Gasfeld „Neptun Deep“

Klima-Desaster oder zukünftige Energieversorgung? Ein Land „wird größter Erdgasproduzent der EU“

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Symbolbild: Bohrinsel auf dem Meer. Rumänien könnte der größte Erdgasproduzent der EU werden.
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In Rumänien soll ab 2027 wieder Erdgas in großen Mengen gefördert und so die Abhängigkeit von Russland gestoppt werden. Doch das Vorhaben ist natürlich auch klimaschädlich.

Bukarest – Rumänien könnte die Energieabhängigkeit Europas von russischem Gas deutlich verringern. Doch bis es so weit ist, vergehen wohl noch Jahre. Zudem ist es in Zeiten des Klimawandels fraglich, ob es eine gute Idee ist, jetzt noch in die Förderung fossiler Brennstoffe einzusteigen, während viele Länder versuchen, die Transformation hin zu klimaneutralen Energieversorgung zu schaffen.

Neptun Deep: Vier Milliarden Euro für rumänisches Erdgas-Projekt im Schwarzen Meer

Am Grund des Schwarzen Meeres vor der Küste Rumäniens liegt das riesige Gasfeld Neptun Deep. Dort gebe es ein förderbares Volumen von 100 Milliarden Kubikmeter Gas, wie der österreichisch-rumänische Energiekonzern OMV Petrom mitteilt. Das Unternehmen, das 51 Prozent Anteile des Erdgas-Produktionsentwicklungsprojekt Neptun Deep hält, wird dieses Gasfeld nun mit seinem Partner Romgaz, dem größten Gasproduzenten Rumäniens, erschließen. In den nächsten Jahren werden OMV Petrom und Romgaz bis zu vier Milliarden Euro in das Projekt investieren. 

Neptun Deep soll eines der größten Erdgasprojekte in der Europäischen Union werden. Das erste Gas werde voraussichtlich 2027 fließen. „Dank Neptun Deep wird Rumänien der größte Erdgasproduzent in der EU werden“, sagte OMV-Chef Alfred Stern.

Rumänien: OMV erschliet riesiges Erdgasvorkommen im Schwarzen Meer

Der Neptun-Deep-Block im Schwarzen Meer hat eine Fläche von 7500 Quadratkilometern und befindet sich etwa 160 Kilometer von der Küste entfernt in Wassertiefen zwischen 100 und 1000 Metern. Die bisherigen Ausgaben für die Exploration belaufen sich laut OMV auf 1,5 Milliarden Euro. Die teilstaatliche OMV ist mit einem Konzernumsatz von rund 62 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern eines der größten börsennotierten Unternehmen Österreichs. Sie hält 51 Prozent an OMV Petrom.

Neptun Deep ist jedoch nicht das einzige Erdgasprojekt in Rumänien. Seit Juni 2022 förder das Unternehmen Black Sea Oil & Gas SA auf der Bohrinsel „Ana“ Erdgas aus einem kleineren Feld. Es ist das erste Offshore-Projekt Rumäniens seit über 30 Jahren, wie das Arte-Format „RE:“ berichtet. Etwa 10 Prozent des rumänischen Bedarfs sollen hier jährlich gefördert werden.

Im Vergleich zum Gasfeld Neptun Deep, ist das Fördervolumen hier deutlich kleiner, geschätzt nur 10 Milliarden Kubikmeter. Das zeigt aber das riesige Potenzial, das hier unter dem Boden des Meeres schlummert. So könnte Rumänien nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern in Zukunft auch Gas an seine europäischen Partner liefern. Ganz ungefährlich ist das im Moment aber nicht. Der Ukraine-Krieg ist nicht weit weg, immer wieder gelangen Wasserminen in rumänische Gewässer und auch in die Nähe der Bohrinsel „Ana“.

Umstrittenes „Offshore-Gesetz“ verhinderte Erdgasförderung: Hatte Russland seine Finger im Spiel?

Warum in Rumänien nicht schon früher Erdgas gefördert wurde, erklärt sich durch die Gesetzgebung. Laut „RE:“ seien Investitionen dadurch behindert worden. Bereits 2008 planten Investoren die Erschließung von Neptun Deep. Dazu kam es aber erst gar nicht. 2018 hatte das rumänische Parlament das „Offshore-Gesetzt“ verabschiedet. Es sollte angeblich rumänische Interessen schützen.

Der Politiker Iulian Iancu, von der damaligen Regierungspartei PSD, war daran maßgeblich beteiligt. Er argumentierte damals, dass die Investoren nicht mehr als die Lizenzgebühren zahlen wollten und dem Staat so viel Geld verloren gehen würde. Durch das Gesetz hätten die Unternehmen unter anderem mehr Steuern zahlen müssen. Das Projekt wurde deswegen vorerst aufgegeben. Iancu wird jedoch von rumänischen Medien eine Nähe zum russischem Gasproduzenten Gazprom nachgesagt. Radu Dudau, Professor für internationale Beziehungen an der Universität in Bukarest, erklärt im Arte-Bericht: „Viele wunderten sich, wessen Interessen damit eigentlich bedient wurden: die von Rumänien oder die Russlands?“

Neues „Offshore-Gesetz“ ermöglicht Förderung – Greenpeace kritisiert Staaten, die auf klimaschädliches Erdgas setzten

Bereits im Mai 2022 wurde ein neues „Offshore-Gesetz“ verabschiedet, dass die Förderung für die Investoren wieder leichter machte. Das berichtete Radio Romainia Internation. Finanziell und energiepolitisch könnte das jetzt zu goldenen Zeiten in Rumänien führen und auch für die EU von Vorteil sein. Umwelttechnisch ist das Unterfangen aber äußert zweifelhaft. Denn mit dem Green Deal wollen die 27 EU-Mitgliedstaaten bis 2050 klimaneutral werden.

Die Umweltorganisation Greenpeace warnt davor, weiterhin auf eine Gasförderung zu setzten: „Erdgas galt lange als der ‚klimafreundlichste‘ der fossilen Brennstoffe. Doch dieses saubere Image ist überholt. Denn Erdgas heizt unser Klima gleich doppelt auf – durch Methaneinträge bei Förderung, Speicherung und Transport des Gases sowie durch CO₂-Emissionen bei der Verbrennung. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und extrem klimaschädlich. Jede Tonne davon heizt die Erde über 20 Jahre betrachtet 84-mal so stark auf wie die gleiche Menge Kohlendioxid. Bei der Gasförderung entweicht es in großen Mengen aus undichten Bohrstellen und Pipelines.“ (md mit dpa, AFP)

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