VonSimon Monesschließen
Immer mehr chinesische Hersteller kommen mit Kampfpreisen nach Europa. Aber sind die E-Autos wirklich so günstig? Der ADAC hat die Preise verglichen.
Stuttgart/München - Chinesische Elektrofahrzeuge sind nach Ansicht von Ursula von der Leyen preislich nicht nur wettbewerbsfähig, sondern zu günstig. Die Präsidentin der Europäischen Kommission äußert Besorgnis über die Fairness des Wettbewerbs auf dem globalen Automobilmarkt. „Riesige staatliche Subventionen“ der chinesischen Regierung würden zu einer Verzerrung des Wettbewerbs führen, da europäische Automobilhersteller nicht mit den niedrigen Preisen konkurrieren können, lautet die Argumentation. Aber ist das wirklich der Fall?
E-Autos boomen weltweit: Immer mehr Hersteller aus China drängen nach Europa
Auf dem eigenen Markt genießen Unternehmen wie BYD, Nio und ihre Mitstreiter zweifellos einen markanten Kostenvorteil. Dies zwang sogar Volkswagen dazu, vorübergehend den Preis des ID.3 in China erheblich zu senken und auch Mercedes-Benz hat die Preise für die E-Auto-Flaggschiffe EQS und EQE in China deutlich gesenkt. Den Berechnungen des ADAC zufolge gestaltet sich die Situation in Europa jedoch deutlich komplexer.
„In jedem Fall sind in Europa seit diesem und letztem Jahr deutlich mehr Autohersteller aus China aktiv“, betont der Automobilklub. In Deutschland haben Unternehmen wie BYD, Nio, MG, Ora und Aiways bereits Fuß gefasst. Xpeng und Zeekr planen ihren Start Mitte 2024, und weitere Marken werden folgen. Der ADAC erklärt, dass sich bereits eine breite Palette chinesischer Produkte etabliert hat, deren Preise mit denen in Europa vergleichbar sind.
E-Autos aus China nur Billigware? Nicht unbedingt, wie ADAC-Berechnung zeigt
Allerdings sind die Chinesen nicht immer zwangsläufig die günstigere Wahl. Zum Beispiel kostet der Ora Funky Cat 44.500 Euro, während ein vergleichbarer VW ID.3 bereits ab rund 40.000 Euro erhältlich ist. Der Zeekr X und der BMW iX1 bewegen sich preislich auf ähnlichem Niveau, und auch der Aiways U5 und der VW ID.4 unterscheiden sich preislich kaum.
| Modell (Nettokapazität) | Preis in Euro | Europäisches Pendant | Preis in Euro (Quelle:ADAC) |
|---|---|---|---|
| Ora Funky Cat (63 kWh) | 44.500 | VW ID. 3 (58 kWh) | 40.000 |
| MG4 (51 kWh) | 32.000 | Opel Astra (54 kWh) | 42.000 |
| Smart #1 (66 kWh) | 41.500 | Volvo XC40 (66 kWh) | 47.500 |
| BYD Atto 3 (60 kWh) | 42.000 | Renault Megane e-tech (60 kWh) | 46.500 |
| Polestar 2 (82 kWh) | 54.500 | BMW i4 (84 kWh) | 60.000 |
| Aiways U5 (63 kWh) | 39.000 | VW ID.4 (55 kWh) | 40.000 |
| Xpeng P7 (86 kWh) | 50.000 | VW ID.7 (82 kWh) | 57.000 |
| Nio ET7 (100 kWh) | 91.000 | Mercedes EQS (108 kWh)) | 109.500 |
In den meisten Fällen sind Elektroautos aus Fernost jedoch kostengünstiger im Vergleich zur europäischen Konkurrenz. Der Unterschied zwischen dem MG4 und dem Opel Astra ist besonders deutlich. Beide gehören derselben Fahrzeugklasse an und haben eine gleich große Batterie, aber der MG ist um ganze 10.000 Euro günstiger, wie der ADAC berichtet. In der Oberklasse positioniert sich Nio ebenfalls klar unter den Preisen von BMW und Mercedes-Benz. Der ET7 ist fast 20.000 Euro günstiger als der EQS. Die deutschen Kunden zeigen durchaus Bereitschaft, auf Premiumfahrzeuge aus China umzusteigen.
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Technologischer Vorteil bei E-Autos: Europas Hersteller kooperieren mit China-Konkurrenz
Das weitverbreitete „Billig-Image“, das viele chinesischen Produkte begleitet, scheint tatsächlich nicht vollständig begründet zu sein. Dies wirft die Frage auf, ob die von der EU diskutierten Strafzölle wirklich notwendig sind. Denn der Kaufpreis allein bildet nur einen Aspekt der Gesamtkosten ab, wobei der Wiederverkaufswert ebenfalls eine Rolle spielt und somit ein umfassender Kostenvergleich unabdingbar ist.
Allerdings gibt es einen Bereich, in dem die Hersteller aus Fernost definitiv die Oberhand haben: Technologie. Dies motivierte Volkswagen dazu, eine Beteiligung bei Xpeng einzugehen. Zudem arbeiten auch andere Automobilhersteller bereits intensiv mit chinesischen Herstellern zusammen. Volvo gehört bereits zur Geely-Gruppe aus China, und die Elektrofahrzeuge von Polestar werden in Kooperation mit dem Mutterkonzern entwickelt. Mercedes wiederum hat Smart in ein Joint-Venture mit Geely umgewandelt und gemeinsam mit BYD den Premium-Van Denza D9 entwickelt, das jedoch zum Flop wurde.
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