Wärmewende

Förderung für den Heizungstausch: Warum die Versprechen der Ampel eine Mogelpackung sind

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Beim Thema Heizungstausch hatte die Ampel versprochen: Die Bürgerinnen und Bürger werden nicht im Stich gelassen. Doch bei den Fördersummen wird jetzt doch gespart.

Berlin – Das Drama um das Gebäudeenergiegesetz geht in die nächste Runde. Nachdem das Bundesverfassungsgericht im Eilverfahren die Abstimmung im Bundestag verhindert hat, muss nun bis nach der Sommerpause gewartet werden. Zeit genug, um sich mit den Einzelheiten nochmal zu befassen. Bei den Förderungen, die die Ampel in dieser Woche erst bekannt gegeben hat, sehen Heizungsverbände nämlich Änderungsbedarf.

Heizungsgesetz: Ampel halbiert Fördersumme auf 30.000 Euro

Versprochen hatte die Ampel-Koalition: Niemand werde im Stich gelassen, es werden soziale Härten abgefedert. Dann wurde klar, dass maximal 70 Prozent der Kosten beim Heizungstausch bezuschusst werden. Das klingt erstmal nach viel. Doch im Detail ergibt sich nun, dass die Ampel die Förderung sogar kürzen will.

Das liegt daran, dass die förderfähigen Investitionskosten bei 30.000 Euro gedeckelt werden. Wer Anspruch auf die 70 Prozent Förderung hat, kann also höchstens 21.000 Euro bekommen. Auf die werden nur die wenigsten Menschen Anspruch haben, da dies Haushalten mit maximal 40.000 Euro Jahreseinkommen vorbehalten wird. Der häufigste Fall wird laut Branchenkennern bei zwischen 30 und 50 Prozent liegen.

Auch das klingt nach viel. Aber in Euro und Cent umgerechnet ist es viel weniger, als Hausbesitzende jetzt schon bekommen können. Aktuell fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eine neue Heizung mit bis zu 40 Prozent bei maximalen Kosten von 60.000 Euro.

Eine eingebaute Wärmepumpe auf dem Gelände der Fernheizwerk Neukölln AG.

Die neue Förderung ist ein Rechenspiel

Die Ampel versteckt ihr neues Förderprogramm hinter einer etwas kompliziert wirkenden Rechnung. Wer sich die Zeit nimmt, genauer hinzuschauen, erkennt aber eine Mogelpackung. Folgende Tabellen zeigen die Problematik genauer auf. In der ersten werden drei Beispiele genannt, bei denen Heizungen jetzt, vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes gekauft werden und verschiedene Fördersätze erhalten:

Beispiel 1Beispiel 2Beispiel 3
Investitionskosten38.500 Euro45.300 Euro27.500 Euro
Fördersatz aktuell35 Prozent40 Prozent25 Prozent
Förderdeckel aktuell60.000 Euro60.000 Euro60.000 Euro
Tatsächliche Kosten25.024 Euro27.180 Euro20.625 Euro

In der nächsten Tabelle dann die Kosten beim Einbau derselben Heizungen nach Inkrafttreten des GEG:

Beispiel 1Beispiel 2Beispiel 3
Investitionskosten38.500 Euro45.300 Euro27.500 Euro
Fördersatz neu44 Prozent50 Prozent30 Prozent
Förderdeckel neu30.000 Euro30.000 Euro30.000 Euro
Tatsächliche Kosten25.300 Euro30.300 Euro19.250 Euro

In Beispiel 1 und 2 entstehen mit dem neuen Förderprogramm am Ende mehr Kosten für den Eigentümer, obwohl der Fördersatz höher ist. Nur wenn die Kosten für den Einbau der Heizung am Ende unter den 30.000 Euro liegen, kann sich das neue Programm voll entfalten. Eigentümer werden also im Grunde so gelenkt, dass sie eine möglichst günstige Heizung einbauen.

Heizungsverbände fordern Anhebung auf 45.000 Euro

Branchenverbände haben deshalb Alarm geschlagen und rufen die Politik dazu auf, den Fördersatz zumindest auf 45.000 Euro anzuheben. „Konkret fordern BDH und ZVSHK die Politik auf, für nachhaltig attraktive und verlässliche Förderbedingungen zu sorgen“, schreiben der Bundesverband der Heizungsindustrie und der Zentralverband für Sanitär, Heizung und Klima in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Halbierung der förderfähigen Kosten führe „auch bei einem Fördersatz von 50 Prozent zu einer Reduzierung der absoluten Förderbeträge gegenüber der heutigen Regelung.“

Auch der Bundesverband Wärmepumpe kritisiert die Förderungen. „Im Vergleich zur aktuellen Förderung kommt es tatsächlich darauf an, wie hoch die Investitionskosten sind“, so Verbandssprecher Björn Schreinermacher auf Anfrage. „Eine durchschnittliche Wärmepumpen-Installation kostet inklusive allem 30.000 Euro. Fallen Umfeldmaßnahmen aufwendiger aus, können es 10.000 bis 20.000 mehr werden.“

Im Gespräch mit Ippen.Media hatte der Heizungsbauer Thermondo zudem darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund der anhaltenden Inflation und der mutmaßlich höheren Nachfrage ab kommendem Jahr der Preis für Wärmepumpen nochmal ansteigen würde. Das wiederum wird sich ebenfalls auf mögliche Zuschüsse niederschlagen – eine Wärmepumpe, die aktuell 33.000 Euro kostet, wird nämlich erwartungsgemäß ab 2024 eher 35.000 Euro kosten.

Rubriklistenbild: © Hannes P. Albert/dpa

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