1860 gegründet

Familiengeführtes Traditionsunternehmen ist insolvent

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Die Wehrle-Werk AG (Foto zeigt links den Hauptsitz in Emmendingen) hat beim Amtsgericht Freiburg Insolvenz angemeldet.
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Nach 165 Jahren Firmengeschichte ist ein Familienunternehmen aus Baden-Württemberg in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und muss Insolvenz anmelden.

Emmendingen – Der Insolvenzwelle in Deutschland fallen immer mehr Traditionsunternehmen zum Opfer. Wie unsere Redaktion jüngst berichtete, musste ein über 130 Jahre alter Betrieb Insolvenz anmelden, wovon eine dreistellige Mitarbeiterzahl betroffen ist. Dasselbe trifft nun auch auf ein Familienunternehmen aus Baden-Württemberg zu, das auf eine noch längere Geschichte zurückblicken kann.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Der Anlagenbauer und Umwelttechnik-Spezialist Wehrle-Werk AG aus Emmendingen hat Insolvenz angemeldet. Das Familienunternehmen, das sich selbst als „Treiber der Green Transformation“ sieht und seit über 150 Jahren Beständigkeit verspricht, steckt in einer Krise – nun stehen mehr als rund 250 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Insolventes Schwarzwald-Traditionsunternehmen Wehrle-Werk seit 1860 in Familienhand

Wie auf dem Portal insolvenzbekanntmachungen.de einzusehen ist, setzt das Amtsgericht Freiburg den Juristen Marc-Philippe Hornung von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. „Wir bedauern dies sehr, allerdings war dieser Schritt nach den Entwicklungen der letzten Wochen und Tage unvermeidlich“, erklärte Sanierungsvorstand Axel Buchholz laut einem Bericht der Wirtschaftswoche. Der externe Restruktierungsexperte war Ende 2024 als Rettungsanker verpflichtet worden, nachdem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2022/23 bei 50 Millionen Euro Umsatz einen dramatischen Verlust von 17 Millionen Euro ausgewiesen hatte.

Die Krise des badischen Traditionsunternehmens hat mehrere Ursachen: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine brach das Russland-Geschäft weg, das fünf Prozent des Konzernumsatzes ausmachte. Zusätzlich fielen zwei Großaufträge aus, eine Softwareumstellung führte zu internen Problemen und das Unternehmen wurde Opfer eines Hackerangriffs. „Die Verluste sind heftig“, hatte der damalige Konzernchef Heiner Steinberg die dramatischen Zahlen gegenüber der Badischen Zeitung kommentiert.

Wehrle-Werk blickt auf eine 165-jährige Geschichte zurück. 1860 gründete Wilhelm Wehrle die „mechanische Werkstätte und Kesselschmiede“ in Emmendingen. Anfangs belieferte das Unternehmen Brauereien, später kam die Fertigung tonnenschwerer Großteile hinzu. Ab den 1970er-Jahren spezialisierte sich Wehrle auf Umwelttechnik und wurde zum „Greentech Power from the Black Forest“.

UnternehmenWehrle-Werk AG
Gründung1860 von Wilhelm Wehrle
HauptsitzEmmendingen, Baden-Württemberg
BrancheAnlagenbau, Umwelttechnik, Abwasser- und Abfallbehandlung
Mitarbeiter237 (2022)
Umsatz50,1 Mio. Euro (2023)
Vorläufiger InsolvenzverwalterMarc-Philippe Hornung, Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz (SZA)

Heute entwickelt das Unternehmen Lösungen zur nachhaltigen Behandlung von Abwasser und Abfällen, kümmert sich um die Reinigung von Produktionsabwässern, die Rückgewinnung von Wertstoffen und die Erzeugung von Biogas. Doch die laut Sanierungsvorstand Axel Buchholz „schwierige Konjunkturlage, Verzögerungen in der Abwicklung von Projekten und stark schwankende Auftragseingänge“ setzten dem Mittelständler offenbar zu sehr zu.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Hornung will sich in den nächsten Tagen einen Überblick verschaffen und die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die rund 250 Mitarbeiter organisieren. Absehbar ist, dass auch das Betriebsgelände in der Emmendinger Innenstadt eine Rolle spielen wird – große Teile sollen nicht mehr aktiv genutzt werden.

Zuletzt berichtete unsere Redaktion auch über ein international tätiges Industrieunternehmen aus Baden-Württemberg, das die Insolvenz nicht überstanden hat und abgewickelt wird.

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