VonAmy Walkerschließen
Neben den gestiegenen Zinsen halten auch neue Klimaschutzanforderungen vom Kauf einer Immobilie ab. Die Preise sinken daher - am stärksten bei unsanierten Gebäuden mit niedriger Energieklasse.
Berlin - Es sind zwei Gesetzesvorhaben, die potenzielle Käufer und Käuferinnen am Immobilienmarkt gerade zurückhalten. Zum einen das Heizungsgesetz, das ab kommendem Jahr die Wärmewende im deutschen Heizungskeller einleiten soll. Zum anderen aber auch das neue Gesetz zur Gebäudeenergie auf EU-Ebene, das die energetische Sanierung von Gebäuden voranbringen soll. Beide Gesetze haben das Ziel, bis 2045 bzw. 2050 einen emissionsfreien Gebäudesektor in Europa zu haben.
Tabelle: Preise sinken vor allem in niedrigen Energieklassen
Dadurch, dass diese Gesetze noch nicht beschlossen sind, reagieren sowohl Eigentümer und Eigentümerinnen als auch Kaufinteressierte verunsichert. Das schlägt sich nun auch auf den Immobilienmarkt nieder, wo die Kaufpreise seit Wochen sinken. Vor allem sind dabei Gebäude betroffen, die unsaniert sind und daher eine niedrige Energieklasse haben. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Immobilienportals Immoscout24. Demnach sind vor allem Häuser der höchsten Energieklassen A und B preisstabil, während in den niedrigeren Klassen deutliche Preisabschläge zu verzeichnen sind.
Folgende Tabelle zeigt eine Immoscout24-Auswertung, die die Preisabschläge in den verschiedenen Kategorien im Vergleich zur höchsten Klasse, der Energieklasse A, zeigt:
| Effizienzklasse | Metropolen | Umland | Großstädte | Kleinere Städte | Ländlicher Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| B | -5 Prozent | -10 Prozent | -9 Prozent | -19 Prozent | -16 Prozent |
| C | -19 Prozent | -20 Prozent | -23 Prozent | -30 Prozent | -25 Prozent |
| D | -28 Prozent | -24 Prozent | -29 Prozent | -34 Prozent | -31 Prozent |
| E | -30 Prozent | -27 Prozent | -31 Prozent | -37 Prozent | -36 Prozent |
| F | -33 Prozent | -30 Prozent | -32 Prozent | -39 Prozent | -41 Prozent |
| G | -34 Prozent | -33 Prozent | -36 Prozent | -41 Prozent | -47 Prozent |
| H | -35 Prozent | -36 Prozent | -33 Prozent | -45 Prozent | -51 Prozent |
Die Auswertung betrachtet Wohnungen und Einfamilienhäuser, die älter als zwei Jahre sind (Bestand) und die im ersten Quartal 2023 bei ImmoScout24 zum Kauf angeboten wurden. Zudem flossen nur Angebote mit mindestens 70 Quadratmeter Wohnfläche, einem sinnvollen Angebotspreis sowie mit der Angabe von Baujahr und Energiekennwert in die Auswertung ein.
Erstaunlich ist dabei, dass mittlerweile auch in den großen Metropolen und im verdichteten Umland dieser Städte die Preise stark ins Rutschen kommen.
Sorge vor künftigen Investitionen
In einer Umfrage von Immoscout24 gemeinsam mit YouGov Deutschland wurden Kaufinteressierte außerdem gefragt, was sie vom Kauf einer Immobilie abhält. Befragt wurden Ende April 2023 rund 2000 Personen, als die Debatte um das Heizungsgesetz an einem Höhepunkt war. Folgende Gründe wurden dabei genannt:
- Zu wenig Eigenkapital (37 Prozent)
- Zu hohe Immobilienpreise (35 Prozent)
- Zu hohe künftige Investitionen im Zuge von Klimaschutzauflagen (23 Prozent)
- Monatliche Finanzierungsraten sind zu hoch (21 Prozent)
- Zu viel Verantwortung/Aufwände (15 Prozent)
- Wunsch nach Flexibilität (12 Prozent)
- Kein geeignetes Objekt gefunden (10 Prozent)
Im Frühjahr wurde eine neue EU-Gebäuderichtline vom EU-Parlament angenommen. Damit sollen bis 2050 alle Wohngebäude in der EU emissionsfrei sein. Heißt: Die Gesamtenergie des Gebäudes muss aus erneuerbaren Energien kommen. Um das zu schaffen, müssen nach und nach alle bestehenden Gebäude saniert werden. Ab 2028 sollen nur noch emissionsfreie Gebäude errichtet werden.
Rubriklistenbild: © CHROMORANGE / Ernst Weingartner

