VonMarkus Hofstetterschließen
In vielen Branchen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Es ist ein globales Problem, auch mit gravierenden Folgen für das Klima. Der Temperaturanstieg könnte sich verstärken.
Frankfurt/Main - Der Fachkräftemangel wird zu einem Hemmschuh für die deutsche Wirtschaft. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat dieser 2022 trotz der relativ schwachen Konjunktur ein neues Rekordniveau erreicht. Rein rechnerisch hätten im vergangenen Jahr mehr als 630.000 offene Stellen für Fachkräfte nicht besetzt werden können, heißt es darin. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sieht in der Sicherung des Fachkräftebedarfs eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.
Fachkräftemangel gefährdet weltweit Erreichen der Klimaziele: Klima- und Energieprojekte verzögern sich
Der Fachkräftemangel könnte noch an ganz anderer Stelle zum Problem werden. Bereits im vergangenen Jahr kam eine weitere IW-Studie zu dem Ergebnis, dass der Fachkräftemangel die Energiewende in Deutschland zu bremsen droht. Für den Ausbau der Solar- und Windenergie fehlten demnach rund 216.000 Fachkräfte.
Doch das ist kein rein deutsches Problem. Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG), die der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegt, fehlen bis zum Jahr 2030 weltweit rund sieben Millionen Fachkräfte, um die notwendigen Maßnahmen zur Erreichung der internationalen Klimaziele umzusetzen. Die dadurch zu erwartenden Verzögerungen bei der Umsetzung von Klima- und Energieprojekten könnten demnach zu einem Temperaturanstieg von 0,1 Grad Celsius führen.
Fachkräftemangel gefährdet weltweit Erreichen der Klimaziele: allein in Deutschland können 400.000 Stellen nicht besetzt werden
Das Ziel, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, könne „damit in noch weitere Ferne rücken“, sagt Studienautorin Janina Kugel der Zeitung. Es werde beim Thema Klimaschutz unheimlich viel über Infrastruktur, Finanzierung, Technologie und Innovation gesprochen. „Dass zur Umsetzung auch Fachkräfte benötigt werden, wird hingegen bislang nicht genug mitgedacht.“
Allein in Deutschland könnten den Berechnungen zufolge bis zum Jahr 2030 400.000 Stellen im Bereich der „grünen Wirtschaft“ unbesetzt bleiben, heißt es in der Studie. Zur Erreichung der Klimaziele fehlen beispielsweise Installateure für Solarmodule, technisches Personal für das Betreiben von Windkraftanlagen und Fachkräfte im Bereich der Forschung und Entwicklung für Solar- und Batterietechnologien.
Fachkräftemangel gefährdet weltweit Erreichen der Klimaziele: Arbeitskräfte sollen aus dem Ausland kommen
„In jedem Falle müssen wir auch im Ausland rekrutieren“, sagte Johann Harnoss, Mitautor der Studie, der Zeitung. Hier brauche es globale Aus- und Weiterbildungskooperationen, vor allem mit Ländern des globalen Südens, in denen die Arbeitslosigkeit hoch sei. Die Studie geht davon aus, dass 40 Prozent der Arbeitskräfte nur in geringem Maße weiterqualifiziert werden müssten.
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