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Katrin Woitschschließen
Die Kosten für die Pflege im Heim sind abermals gestiegen. Jetzt können sich viele Familien die Pflege gar nicht mehr leisten.
München – Andreas Roß hat sein Leben lang gearbeitet. Trotzdem wird ihm bald nichts anderes übrig bleiben als der Gang zum Sozialamt. Seine Frau lebt seit drei Jahren in einem Pflegeheim in Augsburg. Er wollte für sie ein Zimmer mit Gartenblick, sie soll es schön haben. Pro Monat muss er 6194 Euro zuzahlen, die Pflegeversicherung übernimmt nur 1775 Euro. Von seiner Rente finanziert der 71-Jährige die Pflege. Für alles andere gehen Monat für Monat seine Ersparnisse drauf. „Ich habe bereits eine Zusatzversicherung aufgelöst, um die Pflege bezahlen zu können“, sagt er. Trotzdem reicht das Geld nicht mehr lange.
Kosten für die Pflege überschreiten 3000-Euro-Marke
Roß hat niemanden, mit dem er über diese Sorgen sprechen kann – außer andere Angehörige im Heim. Wie ihm geht es fast allen, das hat er schnell gemerkt. „Ein Drittel der Bewohner lebt von Sozialhilfe, weil die Pflege so teuer ist.“ Und sie wird noch teurer!
Anfang Juli sind die Zuzahlungen für die Pflege im Heim regelrecht in die Höhe geschossen. In Bayern sind im Schnitt 2448 Euro pro Monat fällig – 266 Euro mehr als vor einem Jahr. In dieser Summe ist nur der Eigenanteil für Pflege und Betreuung enthalten, hinzu kommt aber noch ein Betrag für Unterkunft und Verpflegung. „Damit durchstoßen wir erstmals die 3000-Euro-Marke“, sagt Georg Sigl-Lehner. Er ist Heimleiter in Altötting – und muss gerade vielen Angehörigen erklären, warum die Kosten so stark steigen. „Das treibt alle um.“
Bundesweit liegt Bayern mit seinen Pflegekosten im Mittelfeld und leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 2548 Euro im Monat. Gestiegen sind die Sätze überall – aber besonders in den Bundesländern, die vorher einen schlechten Pflegeschlüssel hatten und ihn nun anpassen mussten, erklärt Sigl-Lehner.
Heimleiter wie er müssen in den Pflegesatz-Verhandlungen alle Kosten offenlegen. „Auf dieser Grundlage ergibt sich dann der Pflegesatz.“ Hinter dem Kostensprung stecken die gestiegenen Personal- und Sachkosten. Die Sachkosten sind durch die Inflation und die gestiegenen Energiepreise in die Höhe geschossen, die Personalkosten durch die Lohnerhöhungen in der Pflege.
Forderung: Pflegekosten auf alle umlegen
„Wir alle waren uns einig, dass Pflegekräfte angemessen bezahlt werden müssen“, sagt der Heimleiter. Das bezahlen nun aber die Pflegebedürftigen und ihre Familien mit. Sigl Lehner, der auch Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern ist, fordert, diese Lohnerhöhungen solidarisch auf alle umzulegen. Das würde bedeuten, dass die Beiträge der Pflegeversicherung steigen. Denn perspektivisch werden auch höhere Zuzahlungen für die Heime fällig. Wenn die Eigenmittel nicht reichen, springt der Bezirk ein.
In Oberbayern erhalten 14.100 Menschen in der stationären Pflege Sozialhilfe. Das wird für 2023 voraussichtlich 183 Millionen Euro kosten. Im ambulanten Bereich werden 4260 Menschen unterstützt (147 Millionen Euro). Noch verzeichnet der Bezirk keinen Anstieg der Anträge – der dürfte verzögert eintreten, wenn das Vermögen der Pflegebedürftigen aufgebraucht ist.
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Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa



