- VonStephanie Schoenschließen
Auch im September erreichen die Firmenpleiten wieder ein Rekordniveau. Dabei trifft es besonders zwei Branchen. Die massiven Insolvenzzahlen lassen einen neuen Jahresrekord erwarten.
Berlin – Dass die deutsche Wirtschaft in schweren Turbulenzen agiert, lässt sich immer auch an den Insolvenzzahlen ablesen. Mit rund 60 Insolvenzen täglich wird dabei ein Rekordwert erreicht, den Deutschland seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen hat. Wie das Statistische Bundesamt meldet, sind auch im September wieder 10,4 Prozent mehr Firmenpleiten als im Vorjahresmonat zu verzeichnen. Hochgerechnet werden das wohl an die 22.000 Insolvenzen für dieses Jahr werden – damit wird ein neuer Höchststand erreicht, den Deutschland so seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen hat.
Verkehr, Logistik und Gastgewerbe besonders betroffen bei den Insolvenzen
Aus den finalen Zahlen des Statistischen Bundesamtes von Juli 2025 geht hervor, dass von 10.000 Unternehmen 6,3 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben. Betrachtet man die betroffenen Branchen, so ist der Verkehrs- und Logistiksektor besonders stark betroffen. Mit 12,7 Insolvenzfällen pro 10.000 Unternehmen führt er die Liste an.
Aber auch im Gastgewerbe und bei den sonstigen Dienstleistungen sieht es schlecht aus. Hier haben 9,9 Firmen von 10.000 einen Insolvenzantrag gestellt. Die Folgen der Insolvenzen haben auch massive Auswirkungen auf die Gläubiger. So sollen deren Forderungen alleine im Juli 2025 3,7 Milliarden Euro betragen haben. Das sind noch einmal 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahresmonat mit 3,2 Milliarden.
Die Gründe für die hohen Insolvenzzahlen sind vielfältig
Der Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) sieht die überbordende Bürokratie in Deutschland dabei nur als Krisenbeschleuniger. Ursächlich seinen vielmehr „unzureichende Liquidität, unflexible Geschäftsmodelle, Störung der Lieferketten oder strategische Fehlentscheidungen“, wie der VID-Vorsitzende Christoph Niering ausführte. Ein Mix aus einem veränderten Kundenverhalten, fehlende Nachfolgelösungen und auch externe Schocks wirken so bei einer Unternehmenspleite oft zusammen.
DIHK-Chefanalyst Volker Treier mahnte wiederholt umfangreichere Strukturreformen der Politik an, um die Standortattraktivität in Deutschland zu verbessern. „Wir müssen dringend runter von den hohen Kosten für Energie und Personal sowie den im Vergleich zu anderen Ländern hohen Belastungen durch Steuern und Bürokratie“, kommentierte er.
Die weiteren Aussichten bei der Entwicklung der Insolvenzzahlen bleiben trübe
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) schätzt die weiteren Aussichten durchaus pessimistisch ein. Nachdem die Unternehmensinsolvenzen schon im Juli 2025 einen neuen Höchststand seit zwölf Jahren erreicht haben, sei auch in den kommenden Monaten keine Besserung in Sicht. „Rückläufige Exporte, insbesondere in die USA, sinkende Industrieproduktion und eine maue Konjunktur – das alles sind keine guten Nachrichten für den hiesigen Wirtschaftsstandort“, sagte DIHK-Chefanalyst Volker Treier.
Sind deutsche Unternehmen zu träge?
In einer aktuellen Kommentierung von Business Punk wird auch herausgestellt, dass viele deutsche Unternehmen die digitale Transformation bislang verschlafen haben und an veralteten Geschäftsmodellen festhalten. Hier wird angemahnt, dass in Politik und Verbänden in erster Linie über Steuern und Energiekosten debattiert wird, aber viele Mittelständler in der Zwischenzeit eben den Anschluss an globale Entwicklungen verpassen.
Dort sieht man die Verkehrs- und Logistikbranche als gutes Beispiel für das Problem. Sie kämpft mit steigenden Kosten und disruptiven Geschäftsmodellen. Nach Ansicht der Analysten von Business Punk ist es dringend notwendig, jetzt Geschäftsmodelle neu aufzustellen, Liquiditätsreserven aufzubauen und flexiblere Strukturen zu schaffen. Unternehmen müssten die Krise als Transformationskatalysator nutzen.
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