird als 47. Präsident in die Geschichte eingehen. Sein Sieg, der durch das Gewinnen wichtiger Swingstates frühzeitig absehbar war, lässt Kamala Harris hinter sich. Dieses Ergebnis könnte weitreichende Auswirkungen für Deutschland haben, insbesondere auf wirtschaftlicher Ebene. Verschiedene Verbände haben sich bereits dazu geäußert.

BDI warnt vor Epochenwechsel – Wahl von Donald Trump als „Weckruf für Deutschland und Europa“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) äußert sich besorgt über die Auswirkungen der US-Wahlen. BDI-Präsident Siegfried Russwurm sieht in dem Wahlergebnis einen „Weckruf für Deutschland und Europa“. Er betont: „Wir müssen die vorhandenen Strategien zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigungsfähigkeit und für den Umgang mit China mit deutlich mehr Tempo weiterentwickeln.“

Er ist wieder da – Deutsche Wirtschaftsverbände äußern sich zur Wiederwahl von Donald Trump

Russwurm sieht in den Wahlergebnissen eine Bestätigung dafür, dass die Angst vor wirtschaftlichem Abstieg die Wahlentscheidungen stark beeinflussen kann. Er befürchtet, dass die transatlantischen Beziehungen vor einem Wandel stehen: „Die transatlantischen Beziehungen stehen vor einem Epochenwechsel. Zu befürchten ist, dass der Ton rauer, der protektionistische Kurs konsequent fortgeführt werden wird.“ Trotz seiner Sorgen sieht Russwurm auch Chancen: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass erfolgreiche Vereinbarungen und Abkommen mit Trump möglich sind.“

Solarwirtschaft befürchtet „Gefahr neuer Spannungen“ wegen Donald-Trump-Wahl

Die Solarindustrie zeigt sich besorgt über Trumps Skepsis gegenüber erneuerbaren Energien. Joachim Goldbeck, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft, warnt: „Sein bisheriger Kurs, geprägt von Protektionismus und Isolationismus, birgt die Gefahr neuer Spannungen im internationalen Handel und könnte den Austausch von Technologien beeinträchtigen“.

Trotz der politischen Veränderungen betont Goldbeck die Bedeutung der Solarenergie: „Ich möchte jedoch betonen: Präsidenten kommen und gehen, die Bedeutung der Solarenergie bleibt.“ Er ruft Europa dazu auf, geschlossen zusammenzuarbeiten, um die sich bietenden Chancen zu nutzen: „Gerade jetzt muss Europa geschlossen zusammenarbeiten, um die daraus entstehenden Chancen zu nutzen“.

Wiederwahl von Donald Trump – 180 Milliarden Euro Verluste durch Handelskrieg?

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt vor einem „teuren Handelskrieg“. IW-Direktor Michael Hüther erklärt: „Das Worst-Case-Szenario ist eingetreten“. Er sieht Deutschland vor einer neuen Krise und fordert von der Ampel-Koalition entschiedenes Handeln: Für das „anhaltende Kreisen der Ampel um sich selbst“ sei keine Zeit mehr.

Er warnte vor einem „teuren Handelskrieg“, der nach Berechnungen des IW in den nächsten vier Jahren 180 Milliarden Euro kosten könnte

„Eigenen Standort auf Vordermann bringen“ – VCI hofft auf gute Beziehungen

Der Verband der chemischen Industrie sieht trotz der Wahl von Trump die USA als wichtigen Handelspartner. Markus Steilemann, Präsident des VCI, hofft auf eine Fortsetzung der guten transatlantischen Beziehungen: „Ich hoffe, dass unter Präsident Trump die guten transatlantischen Beziehungen weiter Bestand haben werden. Unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt: Die USA bleiben ein wichtiger Handelspartner für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie und ein interessanter Auslandsstandort.“

Mit etwa 35,6 Milliarden Euro seien die USA der „mit großem Abstand“ wichtigste Exportmarkt für deutsche chemisch-pharmazeutische Produkte außerhalb der EU. Den USA gehört der weltweit drittgrößte Chemiemarkt. Dem VCI zufolge ist nun eine Schärfung des europäischen Blicks wichtig. „Noch wichtiger ist es, dass Deutschland und Europa die eigenen industriepolitischen Hausaufgaben erledigen und den eigenen Standort mit konsequenten Maßnahmen auf Vordermann bringen.“

„Keine Zeit“ für Überraschung – Autoindustrie will ein wirtschaftlich starkes Deutschland

Die Automobilindustrie rät währenddessen zu mehr Tempo und Entschlossenheit. VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont: „Es ist keine Zeit dafür, überrascht zu sein. Spätestens jetzt ist deutlich, dass die Aufgaben, die bereits seit langem bekannt sind, schnell und entschlossen angegangen werden müssen“. Das gelte mit Blick auf die Sicherheit und Verteidigung, ebenso auf den Handel und Autonomie.

Müller plädiert dafür, dass nur wirtschaftliche Stärke Deutschland und Europa eine starke Verhandlungsposition bringen könnten. Viele europäische Staaten wären jedoch noch nicht so weit, „Geo- und Wirtschaftspolitik gemeinsam zu denken“. Sie sieht die transatlantische Zusammenarbeit als von größter Bedeutung für beide Seiten.

„Erhebliche Probleme“ nach Donald-Trump-Wahl – ifo-Institut spricht Warnung aus

Das Ifo-Institut warnt vor „erheblichen Problemen“ durch Trumps Protektionismus. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht insbesondere gegenüber China „und potenziell auch gegenüber Europa“ die Gefahr stärkerer Handelsbeschränkungen. Sollten Trumps Drohungen wahr werden und hohe Zölle auf US-Importe aus der EU und China erheben, könnten in Deutschland finanzielle Schäden von rund 33 Milliarden Euro entstehen.

Die deutschen Exporte in die USA könnten um etwa 15 Prozent zurückgehen. Fuest warnt weiterhin: „Zusätzlich würden die Ausfuhren nach China um zehn Prozent sinken, weil Chinas Exporte in die USA massiv zurückgehen würden.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / News Licensing/Jack Hill

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